Daimler rechnet nach eigenen Angaben für 2017 mit einem Steuerertrag von 1,7 Milliarden Euro. Per saldo soll sich der Konzernüberschuss voraussichtlich um eine Milliarde Euro erhöhen, da noch gegenläufige Effekte zu berücksichtigen seien. Der Konzern will seine Jahreszahlen am 1. Februar präsentieren. BMW wiederum rechnet mit einem positiven Effekt auf den Jahresüberschuss von 950 Millionen bis 1,55 Milliarden Euro. Der Konzern weist darauf hin, dass sich ab 2018 negative Effekte aus der Reform bemerkbar machten, ohne dass sie sich schon quantifizieren ließen.

Verlustvorträge entwertet



Negativ bemerkbar macht sich die Reform bereits jetzt bei Heidelberger Druck. Der SDAX-Konzern hat hohe Verlustvorträge angesammelt, die er nun nicht mehr in vollem Umfang geltend machen kann. Dadurch steigt der Steueraufwand, was das Nachsteuerergebnis 2017/18 mit 25 Millionen Euro belastet. Der Gewinn werde deshalb deutlich unter dem Vorjahreswert von 36 Millionen Euro liegen. Das Biotech-Unternehmen Qiagen wiederum rechnet im vierten Quartal 2017 als Folge der neuen US-Steuergesetze mit einer Belastung des Nachsteuerergebnisses von umgerechnet rund 100 Millionen Euro. Zu den Verlierern zählt sich auch der Chemiekonzern Lanxess, der mit Ergebnisbelastungen im vierten Quartal von 50 Millionen Euro rechnet.

Noch viele Unwägbarkeiten



Steuerexperten weisen darauf hin, dass die langfristigen Auswirkungen der US-Steuerreform noch längst nicht erfasst seien. Der einmalige Effekt aus der Auflösung latenter Steuern sei aber wohl deutlich höher als die darauf folgende jährliche Steuerentlastung. Zudem sei es möglich, dass insbesondere deutschen Autobauern noch Importzölle für Lieferungen aus Kanada oder Mexiko drohten.

Auf der Verliererseite stehen beispielsweise auch europäische Großbanken wie UBS, Credit Suisse und Barclays, die einerseits Verlustvorträge in großem Umfang abschreiben müssen, andererseits durch die Reform mit neuen Bankensteuern bedacht werden.

Viele Konzerne halten sich in ihren Äußerungen noch zurück, darunter die DAX-Schwergewichte Bayer und BASF. Sie sind wie Siemens und SAP noch dabei, die Effekte der Reform auf Bilanz und Erfolgsrechnung zu analysieren. Auch der Industriegasekonzern Linde, der vor der Fusion mit dem US-Konkurrenten Praxair steht, wagt noch keine Prognose. Die Gesundheitskonzerne Fresenius und FMC hatten bereits positive Effekte angekündigt. FMC erwartet nun einen einmaligen Buchgewinn von 200 Millionen Euro, der Mutterkonzern Fresenius einen von 90 Millionen.

Auch die Beratungs- und Prüfungsgesellschaft EY rechnet über die kurzfristigen Steuereffekte hinaus mit weiteren wesentlichen Auswirkungen der US-Reform auf deutsche Unternehmen, wie ein Sprecher gegenüber €uro am Sonntag erläuterte. Demnach werde es für deutsche Unternehmen erhebliche Anreize geben, Forschungs- und Entwicklungsabteilungen in den USA aufzubauen. Zudem würden die US-Töchter deutscher Unternehmen, die Leistungen importierten, womöglich höher besteuert als früher. Die Unternehmen könnten deshalb Lieferketten und Finanzierungsstrukturen anpassen. "Die USA wiederum könnten vom deutschen Fiskus als Niedrigsteuerland klassifiziert werden - was zur Hinzurechnung von US-Einkünften beim deutschen Gesellschafter und damit zu höherer Steuerbelastung in Deutschland führen könnte."