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Israel: Auf Wachstum geimpft - Warum Sie jetzt einen Blick auf dem Staat im Nahen Osten werfen sollten

Israel: Auf Wachstum geimpft - Warum Sie jetzt einen Blick auf dem Staat im Nahen Osten werfen sollten

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26.02.2021 - 17:19
05.02.2021 06:54:04

Nicht nur bei der Covid-19-Bekämpfung ist das Land innovativ, sondern auch in der Wirtschaft. Anleger sollten einen Blick auf den Staat im Nahen Osten werfen. Von Emmeran Eder, Euro am Sonntag

Die Israelis sind Impfweltmeister. Schon rund 40 Prozent der gut neun Millionen Einwohner des Landes sind mit dem Impfstoff von Pfizer/Biontech geimpft. Ziel ist es, bis April den Großteil der impffähigen Bevölkerung gegen Covid-19 zu immunisieren.

Erste Studien machen Mut. So sank die Zahl der Klinikeinweisungen laut der Krankenkasse Maccabi am 23. Tag nach der ersten und am zweiten Tag nach der Folgeimpfung bei Personen, die 60 Jahre oder älter sind, um 60 Prozent. Zudem deutet sich an, dass der vom Hersteller angegebene Impfschutz von 95 Prozent sogar übertroffen wird. Allerdings sind diese Ergebnisse bisher nur vorläufig.

Noch steckt das Land im dritten Lockdown seit Ausbruch der Seuche mit aktuell 1.100 schwer Erkrankten. Die Pandemie hat die Wirtschaft Israels, die vorher jährlich mit Raten von drei Prozent wuchs, hart getroffen. 2020 ging das BIP laut Zentralbank um 3,7 Prozent zurück. Dass es nicht schlimmer kam, liegt an großen staatlichen Hilfspaketen. Die erhöhten die Staatsverschuldung von 60 auf 73 Prozent des BIP, was im globalen Vergleich niedrig ist.

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"Die geringe Schuldenlast hat aber eine zweite, unerfreuliche Seite. Sie ist nämlich auch eine Folge des schwach ausgebauten Sozialstaats", sagt Wladimir Struminski, Leiter des Jerusalemer Büros der deutschen Gesellschaft für Außenwirtschaft GTAI. Kurzarbeitergeld gibt es nicht. Das führt zu einer hohen Arbeitslosenrate von zwölf Prozent. 90.000 Betriebe gaben ihr Geschäft auf. Das Arbeitslosengeld, das maximal 60 Prozent des Bruttogehalts beträgt, wird höchstens sechs Monate lang bezahlt. Das hat Auswirkungen. "Viele Familien haben keine ausreichende Nahrungsmittelsicherheit. In Israel geht deshalb das böse Wort um, es gebe zwei israelische Volkswirtschaften - Hightech und den ganzen Rest", so Struminski.

Land der Gegensätze

Denn das Heilige Land ist widersprüchlich. Menschen, die in den wichtigsten Industrien des Staates arbeiten wie IT, Rüstung, Sicherheitstechnik oder Finanzbranche, verdienen gut. Zugleich gibt es viele Personen mit niedrigen Einkommen, die die hohen Lebenshaltungskosten kaum zahlen können.

Vor allem für seine IT- und Hightechbranche ist Israel bekannt. Sie dominiert mit gut 30 Prozent Anteil auch den Export vor der Chemie-Industrie. Zur Wirtschaftsleistung trägt diese jedoch nur knapp neun Prozent bei. Ähnlich hoch ist der Anteil der Beschäftigten in diesem Sektor. Israel besitzt viele Start-ups, die sich mit IT, Sicherheitstechnik und Biotechnologie beschäftigen. Diese Bereiche spüren von der Corona-Krise nichts. Das in Start-ups investierte Kapital kletterte 2020 um 30 Prozent auf zehn Milliarden US-Dollar.

Waren diese Firmen erfolgreich, wurden sie in der Vergangenheit meist von großen US-Konzernen gekauft. Zuletzt gab es aber vermehrt Aktienemissionen in Israel und ausländische Beteiligungen unter der Schwelle von 50 Prozent. "Die Israelis versuchen die Früchte der Arbeit nun selbst zu ernten", erklärt Struminski diese Entwicklung, die an Schwung gewinnt. Trotzdem ist die größte IT-Firma noch der US-Gigant Intel mit seiner israelischen Tochter.

