DAS IST LOS BEI VANTAGE TOWERS:

Für Vivek Badrinath muss das vergangene halbe Jahr wie im Flug vorbeigezogen sein. Erst Mitte März war sein Funkturm-Unternehmen Vantage Towers an der Frankfurter Börse an den Start gegangen. Gut sechs Monate später steht nun der Sprung in den Index der mittelgroßen Werte an.

Was war bis dahin passiert? Zunächst hatte die Funkturmsparte des britischen Telekomkonzerns Vodafone ein solides Börsendebüt hingelegt. Dabei erlöste Vodafone brutto rund 2,3 Milliarden Euro. Mit dem Geld will Vodafone-Chef Nick Read unter anderem die Schulden senken. Vantage Towers gehört noch zu knapp 82 Prozent dem britischen Telekomkonzern.

Funkturm-Firmen gelten als interessantes Investment vor allem für Profianleger wie Versicherer und Finanzinvestoren, die an einer stabilen Rendite interessiert sind. Das Geschäft besteht aus dem Management und der Vermietung von Mobilfunkmasten und deren Standorten an die Netzbetreiber - Vantage Towers erzielt daraus Mieteinnahmen. Die eigentlichen Sendeanlagen an den Masten gehören weiter den Betreibern.

Wettbewerber gehen ähnliche Wege. So verkaufte Telefónica Deutschland im vergangenen Jahr seine Mobilfunk-Standorte an Telxius, um den teuren Ausbau des Mobilfunknetzes zu stemmen. So ähnlich ist es auch bei Vodafone - das 5G-Netz erfordert hohe Investitionen.

Knapp drei Monate nach der Aufnahme in den SDax folgte dann die nächste erfreuliche Nachricht für Vantage Towers: Am 20. September wird die Zusammenstellung des MDax geändert - und unter anderem Vantage Towers steigt in den dann verkleinerten Index der mittelgroßen Unternehmen auf. Für Unternehmen sind derartige Veränderungen insoweit interessant, als dass weitere Anleger auf die Firmen aufmerksam werden können. Allerdings wird der MDax Index-Experten zufolge aufgrund der Verkleinerung von 60 auf 50 Werte bedeutungsloser. So fällt damit sein am Streubesitz orientierter Börsenwert drastisch um fast die Hälfte - vor allem, weil stark kapitalisierte Unternehmen in den vergrößerten Dax aufsteigen.

Operativ entwickelt sich das Unternehmen solide. Auf Pro-Forma-Basis stieg der Umsatz des ersten Geschäftsquartals (Ende Juni) ohne Durchleitungseinnahmen um 2,1 Prozent auf 246 Millionen Euro. Zudem sieht Konzernchef Badrinath weiter einen Jahreserlös ohne Durchleitungseinnahmen von 995 Millionen bis 1,01 Milliarden Euro. Die Marge des bereinigten operativen Ergebnisses nach Leasingkosten (EbitdaAL) solle weitgehend stabil zum Vorjahreswert bleiben. Den wiederkehrenden Mittelzufluss (Recurring Free Cashflow) sehen die Manager weiter bei 390 bis 400 Millionen Euro.

Vantage Towers betreibt europaweit knapp 46 000 eigene Mastenstandorte, davon 19 400 in Deutschland, Vodafones größtem und wichtigstem Einzelmarkt. Zusammen mit Mastenkooperationen kommt das Unternehmen europaweit in 10 Ländern auf gut 82 000 Standorte. Im Schnitt hängen an jedem konzerneigenen Funkturm 1,4 Sendeanlagen. Diese Vermietungsquote will Vantage Towers mittelfristig auf 1,5 steigern.

DAS MACHT DIE AKTIE:

Anleger des Börsenneulings können mit der Entwicklung seit dem ersten Handelstag zufrieden sein. Denn seit Mitte März hat die Aktie vom Ausgabepreis von 24 Euro um rund ein Fünftel auf fast 29 Euro an Wert zugelegt. Das sah vor allem am Anfang noch ganz anders aus: Gestartet waren die Papiere vor gut einem halben Jahr bei 24,80 Euro, und die Tage darauf sah es kaum nach Erfolg aus. In der ersten Aprilhälfte verharrte der Kurs bei gut 24 Euro.

