BÖRSENWISSEN

CFD-Serie: Hebel-Investments für Mutige

CFD-Serie: Hebel-Investments für Mutige
02.03.2015 09:30:30

Londoner Banker erfanden einst Differenzkontrakte, um die Börsenumsatzsteuer zu umgehen. Im ersten Teil der Serie erklären wir, wie die spekulativen Produkte hohe Gewinne ermöglichen, aber auch zu beträchtlichen Verlusten führen können. Von Gian Hessami



Einmaleins

Vor mehr als 20 Jahren machten findige britische Banker aus der Not eine Tugend. Nachdem in Großbritannien die Börsenumsatzsteuer, die sogenannte Stempelsteuer, für alle Aktiengeschäfte eingeführt worden war, entwickelten die Banker Contracts for Difference, kurz CFDs, oder auf Deutsch: Differenzkontrakte. Der Handel mit CFDs erfolgte nicht über die Londoner Börse, sondern außerbörslich - auf diese Weise konnten die Finanzprodukte nämlich die lästige Besteuerung umgehen.

Mit CFDs können Anleger an den Kursbewegungen von Basiswerten wie Indizes, Aktien, Rohstoffen oder Währungen überproportional partizipieren. Wie der Name Differenzkontrakt andeutet, geht es um die Kursdifferenz des Basiswerts zwischen Ein- und Ausstiegszeitpunkt, von der Anleger profitieren können. Investoren setzen mit Long-CFDs auf steigende oder mit Short-CFDs auf fallende Notierungen. Institutionelle Anleger nutzen die Differenzgeschäfte schon seit den 80er-Jahren zur Absicherung von größeren Positionen. Privatanlegern wurden CFDs erstmals 1998 in Großbritannien angeboten. Nach Deutschland kamen sie, als der britische CFD-Anbieter CMC Markets 2005 eine Niederlassung in Frankfurt eröffnete.

Differenzkontrakte werden auch heute noch außerbörslich, also direkt über einen Anbieter (Broker), gehandelt. Sie sind rechtlich gesehen eine Vereinbarung zwischen dem Anleger und seinem Broker. Letzterer stellt die Kurse, legt die Bedingungen fest und bietet entsprechende Handelsmöglichkeiten.

Der Handel mit Differenzkontrakten richtet sich in erster Linie an risikobereite Anleger. Mit den Produkten sind hohe Gewinne, aber auch große Verluste möglich. Erfüllt sich die Markterwartung des Anlegers nicht, kann dies schnell zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals führen. Bevor man CFDs handelt, sollte einem die Funktionsweise der Produkte daher klar sein.

Der Clou ist die Hebelwirkung (siehe Investor-Info auf Seite 5). Ein Hebel von zehn bedeutet zum Beispiel, dass der Wert eines Long-CFDs um zehn Prozent steigt, wenn sich der Basiswert um ein Prozent nach oben bewegt. Der Hebel wirkt jedoch in beide Richtungen. Sollte der Basiswert in die "falsche" Richtung laufen, entstehen überproportionale Verluste. Der Hebel kommt dadurch zustande, dass Anleger nur einen Bruchteil des gehandelten Basiswerts zahlen. Sie hinterlegen bei ihrem Broker lediglich einen geringen Teil des Basiswerts als Sicherheitsleistung (Margin). Je kleiner die Margin, desto größer der Hebel.

Auf Seite 2: Wie der Hebel entsteht

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Bildquelle: Istockphoto

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