Lockert die EU ihre Regelungen für Emissionszertifikate? Die Hoffnung darauf hat am Mittwoch Chemieaktien in die Höhe springen lassen. Und bei einem Verlierer des heutigen Tages bietet sich nun eine interessante Nachkauf-Chance.

Ein Bericht im „Handelsblatt“, wonach die EU die Verlängerung kostenloser Emissionszertifikate plant, hat am Mittwoch die Börsenkurse von Chemie- und Bautiteln stark beeinflusst.

Heftig getroffen wurde mit einem Minus von neun Prozent die Aktie des Zementherstellers Heidelberg Materials. Dagegen profitierten viele Chemietitel. An der Spitze des Dax legten die Aktien von Brenntag um 6,6 Prozent zu, BASF gewannen mehr als vier Prozent. Im MDax lassen Lanxess, Wacker Chemie und Evonik mit Kursgewinnen von teilweise fast zehn Prozent ebenfalls aufhorchen.

Wacker Chemie (WKN: WCH888)

In dem Bericht der Wirtschaftszeitung heißt es unter Berufung auf einen hochrangigen EU-Beamten, die EU-Kommission wolle ihr wichtigstes Klimaschutzinstrument, den Europäischen Emissionshandel (ETS), abschwächen. Geplant sei, über einen längeren Zeitraum als bisher vorgesehen kostenlose Zertifikate auszugeben, um energieintensive Unternehmen wie etwa aus der Chemiebranche zu entlasten. Auch im Autosektor reagierten Anleger am Mittwoch erleichtert auf die Meldung.

Chemiebranche wartet seit Jahren auf Rückenwind

Für die Chemiebranche bietet die Meldung die Chance auf einen sehnlichst erhofften Rückenwind nach einem jahrelangen Abwärtstrend. Im Dezember hatte der europäische Branchenindex ein Tief seit 2022 erreicht.

Der Chef des Chemiekonzerns Evonik Christian Kullmann, fordert mit Blick auf den europäischen Emissionshandel schon länger eine Reform, um die Wettbewerbsfähigkeit eines besonders wichtigen Wirtschaftszweigs in Europa zu sichern. „Wir haben das weltweit schärfste CO2-Gebührenregime, aber das Klima kennt keine Grenzen“, sagte Kullmann im Herbst der „Süddeutschen Zeitung“. Er halte es daher für völlig falsch, eine Industrie, die weltweit in der Spitzenklasse spiele, scharf mit zusätzlichen Gebühren zu benachteiligen.

Nachkaufchance bei Heidelberg Materials?

Heidelberg Materials dagegen litt unter der Nachricht. Die Aktien hatten erst vor wenigen Tagen ein Rekordhoch jenseits der 240-Euro-Marke markiert. Eigentlich müsste ein Zementhersteller mit seinen hohen Treibgas-Emissionen ebenso von einer Lockerung der Zertifikate-Thematik profiteren. Doch Heidelberg Materials gilt als Vorreiter darin, die Produktion emissionsfrei zu machen. Dies wollten sich die Heidelberger dann teuer bezahlen lassen. Doch damit wird es vorläufig nichts. Analyst Ben Rada Martin von Goldman Sachs verwies denn auch auf die Zementpreise, die kurzfristig unter niedrigeren Emissionseinflüssen leiden – sprich: sinken – könnten.

Analystin Elodie Rall von JPMorgan glaubt dagegen, dass die aktuellen Meldungen wohl eher den längerfristigen Rechtsrahmen für den Emissionshandel nach 2030 prägen werden. Sie geht daher davon aus, dass kurzfristig keine wesentlichen Auswirkungen zu erwarten sind. Daher sieht sie noch keinen Wendepunkt. Der Rückschlag im Sektor, etwa bei Heidelberg, ist deshalb aus ihrer Sicht eine gute Möglichkeit, Aktien nachzukaufen.

Heidelberg Materials (WKN: 604700)

Wie reagiert man als Anleger?

Fast alle deutschen Chemiewerte haben am Mittwoch wichtige Chartmarken erreicht oder klar überschritten. Während sich Wacker Chemie schon seit September in einem Aufwärtstrend befindet, konnte Evonik sowohl aus einem Abwärtstrend als auch aus der jüngsten Seitwärtsbewegung ausbrechen.

Lanxess hat den Abwärtstrendkanal dagegen trotz eines Kurssprungs um mehr als zehn Prozent (Stand 16 Uhr) noch nicht verlassen.

Besonders interessant könnte der heutige Ausbruchsversuch für die BASF-Aktie enden: Das Papier bewegt sich seit nunmehr dreieinhalb Jahren in einem Seitwärts-Korridor zwischen 40 und 54 Euro. Auch die 200-Tage-Linie verläuft deshalb mehr oder weniger waagerecht, weshalb sie als Chartsignal kaum noch taugt.

BASF (WKN: BASF11)

Doch just zum Jahreswechsel durchbrach die 38-Tage-Linie die 200-Tage-Linie von unten nach oben. Seitdem bewegt sich auch der Kurs recht dynamisch aufwärts, was Hoffnung macht. Der Weg zum nächsten Widerstand bei 54 Euro ist noch neun Prozent entfernt.

So eine Distanz schafft ein Dickschiff wie BASF nicht an einem Tag. Doch wenn es Anfang kommender Woche soweit sein sollte, wäre plötzlich der Weg frei in Richtung 70 Euro. Dort liegt das Kursziel der BÖRSE ONLINE-Redaktion. Mehr dazu erfahren Sie in Ausgabe 06/2026 auf Seite 63.

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Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: BASF.