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Wie Anleger den Hebel richtig ansetzen

Wie Anleger den Hebel richtig ansetzen

WKN: 542800 ISIN: DE0005428007 comdirect bank AG

11,72 EUR
0,02 EUR 0,17 %
20.04.2018 - 14:44
19.09.2017 19:00:00

Für die einen sind sie das Salz in der Suppe, für die anderen einfach nur Zockerinstrumente. Wer weiß, wie die Differenzkontrakte CFDs funktionieren, kann sich die Hebelinvestments aber zunutze machen. Von Gian Hessami



Alle sagten: Das geht nicht. Dann kam einer, der wusste das nicht, und hat’s gemacht. Clevere britische Banker machten vor mehr als zwei Jahrzehnten aus der Not eine Tugend. Als damals in Großbritannien die Börsenumsatzsteuer, auch Stempelsteuer genannt, für alle Aktiengeschäfte eingeführt wurde, entwickelten die Finanzprofis Contracts for Difference (CFDs), zu Deutsch: Differenzkontrakte. Der CFD-Handel erfolgte nicht über die Londoner Börse, sondern außerbörslich. So konnte man mit den Finanzinstrumenten die lästige Besteuerung umgehen.



CFDs haben sich inzwischen weltweit bei Tradern als Hebelinvestments etabliert. Die Kontrakte werden heute noch immer außerbörslich gehandelt. Anleger gehen dabei rechtlich gesehen eine Vereinbarung mit dem CFD-Anbieter (Broker) ein. Dieser stellt die Kurse, legt die Bedingungen fest und bietet entsprechende Handelsmöglichkeiten und die dazugehörigen Onlineplattformen.


Mit Differenzkontrakten können Anleger überproportional von Kursbewegungen von Basiswerten wie Indizes, Aktien, Währungen und Rohstoffen profitieren. Wie der Name andeutet, geht es um die Kursdifferenz des Basiswerts zwischen Ein- und Ausstiegszeitpunkt des Anlegers. Mit Long-CFDs setzen Investoren auf steigende und mit Short-CFDs auf fallende Märkte. Institutionelle Anleger nutzen die Differenzgeschäfte schon seit den 80er-Jahren, um größere Positionen abzusichern. Privatanleger wurden CFDs Ende der 90er-Jahre in Großbritannien zugänglich. Nach Deutschland kamen sie, als der britische Broker CMC Markets 2005 in Frankfurt eine Niederlassung eröffnete.

Die Investments richten sich vorwiegend an risikobereite Anleger. Riskante Hebel von 100 oder mehr sind beim CFD-Handel keine Seltenheit. Ein Hebel von 100 bedeutet zum Beispiel, dass der Wert des Long-CFDs um 100 Prozent steigt, wenn sich der Basiswert um ein Prozent nach oben bewegt. Der Hebel wirkt allerdings in beide Richtungen: Erfüllt sich die Markterwartung des Anlegers nicht, kommt es zu entsprechend hohen Verlusten. Fällt etwa die Aktie im obigen Beispiel um ein Prozent, bedeutet das für das CFD-Investment ein Minus von 100 Prozent.

Bevor man CFDs handelt, sollte deren Funktionsweise also klar sein. Wenn es schlecht läuft, kann man sogar noch mehr als sein Einsatzkapital verlieren. In manchen Fällen müssen Anleger Geld nachschießen - und das kann zum unkalkulierbaren Risiko werden. Der Hebel kommt nämlich dadurch zustande, dass Investoren beim CFD-Broker nur einen Bruchteil des gehandelten Basiswerts als Sicherheitsleistung (Margin) hinterlegen.

Margin und Hebel beachten



Je geringer der prozentuale Anteil der Margin, desto größer der Hebel. Der Hebel errechnet sich, indem man die Positionsgröße durch die Margin teilt. Angenommen, man bewegt mit einem Euro eine Aktie, die 100 Euro wert ist, dann liegt der Hebel bei 100 (Rechnung: 100:1). Würde die Sicherheitsleistung in dem Fall fünf Euro betragen, ergibt sich ein Hebel von 20 (100:5).

Wichtig ist es, vorab zu wissen, mit welchem Hebel man unterwegs ist, um die Chancen und Risiken besser einzuschätzen. Den größten Teil des gehandelten Werts streckt quasi der CFD-Anbieter dem Anleger als Kredit vor. Finanzierungsgebühren entstehen Anlegern erst, wenn sie die Position über Nacht halten.

Apropos "über Nacht": Halten Investoren ihre CFD-Positionen über Nacht, kann der Eröffnungskurs des nächsten Tags erheblich vom Schlusskurs des Vortags abweichen. Experten sprechen hierbei vom Overnight Gap (Gap ist englisch für "Lücke").

Die Kurslücke kann eintreten, wenn nach Handelsschluss Nachrichten aus Wirtschaft und Politik sowie Naturkatastrophen oder Entwicklungen an anderen internationalen Börsen den Eröffnungskurs deutlich beeinträchtigen. Ein Overnight Gap kann zur Folge haben, dass Stop-Loss-Aufträge nicht effektiv zur Verlustbegrenzung ausreichen, da die Ausführung nicht zum gewünschten Kurs erfolgt. Dies kann wiederum dazu führen, dass das Handelskonto ins Minus rutscht und eine Zwangsglattstellung der Position eingeleitet wird. Im schlechtesten Fall müssen Anleger Kapital nachschießen.

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Bildquelle: 123RF, BÖRSE ONLINE, BÖRSE ONLINE, BÖRSE ONLINE

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