"Wir haben nunmehr alle rechtlich erforderlichen Fakten beieinander und können diese belegen - daher messen wir der von uns eingereichten Klage hohe Erfolgschancen bei." Er gehe davon aus, dass institutionelle Anleger wie Fondsgesellschaften zu den Klägern gehören.

Wirecard habe falsche, unterlassene und unvollständige Kapitalmarktinformationen gegenüber den Aktionären gegeben und sich damit schadenersatzpflichtig gemacht, sagte Weiss. Betroffen seien alle Aktienkäufe vom 24. Februar 2016 bis 27. April 2020. Alleine durch die Kommunikation rund um die KPMG-Sonderprüfung sei zeitweise ein Börsenwert von mehr als fünf Milliarden Euro vernichtet worden.

Der Konzern wies die Vorwürfe der Anlegeranwälte und die geltend gemachten Schadensersatzansprüche zurück. "Wirecard hat zu allen Zeiten nach bestem Wissen und Gewissen und entsprechend der gesetzlichen Informationspflichten kommuniziert", erklärte das Unternehmen. Man werde sich gegen die Klage zur Wehr setzen.

WIRECARD HAT AUCH ÄRGER MIT DER FINANZAUFSICHT


Wirecard sah sich in Medienberichten in den vergangenen Jahren wiederholt dem Vorwurf der Bilanzmanipulation ausgesetzt, den das Unternehmen bestreitet. Um diese zu entkräften, hatte der Aufsichtsrat im Herbst die Wirtschaftsprüfer von KPMG mit einer Sonderprüfung beauftragt. Doch die KPMG-Prüfer konnten die Vorwürfe nicht vollständig aus dem Weg räumen. Außerdem warfen sie dem Wirecard-Management vor, die Untersuchungen zum Teil behindert zu haben. Die Aktie stürzte nach Veröffentlichung des Berichts am 28. April ab. Am Mittwoch verloren die Titel mehr als fünf Prozent auf 82,15 Euro.

Bei einer Musterfeststellungsklage handelt es sich um eine Art Sammelklage, bei der einer im Namen von vielen klagt. Tilp führt seit September 2018 eine Musterklage gegen VW wegen des Dieselskandals am Oberlandesgericht Braunschweig. Musterkläger ist die Fondsgesellschaft Deka, die auch zu den Großaktionären bei Wirecard gehört und die den Rücktritt von Wirecard-Chef Markus Braun fordert. In den USA läuft bereits sei dem vergangenen Jahr eine Sammelklage gegen Wirecard.

Auch die deutsche Finanzaufsicht BaFin ermittelt seit Anfang 2019 in Sachen Wirecard. Bislang ging sie aber nur gegen Anleger und Journalisten vor, die sie im April 2019 wegen Leerverkaufs-Attacken bei der Staatsanwaltschaft München I anzeigte. Kritiker warfen der Behörde vor, zu nachlässig gegenüber Wirecard zu sein. Bafin-Chef Felix Hufeld sagte am Dienstag, Wirecard werde mehrfach geprüft von der BaFin.

rtr