In dieser Woche geht es also wieder los. Gemeint ist damit die Berichtssaison. Der Berichtsreigen beginnt sich dabei zunächst vor allem in den USA zu drehen. Wie traditionell üblich machen den Auftakt vor allem die großen US-Banken.

Mit Blick auf die hiesige Quartalsberichts-Erstattung erinnert die Commerzbank im Vorfeld vor allem daran, dass eine starke Nachfrage und eine steigende Produktion im zweiten Quartal viele Vorprodukte wie Basischemikalien, Baustoffe und Halbleiter weiter verknappt und deren Preise nochmals haben steigen lassen. So habe sich Stahl weiter verteuert. Da der Preis für Eisenerz sich kaum verändert habe, dürften sich die Margen von Unternehmen wie ThyssenKrupp oder Salzgitter weiter verbessert haben. Steigende Preise für Basischemikalien, Baustoffe sollten insbesondere Chemieunternehmen wie BASF, Covestro und HeidelbergCement zugutegekommen sein.

Auf der anderen Seite erhöhe sich durch diese Entwicklung der Kostendruck auf Unternehmen aus den Sektoren Automobil (unter anderem Daimler), Industrie und Konsumgütern (unter anderem Beiersdorf). Eine bis zuletzt starke Nachfrage aus China dürfte auch im zweiten Quartal viele Unternehmensergebnisse verbessert haben. Davon sollten laut Commerzbank insbesondere deutsche Unternehmen (unter anderem Infineon, BASF) mit einem hohen Umsatzanteil in China profitieren.

Außerdem sei der Trend zu einer immer größeren Bedeutung des E-Commerce auch im zweiten Quartal ungebrochen gewesen, wenngleich die Wachstumsraten etwas abgenommen hätten. So habe das Wachstum des europäischen Onlinehandels im April "nur" noch 19 Prozent betragen. Die Steigerungsraten des deutschen stationären Handels seien im April sogar negativ gewesen, da noch viele Restriktionen des öffentlichen Lebens fortbestanden. Hätten. Dies sollte Unternehmen wie Zalando oder Zooplus auch im zweiten Quartal stark unterstützt haben, so das Urteil.

Geht es danach, wie jene Unternehmen abgeschnitten haben, die bereits für das abgelaufene Quartal berichtet haben, dann deutet in den USA alles darauf hin, dass es im Schnitt erneut gelingen kann, besser abzuschneiden als vom Analystenkonsens erwartet. Auch in Deutschland sind mit BASF, Deutsche Post und Volkswagen jüngst bereits drei Gesellschaften mit ersten vorläufigen Zahlen zum Vorquartal vorgeprescht. Daher bietet es sich an, diesem Trio einem BÖRSE ONLINE-Check zu unterziehen, zumal dafür auch spricht, dass diese DAX-Vertreter im Internetbereich von BÖRSE ONLINE erfahrungsgemäß zu den gefragtesten Aktien überhaupt zählen.

BASF-Aktie



Am vergangenen Freitag wagte sich mit BASF das weltweit größte Chemieunternehmen als einer der ersten Vertreter aus dem DAX mit Vorab-Zahlen zum zweiten Quartal 2021 aus der Deckung. Die Gesellschaft, deren Portfolio Chemikalien, Pflanzenschutzmittel und Saatgut umfasst sowie einen Mehrheitsanteil am Erdöl- und Erdgas-Explorations- & Produktionsgemeinschaftsunternehmen Wintershall DEA überraschte dabei erfreulicherweise positiv.

Und zwar erhöhte BASF nach unerwartet starken Geschäftszahlen erneut seine Erwartungen für das Gesamtjahr 2020. Der Chemieriese rechnet nunmehr mit 7,0 bis 7,5 Milliarden Euro beim bereinigten operativen Gewinn (EBIT) und mit 74 bis 77 Milliarden Euro Umsatz. In den Segmenten Chemicals und Materials werde mit höheren Ergebnisse gerechnet, hieß es zur Begründung. Bislang peilte BASF ein bereinigtes EBIT von 5,0 bis 5,8 Milliarden Euro bei Einnahmen von 68 bis 71 Milliarden Euro an. Es ist nach Ende April die zweite Prognoseanhebung in Folge.

