Im Wettrennen um die Bekämpfung von Krebs läutet der US-Pharmariese Eli Lilly eine neue Runde ein. Die Amerikaner übernehmen für bis zu sieben Milliarden Dollar eine aussichtsreiche Biotechfirma.
Der nächste Milliarden-Deal im Onkologie-Markt ist perfekt: Eli Lilly will die Biotechfirma Kelonia Therapeutics übernehmen. Kelonia war bisher nicht an der Börse gelistet. Der Kaufpreis kann sich auf bis zu sieben Milliarden US-Dollar summieren. 3,25 Milliarden Dollar davon zahlt Lilly sofort, weitere Zahlungen sind nach Unternehmensangaben an klinische, regulatorische und kommerzielle Meilensteine gekoppelt. Der Abschluss der Transaktion wird für die zweite Jahreshälfte 2026 erwartet.
T-Zellen greifen Krebszellen an
Nach Angaben des US-Börsensenders CNBC kauft sich Lilly damit Zugang zu einer Technologie mit dem Namen „in vivo CAR-T“, die das Potenzial habe, eine der aufwendigsten Krebstherapien deutlich zu vereinfachen: Bisher werden CAR T Therapien meist ex vivo hergestellt: Den Patienten werden Immunzellen entnommen, dann im Labor genetisch verändert und anschließend wieder zurückgegeben. Das Verfahren ist logistisch anspruchsvoll, hat aber bei Blutkrebsarten wie dem multiplem Myelom bereits Erfolge gezeigt. Kelonias Ansatz zielt darauf, die sogenannten T-Zellen direkt im Körper so umzuprogrammieren, dass diese Abwehrzellen dann die Krebszellen direkt angreifen.
Lillys Onkologie-Chef und M&A-Verantwortlicher Jacob van Naarden beschreibt das Konzept laut CNBC so: „Das ist eine einmalige, intravenös verabreichte Therapie. Sie nimmt die T Zellen des Körpers ins Visier, verwandelt sie im Körper in Krebsbekämpfer – und erfordert überhaupt keine Vorbehandlung.“
Van Naarden ist voll des Lobes über den Neuzugang. Kelonias bisherige klinische Daten seien „nichts weniger als bemerkenswert“.
Mit der Übernahme sendet Eli Lilly auch ein klares Statement an die Konkurrenz: „Wir werden ein Player in der Hämatologie sein“, sagt Eli Lilly-Manager van Naarden. Es sei gut, noch ein weiteres Medikament zu haben, mit dem man zu Ärzten gehen könne. „Ein Medikament, das breit einsetzbar ist und nicht auf akademische Zentren beschränkt bleibt, die ex-vivo, personalisierte Zelltherapien durchführen können.“
Auch Johnson & Johnson und Gilead mischen mit
Die CAR T-Therapie ist ein Milliardenmarkt, ihr Einsatz ist aber aufwendig und damit begrenzt. Auch andere Unternehmen aus dem Bereich Big Pharma haben sich hier positioniert: Johnson & Johnsons setzte mit seiner CAR T Therapie unter dem Markennamen Carvykti laut CNBC im vergangenen Jahr 1,89 Milliarden Dollar um. Zudem übernahm Lillys Konkurrent Gilead jüngst seinen Partner Arcellx samt dessen Carvykti-Konkurrenzprodukt anito cel für 7,8 Milliarden Dollar. Es geht also um nicht weniger als den Zugang zur nächsten Generation der Krebsmedizin. Dort will auch die deutsche BioNTech mitmischen: Die Mainzer setzen allerdings eher auf eine mRNA-Impfung.
Fazit
Eli Lilly gibt viel Geld aus für die Chance, CAR T vom Nischen-Hightech-Verfahren zu einer breiter verfügbaren Therapie weiterzuentwickeln. Ob daraus der nächste Blockbuster entsteht, hängt noch von Studien- und Zulassungserfolgen ab. Aber klar ist: Die Amerikaner geben sich nicht dem Erfolg ihrer Abnehmpille („Mounjaro“) zufrieden und setzen nun auch Milliarden auf künftige Blockbustermärkte
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Häufige Fragen zum Thema
Was sind T-Zellen?
T-Zellen (T-Lymphozyten) gehören zu den weißen Blutkörperchen des adaptiven Immunsystems. Sie erkennen idealerweise Viren, Bakterien und Tumorzellen und können infizierte Körperzellen direkt vernichten oder alternativ als sogenannte Helferzellen die Immunantwort durch Botenstoffe steuern. Synonyme für T-Zellen sind T-Lymphozyten oder T-Killer-/Helferzellen.
Wie groß ist der Markt für Krebsmedikamente?
Der weltweite Markt für Krebsmedikamente wurde im Jahr 2025 auf mehr als 250 Milliarden US-Dollar geschätzt (Quelle: Zion Market Research). Prognosen sagen voraus, dass er bis 2034 auf fast 700 Milliarden US-Dollar ansteigen könnte. Treiber dafür sind vor allem innovative Immun- und zielgerichtete Therapien. Dazu zählt auch der in vivo CAR-T-Ansatz von Kelonia Therapeutics.