Der deutsche Blockchain-Pionier und Seriengründer Patrick Gruhn ist mit seinem neuen Unternehmen Perpetuals.com ab heute an der Nasdaq gelistet. Als CEO will er mit seiner Blockchain-Technologie unter anderem den 17-Billionen Dollar großen CFD-Markt aufmischen.
Dass er einmal ein Seriengründer und Selfmade-Milliardär werden könnte, ahnte Patrick Gruhn noch nicht, als er vor mehr als 25 Jahren mit 18 in Hannover seine erste IT-Firma für Webhosting startete. Seit Dienstag leitet Gruhn, der mittlerweile auf seiner Ranch in Oregon lebt, als einer von wenigen gebürtigen Deutschen ein börsennotiertes US-Unternehmen. Perpetuals.com Ltd. heißt die Firma, die Gruhn selbst mit aus der Taufe gehoben hat. Durch einen „Reverse Takeover“ mit der zuvor börsennotierten Earlyworks Co., Ltd. ist es ihm gelungen, dass Perpetuals ab heute (Dienstag, 20. Januar 2026) an der New Yorker Technologiebörse Nasdaq gelistet ist. An der US-Börse wird die Aktie unter der bisherigen ISIN von Earlyworks (US27030F2020) und dem Börsensymbol PDC gehandelt (nicht zu verwechseln mit der Pediarix Medical Group, die in Deutschland das gleiche Kürzel hat).
Neben Gruhn, der Perpetuals.com gemeinsam mit seinem Co-CEO Satoshi Kobayashi leitet, gibt es derzeit nur einen deutschen Manager an der Spitze eines Nasdaq-notierten Unternehmens: Uğur Sahin, CEO der in Mainz ansässigen BioNTech SE, die vor fünf Jahren ihren IPO an der Nasdaq feierte.
Blockchain-Technologie soll Börsenhandel revolutionieren
Perpetuals.com hat sich der Tokenisierung von Wertpapieren und Gegenständen aller Art verschrieben. Das Unternehmen will die klassischen Finanzmärkte mit Blockchain-basierten Kryptomärkten verbinden. Kernprodukt ist eine selbstentwickelte Börsen-Software mit dem Namen Kronos X, die es regulierten Handelsplattformen ermöglicht, rund um die Uhr (24/7) ein eigenes Clearing zu betreiben, ohne weitere Intermediäre. Das funktioniert, weil alle Transaktionen blockchain-basiert abgewickelt werden. Auf diese Weise könnten regulierte Börsen sogar direkt mit Krypto-Derivatebörsen konkurrieren, glaubt Gruhn.
Die komplette Lösung von Perpetuals ist mit der EU-Regulierung konform – denn der IT-Experte Gruhn hat auch Jura studiert und das Thema jahrelang als Anwalt und Berater mit begleitet. „Wir definieren neu, wie moderne Finanzmärkte funktionieren", kündigte der 44-Jährige zum Börsengang an. „Transparent, effizient und zugänglich für alle."
Kampfansage ans Börsen-Establishment
Die Tokenisierung bietet gegenüber dem traditionellen Handel große Vorteile: Sie senkt die Kosten für alle Marktteilnehmer erheblich - und ist damit ein Angriff auf bestehende Strukturen an den Börsen. Denn die direkte Abwicklung der Trades über die Blockchain macht ein kostenintensives zentrales Clearing-Verfahren, wie es an den traditionellen Börsen etwa über Clearstream üblich ist, obsolet. Zentrale Verwahrstellen werden in dieser Welt theoretisch nicht mehr gebraucht.
Auch für die Anleger hat das Vorteile: Weil der Besitzerwechsel direkt auf der Blockchain eingetragen wird, können sie sofort nach einem Assetverkauf wieder über ihr Geld verfügen – statt bis zu 48 Stunden auf die Umschreibung und Gutschrift zu warten wie bei klassischen Plattformen.