BASF verbuchte für die Monate April bis Juni voraussichtlich ein bereinigtes EBIT von 2,355 Milliarden Euro - nach nur 226 Millionen Euro im vergleichbaren Vorjahreszeitraum, der vom ersten Lockdown in der Corona-Pandemie beeinträchtigt war. Der Umsatz kletterte um 55,8 Prozent auf 19,753 Milliarden Euro. Preise und Mengen legten um 35 Prozent und 28 Prozent zu, negative Währungseffekte schmälerten das Wachstum um sieben Prozentpunkte. Analysten hatten laut der Nachrichtenagentur Dow Jones im Schnitt nur mit Einnahmen von 17,157 Milliarden Euro und 1,965 Milliarden Euro bereinigtem EBIT gerechnet.

Aufstellung/Strategie: Die US-Investmentbank Jefferies hat die Einstufung für die BASF-Aktien nach den angehobenen Jahreszielen auf "Kaufen" belassen und auch das Kursziel von 83,00 Euro bestätigt. Der deutliche Aufwärtstrend bei Chemikalien, Materialien und Industrielösungen stütze den Optimismus hinsichtlich der kurzfristigen Aussichten für bestimme Chemieprodukte und die industriellen Endmärkte, erklärte Analyst Laurence Alexander. Dem gegenüber stehe aber eine enttäuschende Entwicklung bei Agrarprodukten sowie in der Sparte Nutrition & Care, so sein Urteil.

Losgelöst davon hat sich der Konzern strategisch betrachtet zum Ziel gesetzt, auch künftig das weltweit führende Chemieunternehmen zu sein. Hinzu kommen als Vorgaben profitabel zu wachsen und Wert für die Gesellschaft zu schaffen.

Disruptive Veränderungen für die chemische Industrie wie die fortschreitende Digitalisierung, die Entwicklung von zirkulären Wirtschaftsmodellen oder die Transformation hin zu einer klimaneutralen Produktion sieht man eigenen Angaben zufolge als Chance.

Das Portfolio richte man gezielt auf Wachstumsfelder aus und integriere Nachhaltigkeit noch stärker in die Wertschöpfungsketten. Eine Verbundstruktur bilde auch künftig die Basis für eine effiziente, sichere und zuverlässige Produktion. Laut Vorstand nutzt man digitale Technologien, um Prozesse und Kundenbeziehungen stetig zu verbessern.

Die Verantwortlichen sehen in dem vorhandenen Verbund-Konzept Wettbewerbsvorteil durch integrierte Standorte, operative Exzellenz und erstklassige Technologien. Hinzu komme als Pluspunkt eine branchenführende Innovationsplattform mit breitem Technologiespektrum und Lösungen für eine Vielzahl von Kunden. Die Strategie umfasst auch eine Teilnahme an den schnell wachsenden asiatischen Märkten. Hinzu komme eine Dividendenpolitik, die eine jährliche Erhöhung der Ausschüttung pro Aktie anstrebt.

Der US-Finanzdienstleister CFRA bezeichnet die Risiken als durchschnittlich. Diese Einschätzung reflektiere die Zyklizität in wichtigen Endmärkten wie Kunststoff, Automobil und Bau gegenüber der soliden, robusten Bilanz und der Free-Cashflow-Generierung von BASF. Das Geschäftsmodell ermögliche eine fortgesetzte Optimierung der Produktion und der Kapazitäten, um die Volatilität der Ölpreise abzufedern.

