Damit unterschritt sie den bisherigen Tiefstwert von minus 0,743 Prozent vom vergangenen September, als der Brexit und der Zollstreit zwischen den USA und China Investoren verunsichert hatte. Auch die Rendite der zehnjährigen US-Bonds fiel zum zehnten Mal in elf Tagen auf ein Rekordtief. Mit einem Rückgang von 0,925 auf 0,739 Prozent steuerte sie zudem auf das größte Tagesminus seit mindestens 1953 zu.

Die Panik halte die Staatsanleihemärkte beiderseits des Atlantiks immer stärker in Atem, sagte Anleihe-Experte Elmar Völker von der LBBW. "Die Anleger 'hamstern' in dieser Situation alles, was Sicherheit im Falle einer sich weiter verschärfenden Krise verspricht." Gefragt war deswegen auch die "Antikrisen-Währung" Gold. Das Edelmetall verteuerte sich um bis zu 1,2 Prozent auf 1689,65 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) und markierte damit ein Sieben-Jahres-Hoch.

An den Aktienmärkten rutschte der Dax am Freitag um bis zu 4,2 Prozent auf 11.447 Punkte nach unten. Damit notierte er so tief wie seit Mitte August 2019 nicht mehr. Am späten Nachmittag betrug das Minus noch rund drei Prozent. Der EuroStoxx50 verlor ähnlich stark. An der Wall Street gingen die Indizes ebenfalls in die Knie.

Zwar machten die angekündigten finanziellen Hilfsmaßnahmen deutlich, wie ernst Notenbanken und Regierungen die wirtschaftlichen Folgen der Epidemie einschätzten, sagte Stanzl. "Ob sie allerdings ausreichen werden, eine Rezession in wichtigen Teilen der Welt zu verhindern, ist fraglich."

"ABWÄRTSSPIRALE DROHT"


Das Risiko einer kurzen, drastischen Rezession steige erheblich, warnte auch Nigel Green, Chef des Anlageberaters deVere. Dabei drohe eine Abwärtsspirale aus geringeren Konsumausgaben und Investitionen, die Stellenstreichungen auslösten, die wiederum zu geringeren Konsumausgaben und Investitionen führten. Die Rezessionsangst spiegelte sich auch am Rohölmarkt wider, wo der Preis für die Sorte Brent aus der Nordsee um 6,6 Prozent auf 46,77 Dollar je Barrel (159 Liter) und damit auf den tiefsten Stand seit Juni 2017 fiel. Russland hat Insidern zufolge die angedachten Produktionskürzungen der Ölförderländer blockiert. Die Opec-Staaten wollten zusätzliche Förderkürzungen von 1,5 Millionen Fässern pro Tag, um den Preis des Rohstoffs zu stabilisieren.

Am Aktienmarkt flogen wegen Reisebeschränkungen und stornierter Urlaube erneut Papiere von Luftfahrt- und Touristik-Werten aus den Depots. Der europäische Branchenindex rutschte um 5,9 Prozent auf ein Fünfeinhalb-Jahres-Tief. In London waren Aktien von Carnival mit 2008 Pence zeitweise so billig wie zuletzt vor acht Jahren, nachdem einem seiner Kreuzfahrtschiffe wegen Corona-Verdachts die Einfahrt in den Hafen von San Francisco verweigert wurde. Liquiditätssorgen ließen die Aktien des Billigfliegers Norwegian um bis zu fast 30 Prozent absacken.

Drohende Einnahme-Einbußen durch fallende Anleihe-Renditen versetzten Bankenaktien einen erneuten Schlag. Der europäische Branchenindex fiel um 4,3 Prozent auf ein Elf-Jahres-Tief von 112,48 Punkten.

Der Dollar stand wegen Spekulationen auf weitere US-Zinssenkungen unter Druck. Der Dollar-Index, der den Kurs zu wichtigen Währungen widerspiegelt, fiel auf ein Dreizehn-Monats-Tief von 95,7110 Punkten.

rtr