Der globale Boom im Abfallrecycling und solide Wachstumsraten im Kerngeschäft haben Veolia Environnement ein starkes erstes Halbjahr 2019 ­beschert. Und auch Anleger, die in dem Titel investiert sind, dürften Spaß an ihrem Investment haben. Seit Anfang Januar hat die Aktie des französischen Konzerns um 27 Prozent zugelegt. Das entspricht fast dem Doppelten der Performance von Frankreichs Leitindex CAC 40, in dem Veolia gelistet ist. Das Erfolgsgeheimnis des Unternehmens? Veolia hat in den letzten Jahren die Konzern­strukturen verschlankt, indem die globale Präsenz auf weniger Niederlassungen konzentriert wurde. Bereiche, die nicht mehr zum Kerngeschäft gehören, wurden veräußert. Zugleich forcierte Konzernlenker Antoine Frérot über Zukäufe und Investitionen den Ausbau von margenstärkeren Geschäftsfeldern. Das gilt vor allem für den zweitgrößten Geschäftsbereich Abfallwirtschaft, der 37 Pro-zent am Gesamtumsatz stellt.

Weltweit gut im Geschäft ist Veolia beim Plastikrecycling. Hier schnellten die Erlöse im ersten Halbjahr um 30 Prozent nach oben. Veolia ist dabei in einem strukturell ungebremst wachsenden Markt unterwegs. Der zunehmende Wohlstand verdreckt die Welt. Rund um den Globus hat die Meeresschutzorganisation Oceana errechnet, landen stündlich 675 Tonnen Müll in den Ozeanen. Der Großteil davon ist Plastik, das nicht verrottet.

Für Veolia zahlen sich die zahlreichen Kooperationen mit internationalen Konzernen wie Danone, Nestlé oder Tetra Pak aus, denn immer mehr Lebensmittelkonzerne setzen auf wiederverwertbare Plastikbehälter. Um den Unmengen an Plastikmüll zu Wasser und zu Lande Herr zu werden, ist Veolia nach den Worten von Frérot dabei, "überall auf der Welt" Recyclinganlagen zu bauen, zuletzt in China, Südkorea und Indonesien. Im laufenden Geschäftsjahr strebt Veolia Einnahmen in der Bandbreite von 400 bis 450 Millionen Euro mit dem Entsorgen von Plastikmüll an. Bis 2025 soll die Ein-Milliarden-Euro-­Marke geknackt werden.

Überraschungspotenzial


Der Konzernumsatz im Zeitraum Januar bis Juni 2019 belief sich auf 12,6 Milliarden Euro. Wechselkursbereinigt entspricht das einem Zuwachs um 5,5 Prozent. Der größte Geschäftsbereich Trinkwasserversorgung und Aufbereitung legte um 2,2 Prozent auf 5,4 Milliarden Euro zu. Den größten Umsatzsprung schaffte der dritte Geschäftsbereich Energie mit 9,1 Prozent auf fast drei Milliarden Euro. Veolia beliefert hier Kommunen und Industriebetriebe mit Strom, Erdgas oder Fernwärme.

Zugleich hat Veolia weiter erfolgreich an der Profitabilität gearbeitet. Die operative Marge kletterte von 13,3 auf 15 Prozent. Unterm Strich stieg der Konzerngewinn um 46,5 Prozent auf 331 Millionen Euro. Für das Gesamtjahr erwartet das Management einen operativen Gewinn auf Ebitda-Basis in der Bandbreite von 400 bis 450 Millionen Euro. Im Bestfall wäre das ein Zuwachs um gut 18 Prozent. Eine wichtige Rolle spielen weitere Kosteneinsparungen von 220 Millionen Euro.

Für den Zeitraum 2018 bis 2021 erwarten die Analystenschätzungen beim Umsatz ein jährliches Plus von im Schnitt drei Prozent. Der operative Gewinn soll um jeweils zehn Prozent vorankommen. Um noch einen draufzusetzen, will Veolia in den nächsten Jahren einige Akquisitionen in der Größenordnung von 100 bis 500 Millionen Euro stemmen. Geld in die Hand nehmen will der Konzern für die Entsorgung von Plastik- und Sondermüll, aber auch für das Recycling von Solarzellen, wo die Firma bereits Vorreiter ist.

Geplante Bereichsverkäufe


Damit die Nettoverschuldung von zuletzt 12,5 Milliarden Euro dabei nicht weiter steigt, will sich Veolia von weiteren Bereichen trennen. Bis Ende des Jahres soll der kürzlich angekündigte Verkauf der Energieversorger-Tochter in Nordamerika für 1,25 Milliarden US-Dollar abgeschlossen sein. Im Februar 2020 will das Management dann die Wachstumsstrategie bis 2023 vorstellen.

Langfristig orientierte Anleger nutzen die jüngsten Gewinnmitnahmen nach dem Zahlenwerk zum Einstieg. Das Kerngeschäft Wasser steht für unspektakuläre, aber solide Zuwachsraten. Insgesamt stammt etwas mehr als die Hälfte der Aufträge aus dem öffentlichen Sektor.

Wegen der langjährigen Laufzeiten sind die Einnahmen kalkulierbar. So ist der 2017 unterzeichnete Vertrag mit dem chinesischen Ölkonzern Sinopec über die Aufbereitung von Abwässern mit 1,3 Milliarden Euro auf 25 Jahre angelegt. Bei einem Projekt in England in der Abfallentsorgung sind es 3,3 Milliarden Euro und 30 Jahre Laufzeit. Die traditionell üppige Dividende rundet den Renditekick der Veolia-Aktie ab.