Bewertung: Blickt man auf die durchschnittlichen Analystenschätzungen, dann sagen diese bei BASF beim Umsatz vom Geschäftsjahr 2020 bis zum Geschäftsjahr 2024 einen Anstieg von 59,1 Milliarden Euro auf 77,17 Millionen Euro voraus. Zudem gehen die Prognosen beim Gewinn je Aktie gleichzeitig von einer Verbesserung von 3,21 Euro auf 6,66 Euro aus. Auf letztgenannter Basis errechnet sich daraus ein geschätztes KGV von 10,2. Das ist moderat und spricht zugunsten des Titels.

Ähnliches gilt auch für die Dividendenrendite. Rechnet der Analystenkonsens doch im Schnitt für das Geschäftsjahr 2021 mit einer Zahlung von 3,39 Euro, woraus sich eine Rendite von fast fünf Prozent ergibt. Und weil die Schätzungen für die Jahre 2022 bis 2024 jeweils steigenden Ausschüttungen von 3,44 Euro, 3,52 Euro bzw. 3,67 Euro vorsehen, winken sogar stetig etwas weitere Sätze.





Charttechnik: Der Blick auf den Langfrist-Chart von BASF zeigt von Juli 1996 bis Januar 2018 einen schönen Anstieg von 10,067 Euro auf 96,67 Euro. Letzteres ist gleichbedeutend mit dem Schlussrekordhoch und diese Bestmarke liegt somit schon etwas zurück. Unter dem Strich ist es so, dass die Aktie derzeit nicht mehr kostet als bereits im Jahr 2011.

Es ist somit ein intakter übergeordneter Seitwärtstrend zu konstatieren. Verglichen mit dem im März aufgestellten Vorjahrestief hat sich die Notiz zwar deutlich befestigt, gegenüber dem diesjährigen Hoch von 72,61 Euro sind die Kurse bis jüngst aber stetig immer etwas weiter abgebröckelt.

Die positive Kursreaktion am Freitag im Anschluss an die da gemeldeten guten Geschäftszahlen nährt aber die Hoffnung, dass der zwischenzeitlich seit März ausgebildete Abwärtstrend ein Ende findet. Kommt es tatsächlich dazu, wartet mit dem bereits erwähnten Jahreshoch allerdings bereits eine weitere wichtige Charthürde auf die BASF-Aktien- Erst ein Sprung darüber würde den Weg frei machen wir größere Avancen.

BÖRSE-ONLINE-Einschätzung: In Ausgabe 27-21 hatten wir mit Blick auf die offiziell für den 28. Juli angekündigten Halbjahreszahlen die Wahrscheinlichkeit als hoch bezeichnet, dass die Ludwigshafener positiv überraschen könnten. Die Argumente einiger Analysten, dass BASF sich viel besser schlage als erwartet, bezeichneten wir damals als schlüssig. Der Weltmarktführer für Chemieprodukte profitiere vom starken Wirtschaftswachstum, die Nachfrage sei hoch. Dadurch könne das Unternehmen die höheren Einstandspreise für Rohstoffe an seine Kunden weitergeben. Weil die Kosten 2020 deutlich gesenkt worden seien, führe das zu höheren Margen in der kompletten Wertschöpfungskette.

Zudem seien die großen Wirtschaftsprogramme erst angelaufen beziehungsweise liefen bald an. Deshalb dürfte sich diese günstige Situation auch im Jahr 2022 fortsetzen. Bessere Ergebnisse sollte auch der für die Erträge wichtige Agrarchemiebereich liefern. Hier sei BASF mittlerweile die Nummer 3 weltweit, bei Saatgut die Nummer 4. Die hohen Preise für Agrarrohstoffe beeinflussten die Nachfrage der Landwirte nach Düngemittel schon jetzt positiv. Nach den Ölpreisturbulenzen im Jahr 2020 hätten die Preise für Öl und Gas kontinuierlich angezogen und mehrjährige Spitzenwerte erreicht.