Einen Schub nach oben gaben Ende des Monats dann gleich mehrere Analysten, die mit der Auswertung und Kaufempfehlungen für Vantage Tower starteten. In den Wochen darauf ging es tendenziell weiter bergauf, bevor die Aktie Mitte Juli weitere Sprünge nach oben machte - im Hoch ging es bis auf über 31 Euro Anfang September. Zuletzt hinkte es aber wieder etwas, der Kurs ging leicht abwärts und notierte zuletzt bei 28,90 Euro.

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Bei der Marktkapitalisierung schafft es Vantage Towers auf knapp 15 Milliarden Euro - ein Fliegengewicht verglichen mit anderen, etablierten Tower-Gesellschaften wie etwa der American Tower Corporation, die es derzeit auf 134 Milliarden US-Dollar schafft (113 Mrd Euro). Diese ist allerdings mit einem Gründungsjahr von 1995 deutlich älter und zählt mehr als 214 000 Antennen.

DAS SAGEN DIE ANALYSTEN:

Von den fünf seit August von dpa-AFX erfassten Experten raten derzeit drei Analysten zum Kaufen von Papieren von Vantage Towers, zwei tendieren zum Halten der Scheine. Dabei stufte Berenberg-Analyst Usman Ghazi erst vergangene Woche sein Rating auf "Hold" ab, beließ zugleich sein Kursziel aber bei 33 Euro. Er vermutete, dass die Rally der Towergesellschaft zum Teil auch von der Aufnahme in den SDax und nun in den MDax getrieben sei, begründete er zuletzt.

Zuvor hatte Ghazi noch geschrieben, der Umsatztrend für deutsche Telekom-Anbieter sei derzeit robust und die Entwicklung dürfte aufgrund von starken Wachstumstreibern noch nicht zu Ende sein. Neben den "Top Picks" Deutsche Telekom und freenet gehörten seiner Meinung nach auch die Aktien von Vantage Towers zu den Profiteuren.

Obwohl ebenfalls neutral votierend, sieht Akhil Dattani von der US-Bank JPMorgan (JPMorgan ChaseCo) ungeachtet neuer Hochs noch Luft nach oben. Er verwies auf strukturelle Wachstumstreiber wie etwa die künftige Nutzung des superschnellen Mobilfunkstandards 5G. Allerdings bleibe sein bevorzugter Wert die spanische Cellnex: Vantage Towers sei zwar ein attraktiver Name, habe aber nicht so starke Wachstumsaussichten bei höheren Risiken.

Mit einem Kursziel von 32 Euro ist Simon Coles von der britischen Investmentbank Barclays am vorsichtigsten, auch wenn er zugleich eine Kaufempfehlung ausspricht. Er rechne mit Blick auf die europäischen Sendemastenbetreiber nach 2022 mit einer Verlangsamung der Übernahmeaktivität. Die Vodafone-Tochter Vantage dürfte ihr Wachstum weiter beschleunigen und die italienische Inwit übertrumpfen. Es werde aber wohl nicht reichen, um auch Cellnex zu überholen.

Giles Thorne von der Investmentbank Jefferies hingegen spekuliert darüber, ob Vantage Towers den 50-Prozent-Anteil von Telefonica am britischen Masten-Joint-Venture Cornerstone kaufen will, den das spanische Unternehmen einem Medienbericht zufolge veräußern möchte. Der Analyst fragt sich, ob sich die deutsche Vodafone-Funkmastentochter diesen Anteil am Joint-Venture entgehen lassen will, der ihr noch nicht gehört. Thorne ist mit einem Kursziel von 35 Euro am optimistischsten. Das durchschnittliche Kursziel der fünf Experten liegt bei 33,20 Euro.

dpa-AFX