Hintergrund seien Vorwürfe der früheren Leiterin des Unternehmensbereichs Nachhaltigkeit, Desiree Fixler, die die DWS im Frühjahr nach nur wenigen Monaten im Job verlassen hatte. Die Aktien der DWS rauschten um mehr als 13 Prozent nach unten.

Die Fondgesellschaft, die Deutsche Bank und die SEC wollten sich nicht äußern zu den Informationen, über die das "Wall Street Journal" zuerst berichtet hatte. Die Deutsche Bank und ihre Fondstochter treffen solche Vorwürfe empfindlich. Sie haben sich Nachhaltigkeit groß auf die Fahnen geschrieben und wollen das Geschäft in den kommenden Jahren ausbauen. Die DWS hat es nach dem Weggang von Fixler sogar zur Chefsache gemacht und es in den Aufgabenbereich von Vorstandschef Asoka Wöhrmann gelegt.

Auch die deutsche Finanzaufsicht BaFin gehe den Vorwürfen nach, sagte ein Insider zu Reuters. Die Behörde erklärte, sich zu einzelnen Unternehmen nicht zu äußern. Sie werte für jeden Fonds und jede Kapitalverwaltungsgesellschaft die jährlichen Berichte aus und prüfe, ob die gesetzlichen Vorgaben - auch die für Nachhaltigkeit - eingehalten worden seien. Sollten sich Anhaltspunkte für einen Verstoß gegen ESG-Vorgaben zeigen, gehe die Börde diesen nach. Das gelte auch für Vorwürfe von Anlegern, sogenannten Whistleblowern und der Presse.

WARNUNGEN VOR GREENWASHING


Das Kürzel ESG steht für die nachhaltigen Kriterien, nach denen Fondsgesellschaften, Banken und Unternehmen agieren - Environmental (Umwelt), Social (Soziales) und Corporate Governance (gute Unternehmensführung). Der Geldzufluss in solche Anlageformen hat zuletzt stark zugenommen. Untersuchungen der Aufsichtsbehörden dürfte deshalb die ganze Branche alarmieren.

Dem "Wall Street Journal" sagte Fixler, sie sei der Meinung, die DWS habe beim Thema Nachhaltigkeit falsche Angaben gemacht. Einen Sprecher der Fondsgesellschaft zitierte die Zeitung mit der Aussage, eine Überprüfung ihrer Vorwürfe durch externe Berater sei substanzlos geblieben. Die DWS entwickele ihre ESG-Standards kontinuierlich weiter.

Um bei den "grünen" Investments Etikettenschwindel - sogenanntes Greenwashing - zu verhindern, fordern Verbraucherschützer einheitliche Standards und Leitlinien. Solche Anlagen sollten nur als nachhaltig bezeichnet werden, wenn sie einen messbaren Beitrag zu Nachhaltigkeitszielen leisten und mehr seien als reine Werbeversprechen.

Globale und nationale Aufsichtsbehörden sind bei dem Thema bereits aktiv und haben Vorschläge für einheitliche Kontrollkriterien veröffentlicht. Die Branche solle sich etwa auf gemeinsame Begriffe einigen und Anforderungen an nachhaltige Investments klarer definieren.

rtr