Bei der Tochter Wintershall müsse das für einen Gewinnsprung gesorgt haben. Das heißt: Der Ertrag könnte sich im Jahr 2021 wieder in Richtung der Ergebnisse von 2017 und 2018 vortasten. In diesen beiden Jahren habe die Aktie Kurse von über 90 Euro erreicht. Das müsste in diesem Zyklus auch wieder möglich sein, so unser Urteil. Einher ging dies mit einem Kaufvotum sowie mit einem Kursziel von 88,00 Euro (Xetra-Schlusskurs am Freitag: 68,01 Euro) und einem Stopp-Loss-Kurs von 53,00 Euro.

Volkswagen-Aktie



So wie BASF machte am vergangenen Freitag Volkswagen ebenfalls unerwartete Angaben zum jüngsten Geschäftsgang. Konkret wartete der größte Automobilproduzent Europas mit der Meldung auf, dass das operative Ergebnis auf Basis vorläufiger Zahlen im ersten Halbjahr rund elf Milliarden Euro betrug - Analysten hatten den Unternehmen deutlich weniger zugetraut. Im Vorjahreszeitraum hatte der Wolfsburger Konzern wegen den Werksschließungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie noch einen operativen Verlust von 1,49 Milliarden Euro verzeichnet.

Der Vorstand sprach in der Mitteilung auch davon, dass die Auslieferungen an Kunden sich stark erholt und zu einem jeweils sehr hohen Umsatz sowie operativen Ergebnis geführt hätten. Auch der ausgewiesene Netto-Cashflow im Automobilgeschäft habe sich sehr positiv entwickelt. Hier nannte man für die ersten sechs Monaten etwa zehn Milliarden Euro.

Der Konzern, der die zwölf Marken VW Pkw, Audi, SEAT, Škoda, Bentley, Bugatti, Lamborghini, Porsche, Ducati, VW Nutzfahrzeuge, Scania und MAN umfasst, warnte allerdings, die Beeinträchtigung aus dem Engpass an Halbleitern habe sich verschoben und werde zu Beeinträchtigungen eher im zweiten Halbjahr führen.

Aufstellung/Strategie: Laut den Analysten der NordLB überzeugte Volkswagen mit einem starken operativen Ergebnis im ersten Halbjahr 2021. Eine relative Normalisierung der Verkaufszahlen Richtung Vorkrisenniveau gebe dem Konzern Auftrieb. Unterstützt auch durch die im Rahmen der Corona-Krise durchgeführten Sparmaßnahmen sollte der Volkswagen-Konzern im Gesamtjahr 2021 einen neuen Rekord beim operativen Ergebnis von mehr als 18 Milliarden Euro erwirtschaften können.

Volkswagen sei bei der Elektromobilität weiter als die meisten Mitbewerber. Bei der 1. Disruptionsstufe der Automobil-Industrie, der Elektromobilität, sei Volkswagen somit weit vorne mit dabei. Bei der 2. Disruptionsstufe, dem Autonomen Fahren, dürfte sich das mit Blick auf die Tech-Konzerne deutlich schwieriger gestalten. Man bestätigte in Reaktion auf die neuen Nachrichten das Anlageurteil "Kaufen" bei einem marktbedingt reduzierten Kursziel von 250,00 Euro.

In Sachen Strategie verfolgt Volkswagen einen der aggressivsten Pläne für den Übergang von Verbrennungsmotoren zu batterieelektrischen Fahrzeugen. Eine breite Palette von Marken, die mehrere Segmente bedienen, reduziert die Abhängigkeit von einer einzigen Fahrzeugkategorie. Als einer der weltweit führenden Volumenhersteller ermöglicht Volkswagen durch gemeinsame Plattformen für eine Vielzahl von Modellen Kosteneinsparungen, die kleinere Wettbewerber nicht erreichen können.

Trotzdem billigen die Moat-Spezialisten von Morningstar dem Unternehmen keinen wirtschaftlichen Schutzgraben zu. Zur Begründung heißt es, im Allgemeinen seien Automobilhersteller No-Moat-Unternehmen, die sich einem anspruchsvollen Wettbewerb, einer hohen Kapitalintensität und einer zyklischen Nachfrage gegenübersähen. Volkswagen sei da keine Ausnahme.

