Das sogenannte Death Cross erwies sich zunächst als ein riesiges Fehl­signal: Unmittelbar nach Eintreten gab es den viertgrößten Kurssprung in der Geschichte des Bitcoin und den größten seit 2011. In der Spitze stieg er in 24 Stunden um über 40 Prozent. Nach dem erneuten Kurseinbruch zur Wochenmitte hatte er sich zunächst für zwei Tage auf dem Widerstandsniveau um 7500 US-Dollar stabilisiert. Der Kurssprung begann am Freitagnachmittag zu Beginn der amerikanischen Handelszeit mit einem Anstieg in wenigen Minuten von 7700 auf 8600 Dollar. In der Spitze kletterte die Kryptowährung bis auf 10 600 Dollar, um dann wieder auf etwas mehr als 9000 Dollar zu fallen.

Gründe der Achterbahnfahrt


Den Kursrutsch könnte man zunächst als ganz normale Korrektur sehen. Auch gab es Vermutungen, dass er mit den Anhörungen des Facebook-Chefs Mark Zuckerberg vor dem US-Kongress im Zusammenhang mit dem Libra-Projekt stehen könnte. Wahrscheinlich kam der Kursrutsch aber durch eine mögliche Manipulation der Kryptobörse BitMEX zustande. Gemessen am Handelsvolumen ist sie die führende Bitcoin-Börse. Eine Besonderheit ist, dass dort mit Hebeln bis zu 100 auf steigende und fallende Kurse gesetzt werden kann. Dabei liegen den Bitcoin-Kursen die Bitcoin-Preise der drei Kryptobörsen Coinbase, Kraken und Bitstamp zugrunde. Der Preisrutsch soll von der Börse Bitstamp ausgegangen sein, ausgelöst durch einen größeren Abverkauf von Bitcoin, der auch durch einen fehlerhaften Algorithmus ausgelöst worden sein könnte. Allerdings hat man solche Flash Crashes in der Vergangenheit schon häufiger erlebt. Bei riesigen Hebeln wie bei BitMEX kann schnell ein Dominoeffekt ausgelöst werden, wenn entsprechende Stop Losses im Markt liegen.

Auch zum raketenartigen Anstieg zum Wochenschluss gibt es verschiedene Vermutungen. Zum einen könnte er durch Äußerungen von Chinas Präsident Xi Jinping ausgelöst worden sein. Dieser sieht die Blockchain als Kerntechnologie und will sie beschleunigt entwickeln und fördern. Zwar hat das nicht direkt etwas mit dem Bitcoin oder Kryptowährungen allgemein zu tun, doch hat der Binance-­Vorstand Zhao bei seinen bullishen Tweets einen Zusammenhang hergestellt.

Daneben wird eine große Menge neu gedruckter und an Bitfinex übertragene Tether als möglicher Grund ins Spiel gebracht. In der Vergangenheit wurden immer wieder Vorwürfe laut, dass Bitfinex damit Bitcoin kauft und folglich manipuliert. Schließlich ist derzeit diesbezüglich sogar ein Gerichtsverfahren anhängig.

Eine Rolle könnten auch die am Freitagnachmittag ausgelaufenen Futures an der CME gespielt haben, die zu Panik bei den Marktteilnehmern geführt haben könnten.

Denn der Kurssprung beim Bitcoin kam etwa eine Stunde vor Einstellung des Handels. Diese Dynamik wurde dann noch durch einen Short Squeeze verstärkt. Viele Marktteilnehmer hatten zuletzt auf weiter fallende Kurse gesetzt. Dadurch mussten die offenen Short-Positionen zwangsliquidiert werden. Die Riesenhebel von BitMEX und jetzt auch Binance könnten Bitcoin-Wale jedenfalls zu einer kurzfristigen Überrumpelung des Markts verleiten.

Die Riesenhebel von bis zu 100 führen dazu, dass die BitMEX das größte Bitcoin-­Handelsvolumen aufweist. Die Bitcoin-Derivate von BitMEX machen laut den Daten von Coinmarketcap 15 Prozent des Gesamtumsatzes am Spotmarkt der Krypto­börsen aus. Dazu kommen neben den CME-Futures noch weitere Margin-Trading-Möglichkeiten bei anderen Kryptobörsen. Gerade am 18. Oktober erst hatte Binance auf seiner Futures-Plattform maximale Hebel von bis zu 125 auf die Bitcoin-Kontrakte zugelassen. So kann etwa bei einem Hebel von 100 mit einer Million Dollar ein Gegenwert von 100 Millionen Dollar bewegt werden. Ein Segen für die Stabilität des ohnehin schon sehr volatilen Bitcoin-Markts ist das nicht.

Nun kommt im Dezember auch noch die Bakkt mit regulierten Bitcoin-Optionen. Aufgrund der zunehmenden Gefahren durch die Instrumente mit hohem Hebel könnte es schnell einmal zu einem Lehman-Effekt am Kryptomarkt kommen. Anleger sollten längerfristige Investments nicht auf ihren Konten bei den Kryptobörsen liegen lassen, sondern in die eigene Wallet transferieren.