Ein Faktor für die erfolgreiche Start-up-Kultur sind Frauen. Vor Kurzem wurde der Staat in dem vom Zahlungsdienstleister Mastercard erstellten Index of Women Entrepreneurs, einer Rangliste, die Leistungen von Unternehmerinnen bewertet, auf Platz 1 gesetzt. Deutschland folgt erst auf Rang 28. Grund für den Erfolg sind umfangreiche genderspezifische staatliche Fördermaßnahmen für von Frauen geleitete Firmen, die gute Rahmenbedingungen für Unternehmerinnen schaffen.

Neben der Hightechbranche sind die Israelis auch im Bereich Energie fortschrittlich. Durch Gasfunde vor der eigenen Mittelmeerküste kann sich das Land nicht nur selbst mit dem Rohstoff versorgen, sondern ist sogar Gasexporteur. Zusammen mit Zypern und Griechenland ist eine Gaspipeline durch das Meer nach Europa geplant.

Trotzdem beschloss die Regierung, keine weiteren Gaskraftwerke mehr zu bauen. Stattdessen soll der Anteil alternativer Energien, zu denen vor allem Solarenergie und Geothermie zählen, bis 2030 von zehn auf 30 Prozent ausgebaut werden. Dazu passt, dass im November in Tel Aviv ein neuer Index für alternative Energien gestartet wurde.

Außer Innovationsfreude, Hightech und Energiesicherheit sprechen auch politische Entwicklungen für Israel. Bahrain, Marokko und die Vereinigten Arabischen Emirate haben den Staat kürzlich anerkannt. "Neben dem Ausbruch aus der politischen Isolation erhoffen sich die Israelis davon auch Exporte in diese finanzkräftigen Staaten", sagt Gerhard Heinrich, Analyst beim Informationsdienst Emerging Markets Trader. Trotzdem bleibt die geopolitische Lage ein Risiko für Investoren.

Mehrere Risikofaktoren belasten

Zudem ist die innenpolitische Lage seit Jahren instabil. Am 23. März finden zum vierten Mal innerhalb von zwei Jahren Parlamentswahlen statt. Ob es danach klare Verhältnisse gibt, bleibt abzuwarten. Eine weitere Gefahr ist, dass die EU, der mit Abstand wichtigste Handelspartner, massiv unter Corona leidet. Auch die überbewertete Währung Schekel macht Exporteuren zu schaffen.

Für deutsche Anleger sind Aktien in Israel schwer zugänglich. Der Großteil der innovativen kleinen Firmen ist nicht börsennotiert. Selbst die Einzelwerte im Leitindex TA-35 sind nicht leicht investierbar. Es gibt kaum Banken oder Broker, die das ermöglichen. Wenn ja, sind die Gebühren hoch, und es fehlen Informationen. Einige wenige Titel notieren in den USA oder Deutschland.

Alternativ setzen Anleger auf einen ETF (siehe Investor-Info). Der Leitindex TA-35 hinkte anderen Industrieländer-Indizes nach dem Corona-Crash hinterher und lief von April bis Ende Oktober seitwärts. Seit November befindet er sich in einer Aufholbewegung, die sich fortsetzen sollte - vorausgesetzt, die Impfungen sind erfolgreich und politische Störmanöver bleiben aus.
 


INVESTOR-INFO

iShares TA-35 ETF

Israel im Paket kaufen

Der ETF von iShares bildet Israels Leitindex TA-35 ab, der mit aktuell 34 Aktien über diverse Branchen gestreut ist. Banken und Versicherungen dominieren, aber der IT-Sektor mit fast 20 Prozent Gewicht und die Gesundheitsbranche spielen auch eine wichtige Rolle, zudem Immobilientitel. Der Immobilienmarkt in Israel boomt seit 14 Jahren. Alternative Energien sind noch wenig vertreten, dafür Sicherheitstechnikfirmen. Mit einem KGV für 2021 von 13 ist der Index nicht zu teuer.

Ormat-Technologies-Aktie

Auf die Öko-Rally setzen

Die von einem Israeli gegründete US-Firma hat ihre Hauptproduktionsstätte neben den Vereinigten Staaten immer noch im Heiligen Land und notiert im TA-35-Index. Das Unternehmen entwickelt und betreibt weltweit Geothermiekraftwerke. Die auch an der Börse Stuttgart gelistete Aktie ist nach der Kursverdoppelung seit September schon hoch bewertet, ab 2022 wird aber ein Gewinnsprung erwartet. Risikofreudige Anleger setzen damit auf eine Fortsetzung der Hausse bei Titeln aus dem Sektor erneuerbare Energien.



Empfehlung: Kaufen
Kursziel: 110,00 Euro
Stoppkurs: 68,00 Euro

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