Obwohl das Automobil ein modernes technisches Wunderwerk sei, das enormes Talent und organisatorisches Geschick erfordere, um es zu entwerfen, zu entwickeln und auf den Markt zu bringen, sei der Mangel an Eintrittsbarrieren (abgesehen von hohen Anfangsinvestitionen und der Einhaltung der Sicherheits- und Emissionsvorschriften aller Länder, in denen die Fahrzeuge verkauft werden) ein Beleg für die weltweite Überkapazität der Branche von etwa 50 Millionen Einheiten. Abgesehen von der zyklischen Nachfrage seien Überkapazitäten eines der Hauptprobleme, mit denen sich die Hersteller auseinandersetzen müssten, und das Problem werde sich durch die neuen Kapazitätspläne vieler Hersteller zur Bedienung des langfristigen Wachstumspotenzials in China noch verschärfen.

Punkten kann der deutsche Autobauer unabhängig davon aber von der Stellung als einer der größten Fahrzeughersteller weltweit, wobei positive Skaleneffekte einhergehen. Hinzu kommen ein starkes Marken- und Produktportfolio, das neben Volumenmodellen auch Luxusmarken umfasst. Ein globales Netzwerk von Produktionsstätten ermöglicht zumindest teilweise flexible Produktion, so Independent Research. Ein starker Cashflow und solide Bilanz- und Verschuldungskennzahlen sind ebenfalls positiv zu erwähnen.

Bewertung: Geht es nach dem Analystenkonsens, dann es die Gesellschaft in der Lage, den Umsatz von 222,88 Milliarden Euro in 2020 bis 2024 auf 290,88 Milliarden Euro zu steigern. Gleichzeitig sehen die Schätzungen in dieser Zeit beim Gewinn je Aktie eine Verbesserung von 16,60 Euro auf 36,89 Euro vor.

Auf letztgenannter Basis ergibt sich daraus ein geschätztes KGV von 5,76. Das ist als günstig einzustufen, selbst wenn man berücksichtigt, dass die Bewertungsrelationen bei den großen Autobauern stets tief ausgefallen sind. Zumal auch noch hinzukommt, dass auf Basis der Prognosen auch noch respektable Dividendenrenditen winken, wie die nachfolgende Liste mit den Analystenkonsens-Schätzungen zeigen.





Charttechnik: Beim Blick auf den Langfrist-Chart der Volkswagen Vorzüge fällt auf, dass es in der Vergangenheit immer wieder zu abrupten Kurssprüngen gekommen ist. Der letzte steile Anstieg ereignete sich von März 2020 bis April 2021, als der Kurs von 87,20 Euro auf 246,55 Euro nach oben schoss. Anschließend korrigierte die Notiz jedoch und noch am vergangenen Donnerstag stellten die Vorzüge mit 200,50 Euro ein neues Zwischentief für die vergangenen Monate auf.

Die wie skizziert guten Geschäftszahlen sorgten am Freitag für einen Sprung nach oben, noch bleibt allerdings abzuwarten, ob damit der zuletzt zu beobachtende Abwärtstrend bereits wieder beendet werden kann. Damit Entwarnung gegeben werden kann, sind im Grunde neue Jahreshoch vonnöten, denn nur dann wäre der im März aufgenommene Aufwärtstrend als wieder völlig intakt bestätigt.

BÖRSE-ONLINE-Einschätzung: Bei Volkswagen äußerten wir uns erst jüngst in Ausgabe 27-21 positiv. Im Rahmen eines Beitrags zu Aktien von Unternehmen mit guten Chancen auf positive Überraschungen im Rahmen der Berichtssaison zum zweiten Quartal standen auch die Wolfsburger auf der Positivliste. Zur Begründung dafür hieß es, der Autobauer hat bereits nach dem ersten Quartal die Prognose erhöht. Zwar ließen den Konzern die bestehenden Chiplieferengpässe nicht kalt.

