Der E-Roller-Anbieter Lime will an die Nasdaq und strebt Insidern zufolge eine Bewertung von zwei Milliarden Dollar an. Dabei ist das Unternehmen hoch verschuldet – und war noch nie profitabel.
Lime, bekannt für seine quietschgrün-weißen E-Scooter und E-Bikes, hat bei der US-Börsenaufsicht SEC die Unterlagen für einen Börsengang eingereicht. Demnach peilt das Unternehmen eine Notierung an der Nasdaq unter dem Ticker „LIME" an. Die angestrebte Bewertung liegt nach Recherchen der „Financial Times“ bei rund zwei Milliarden Dollar. Wie viele Aktien zu welchem Preis ausgegeben werden sollen, sei bislang noch offen.
Für das 2017 gegründete Unternehmen mit Sitz in San Francisco ist der Gang an die Börse jedoch weit mehr als ein Wachstumsschritt – er ist schlicht eine Notwendigkeit. Ende März 2026 verfügte Lime dem Bericht zufolge zwar über frei verfügbare Barmittel von 261 Millionen Dollar. Dem stehen aber Anleihen und Kredite von rund 846 Millionen Dollar gegenüber, die allein innerhalb der nächsten zwölf Monate fällig werden. Lime räume in den SEC-Unterlagen selbst ein, dafür derzeit nicht genug Liquidität zu haben. Ohne Börsengang oder alternative Finanzierung bestünden „erhebliche Zweifel an der Fortführung des Geschäfts".
Seit der Gründung jedes Jahr Verluste
Die Umsatzzahlen von Lime zeigen eine klare Wachstumskurve, schreibt die „FT“: von 522 Millionen Dollar im Jahr 2023 über 687 Millionen Dollar im Jahr 2024 auf 887 Millionen Dollar im Jahr 2025. Doch profitabel sei das Unternehmen trotzdem nicht: Der Nettoverlust lag 2023 bei 122 Millionen Dollar, 2024 bei 34 Millionen Dollar und stieg 2025 erneut auf 59 Millionen Dollar an. In den SEC-Unterlagen weist Lime ausdrücklich darauf hin, seit der Gründung jedes Jahr Nettoverluste verbucht zu haben – und möglicherweise keine nachhaltige Profitabilität erreichen zu können. Gleichzeitig rechnet das Unternehmen mit weiter steigenden Ausgaben. Lime ist derzeit in rund 230 Städten in 29 Ländern aktiv und zählte 2025 etwa 19 Millionen Nutzer.
Uber-Partnerschaft überlebenswichtig
Lime ist eng mit Uber verflochten: 2020 führte der Fahrdienstvermittler eine Finanzierungsrunde über 170 Millionen Dollar an, in deren Zuge Lime Ubers Micromobility-Sparte Jump übernahm. Uber hält aktuell mehr als fünf Prozent an Lime. Die operative Partnerschaft ist für Lime sehr wichtig: Rund 14,3 Prozent des Umsatzes sollen im Jahr 2025 auf Buchungen über die Uber-App entfallen sein. Der Chef von Lime, Wayne Ting, arbeite früher selbst für Uber.
Mahnende Beispiele
Doch die E-Scooter-Branche ist ein Haifischbecken. Die Werbekosten sind hoch, der Konkurrenzkampf macht Preiserhöhungen fast unmöglich und die hohen Kosten für Wartung, Diebstahl und Vandalismus fressen die dünnen Gewinnmargen schnell wieder auf. Selbst wachstumsstarke Marken haben es da schwer, profitabel zu werden. Und die Liste der Opfer ist lang. So fusionierten im Oktober 2024 Dot und der unter anderem von den Stadtwerken München unterstützte Konkurrent Tier. Die Marke Tier verschwand danach.
Anlegern, die sich jetzt trotzdem für die Lime-Aktie interessieren, sei als mahnendes Beispiel der Fall Bird genannt: Limes einstiger Rivale ging 2021 mit einer Bewertung von 2,3 Milliarden Dollar an die Börse und meldete dennoch schon Ende 2023 Insolvenz an. E-Scooter mögen für die Nutzer cool sein. Für Anleger bleiben Lime & Co. ein hochspekulatives Investment mit offenem Ausgang.
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