Noch in 2026 will Perpetuals.com den Betrieb eigener multilateraler Handelssysteme (MTF) in Europa starten und tokenisierte Produkte einführen. Unter anderem plant Gruhn Pre-IPO-Kontrakte, strukturierte Produkte und Optionen anzubieten.
KI-gestützte Lösungen gegen unfaire CFD-Praktiken
Dabei hat der Blockchain-Experte vor allem den CFD-Markt in Europa im Blick. Contracts for Difference (CFDs) sind Finanzderivate, mit denen Anleger auf Preisbewegungen spekulieren, ohne die Basiswerte zu besitzen. Auf diesem Gebiet sieht Perpetuals ein immenses Potenzial für neue, disruptive Technologien. Nach Angaben der European Securities and Markets Authority (ESMA) macht der CFD-Markt mittlerweile 51 Prozent aller europäischen Aktien-Derivatepositionen aus. Das monatliche Handelsvolumen beträgt weltweit rund 17 Billionen Dollar.
Doch die Gewinner in diesem Markt seien auffallend ungleich verteilt, kritisiert Gruhn. Studien zufolge liege die Verlustquote bei Kleinanlegern je nach Broker zwischen 68 und 89 Prozent. Nicht wenige verlören durch CFDs ihre gesamten Ersparnisse. Die US-Börsenaufsicht SEC hat deshalb den CFD-Handel aus Anlegerschutz-Gründen verboten, in Europa ist er noch erlaubt.
„Dieses System ist unethisch", sagt der Perpetuals-CEO. „Wir wollen es ändern." Dazu habe Perpetuals unter anderem firmeneigenes maschinelles Lernsystem entwickelt, das mit Millionen von Daten aus dem Privatkundenhandel trainiert wurde. Diese KI-gestützte Technologie ermögliche nun die Entwicklung von fairen Alternativen zu bisherigen CFDs und Perpetual Futures, so Gruhn. Es gehe ihm nicht darum, CFDs generell abzuschaffen. Er wolle vielmehr die Chancengleichheit für die Privatanleger erhöhen.
Das Ziel ist die Tokenisierung - von allem
Bei der Tokenisierung werden reale Vermögenswerte auf einer Blockchain abgebildet und in digitale Einheiten zerlegt. So können künftig auch Privatanleger Zugang zu Anlageklassen erhalten, die bisher institutionellen Investoren vorbehalten waren. Die Tokens sind rund um die Uhr handelbar, ohne klassische Intermediäre wie Banken oder Broker. Transaktionen werden in Sekundenschnelle abgewickelt, was Gegenparteirisiken verringert und die Effizienz steigert.
Patrick Gruhn hatte bereits 2017 zusammen mit Robin Matzke das Vorläufer-Unternehmen Digital Assets gegründet. Es handelte sich um eine Art Kryptobörse nach EU-Recht, die damals schon die Tokenisierung von Aktien ermöglichte. Die damals führende Kryptobörse FTX fand das Modell so spannend, dass sie das Unternehmen im Jahr 2021 für 400 Millionen US-Dollar übernahm. Wenig später flog jedoch bei FTX ein Betrugsskandal auf und das Unternehmen ging pleite. Gruhn gelang es schließlich, seine Blockchain-Firma aus der Insolvenzmasse zurückzukaufen. Sie war der erste Baustein für Perpetuals.com.
Gruhn will nicht selbst ins Endkundengeschäft einsteigen, sondern Börsenbrokern und CFD-Plattformen die Perpetuals-Technologie anbieten. „Damit verhelfen wir CFD-Händlern zu einem regulatorisch einwandfreien Geschäftsmodell – und schützen gleichzeitig Kleinanleger vor Verlusten", verspricht der Blockchain-Pionier.
Zudem will er den Ertrag für seine Aktionäre mehren. Ab heute können die täglich am Börsenkurs ablesen, wie weit er damit ist.
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