Laut Warburg Research wirke sich dieses Problem jedoch nur auf die Fahrzeuge mit einer niedrigeren Marge aus. Überraschungspotenzial sähen die Analysten vor allem durch die Erholung des Premiumsegments. Positive Schlagzeilen könnte Volkswagen außerdem schon eine Woche vor dem offiziell geplanten Zahlentermin mit der Hauptversammlung liefern. Das Management könnte am 22. Juli Neuigkeiten zum möglichen IPO von Porsche bieten, so die Annahme.

In einer früheren Ausgabe vertraten wir außerdem die Ansicht, dass an Volkswagen bei den batterieelektrisch angetriebenen Pkws (BEVs) hierzulande kein Weg vorbeiführe. Angesichts der schnellen Transformation des Geschäftsmodells gebe es beste Chancen, dass der Konzern auch in Zukunft ganz vorn auf dem Automarkt mitmischen werde. Unsere Kaufempfehlung für die Vorzugsaktien ist mit einem Kursziel von 279,00 Euro (Xetra-Schlusskurs am Freitag: 212,35 Euro) verknüpft sowie mit einem Stopp-Loss-Kurs von 187,00 Euro.

Deutsche Post-Aktie



Sogar schon am vergangenen Mittwoch und somit noch etwas früher als Volkswagen und BASF präsentierte die Deutsche Post DHL Group erste Hinweise auf das abgelaufene Quartal. Nach Angaben des weltweit mit führenden Post- und Logistikdienstleister, dessen Angebotsspektrum unter anderem den Brief- und Paketversand, Expressdienstleistungen, die Luft- und Seefracht und E-Commerce-Lösungen sowie weitere digitale Dienste umfasst, erhöhte sich im Vorjahresvergleich das Konzern-¬EBIT um mehr als das Doppelte auf rund 2,075 Milliarden Euro. Alle Divisionen erzielten dabei einen deutlichen Ergebnissprung.

Der Konzern erhöhte zudem auf der erreichten Basis wieder einmal seine Zielvorgaben für das laufende Geschäftsjahr 2021 sowie für 2023. Die Bonner erwarten nun ein Konzern-¬EBIT für 2021 von mehr als sieben Milliarden Euro (bisher: mehr als 6,7 Milliarden Euro) und für 2023 von mehr als 7,4 Milliarden Euro (bisher: mehr als sieben Milliarden Euro).

Aufstellung/Strategie: Die Analysten bei der Landesbank Baden-Württemberg hoben in Reaktion darauf ihre Ergebnisschätzungen entsprechend nach oben an. Die Deutsche Post DHL Group hat von der weiteren Erholung des Welthandels sowie vom E-¬Commerce¬-Boom stark profitiert, schrieb man au0erdem in einer aktualisierten Einschätzung.

Als Hauptrisiko sieht man eine derzeit unerwartete Abkühlung der Weltwirtschaft, welche die Nachfrage nach Logistikdienstleistungen belasten könnte. Per Saldo erhöhte die Landesbank Baden-Württemberg auf Grundlage einer Vergleichsgruppen-¬Analyse das Kursziel von 54,00 Euro auf 67,00 Euro und bestätigte das Kaufen-Rating.

Die verfolgte Konzernstrategie legt den Fokus auf ein profitables Logistik-Kerngeschäft mit konsequenter Ausrichtung auf E-Commerce. Kontinuierliche Investitionen in das Logistiknetzwerk sowie in Digitalisierung sollen zudem dabei helfen, die Agilität gegenüber weltwirtschaftlichen Turbulenzen zu stärken.

Der Konzern hat im beackerten Geschäft eine führende Stellung inne. Das geht mit Wettbewerbsvorteilen einer. Langfristig steigende Erträge im Paket­ sowie im Express­ und Logistikgeschäft ermöglichen ein nachhaltiges Gewinnwachstum. Dazu muss man wissen, dass Megatrends wie Globalisierung und Outsourcing laut DZ Bank das Frachtwachstum unterstützen. Zudem entwickele sich der Welthandel in der Regel deutlich stärker als das weltweite Wirtschaftswachstum, so die dortigen Analysten.

