Von steigenden Zinsen profitieren
· Börse Online Redaktion
Mit Blick nach vorn ergeben sich mit variabel verzinsten Anleihen - sogenannten Floating Rate Notes (Floatern) - gute Alternativen. Floater zeichnen sich im Allgemeinen dadurch aus, dass ihre Grundverzinsung regelmäßig an das aktuelle Marktniveau, wie den Euro-Geldmarktsatz Euribor, angepasst wird. Je nach Anleiheemission erhalten Anleger zusätzlich einen Aufschlag. Dieser ergibt zusammen mit der Geldmarktverzinsung die Gesamtverzinsung eines Floaters. Ein Umfeld steigender Zinsen erhöht die Attraktivität von Floatern im Vergleich zu herkömmlichen Anleihen mit fixem Kupon. Der Spread europäischer Floater gegenüber sicheren Staatsanleihen liegt aktuell durchschnittlich bei circa 0,7 Prozent.
Während die Preise von Anleihen mit fixem Kupon stark schwanken können, wenn sich die Marktzinsen ändern, zeigen sich die Kurse von Floatern mit gleicher Laufzeit deutlich robuster. Zur geringen Volatilität von Floatern tragen die vierteljährliche Anpassung der Grundverzinsung an das kurzfristige Marktniveau - entsprechend einer Duration, die quasi bei null liegt - sowie die kurzfristigen Laufzeiten der Papiere bei, deren Endfälligkeiten in der Regel zwischen einem und fünf Jahren liegen. Die geringere Anfälligkeit von Floatern lässt sich anhand eines Extrembeispiels verdeutlichen: Zwischen August und Oktober 2008, also unmittelbar nach Ausbruch der Finanzkrise, büßten festverzinsliche Investment-Grade-Unternehmensanleihen acht Prozent an Wert ein, während variabel verzinste Anleihen von Emittenten guter Bonität im gleichen Zeitraum nur vier Prozent verloren.
Neben der relativ geringen Preissensitivität trägt auch die geringe Korrelation mit dem gesamten Anleihemarkt zum Diversifikationseffekt bei. Der Markt für variabel verzinste Anleihen ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen. Ende 2017 lag das Volumen bereits bei gut 70 Milliarden Euro. Für Emittenten erscheinen Floater bei steigenden Marktzinsen zunächst unrentabler, da die Zinslast schließlich steigt. Im Werben um die Gunst der Investoren ist dies jedoch ein Vorteil, der die Attraktivität des Emittenten im Anleihemarkt insgesamt erhöhen kann. Umgekehrt können Floater den Emittenten Vorteile bringen, wenn sich der Wind an den Zinsmärkten wieder dreht und sinkende Zinsen zu einer geringeren Zinslast führen.
Zudem hat sich in den vergangenen Jahren die Struktur des Marktes für variabel verzinste Anleihen in Europa weiterentwickelt. 2012 beschränkte sich das europäische Floater-Universum ausschließlich auf das Geldmarktsegment mit Laufzeiten bis maximal zwei Jahre. Mittlerweile erstreckt sich das Spektrum auf Laufzeiten bis zu sieben Jahre. Der Löwenanteil (etwa 80 Prozent) liegt aber nach wie vor im Bereich kurzer Laufzeiten bis zu vier Jahre. Außerdem wurde der Floatermarkt kontinuierlich ausgewogener in Bezug auf die Emittentengruppen. Während vor zehn Jahren noch über 90 Prozent der Floater-Emissionen von Unternehmen der Finanzbranche getätigt wurden, sind es aktuell nur noch gut 57 Prozent. Wichtige Emittentengruppen sind mittlerweile auch die Sektoren zyklische (14 Prozent) und nicht-zyklische Konsumgüter (neun Prozent), darunter Unternehmen wie AB Inbev, Daimler, Vonovia und Philips.
Steven Decoster Seine Laufbahn begann Decoster im Jahr 2001 als Risikocontroller. 2004 wechselte er zu Petercam und war zunächst für das Reporting und die Analyse von Rentenportfolios zuständig. Später war er dort als Rentenportfoliomanager tätig. Seit dem Zusammenschluss von Petercam und Degroof im Jahr 2015 zu einer der führenden Asset-Management-Gesellschaften ist Decoster Co-Manager diverser Rentenfondsstrategien.
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