Eine führende Marktposition in Asien ist aufgrund der überdurchschnittlichen Wachstumserwartung ebenfalls positiv zu werten. Darüber hinaus schafft der E-Commerce-Boom einen steigenden Bedarf für den Transport von Dokumenten und Waren

Bewertung: Fragt man Analysten, dann unterstellen diese bei der Deutschen Post von 2020 bis 2024 beim Umsatz eine Verbesserung von 66,81 Milliarden Euro auf 81,11 Milliarden Euro. In Sachen Bewertung ist es so, dass der Analystenkonsens von 2020 bis 2024 von 2,41 Euro auf 4,05 Euro je Aktie steigen sieht.

Auf letztgenannter Basis ergibt sich damit ein KGV von 14,4, was trotz der jüngsten Kurssteigerungen noch immer vertretbar erscheint - zumindest solange, wie die Weltkonjunktur nicht wieder einbricht. Bei der Dividende winken wie die nachfolgende Tabelle zeigt laut Analystenkonsens auf Sicht steigende Ausschüttungen.





Charttechnik: Bei der Deutschen Post können wir uns in Sachen Charttechnik relativ kurz fassen. Denn die wichtigste Botschaft lautet, dass der Kurs in einem intakten Aufwärtstrend steckt. Dafür sorgen zuletzt am laufenden Band markierte neue Rekordstände. Eine von März 2009 bis heute verbuchter Anstieg von 6,65 Euro auf 58,66 Euro sind aller Ehren wert.

Allerdings hat sich die Notiz dadurch etwas weit von der 200-Tage-Durchschnittslinie entfernt. Das spricht dafür, dass der Titel demnächst zumindest temporär auch einmal etwas Durchschnaufen könnte.

BÖRSE-ONLINE-Einschätzung: Bei den Aktien der Deutsche Post erhöhten wir in Ausgabe 20-21 nicht zum ersten Mal in diesem Jahr erneut das Kursziel. Und zwar bewegt sich dieses seitdem bei 65,00 Euro Euro (Xetra-Schlusskurs am Freitag: 58,27 Euro) und mit dem Stopp-Loss-Kurs ging es gleichzeitig auf 38,90 Euro nach oben.

In Ausgabe 07-21 strichen wir den Wert sogar als einen jener Titel heraus, die im Idealfall das Zeug dazu haben, bis zum Jahr 2030 einen Status als Dauerläufer-Favorit zu behaupten. In diesem Zusammenhang verwiesen wir auch auf eine strategische Partnerschaft mit Ehang. Zusammen mit dem Drohnenhersteller baue der DAX-Konzern in chinesischen Ballungsgebieten eine automatisierte und intelligente Zustelllogistik auf. Zwar stecke dieser Service noch in den Kinderschuhen. Doch das Beispiel mache die enorme Bedeutung der Logistik in einer von Digitalisierung, immer schnelleren Produktionsprozessen und ökologischen Herausforderungen geprägten Weltwirtschaft deutlich.

Egal ob in der Luft, zur See, auf der Straße oder als Dienstleister in der Lagerhaltung (Kontraktlogistik): Die Deutsche Post spiele die ganze Klaviatur dieses Geschäfts, lautete in Ausgabe 07-21 eine weitere BÖRSE ONLINE-Botschaft zur Post-Aktie. Corona habe der Infrastruktur des früheren Staatskonzerns einen regelrechten Stresstest beschert. Der boomende Onlinehandel habe die Menge der in Deutschland zugestellten Sendungen regelrecht explodieren lassen. Trotz der Aussicht auf mehr Normalität stelle der Vorstandschef Frank Appel auch für 2022 weiteres Wachstum in Aussicht.