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Aktives Management zahlt sich aus

Aktives Management zahlt sich aus
24.08.2021 07:05:00

Die strukturellen Brüche im Wirtschaftsgefüge haben im Gefolge der globalen Covid-Pandemie und deren Bewältigung Fahrt aufgenommen. Disruptive, also sprunghafte Veränderungen sind ein ideales Umfeld für aktives Fondsmanagement. Es setzt fokussiert auf Geschäftsmodelle, die von marktbeherrschenden Positionierungen profitieren oder mit innovativen Lösungen aufwarten.

Im €uro-Tischgespräch erklären die Experten von Amundi, DJE Kapital und Eyb & Wallwitz, warum aktives Fondsmanagement für ein deutlich besseres Chance-Risiko-Verhältnis sorgt.

€uro: Die Märkte sind optimistisch und nervös. Wie gehen aktive Manager damit um?


Thomas Kruse (Chefvolkswirt Amundi Asset Management): Sie reagieren nur, wenn es nötig ist, dann aber schnell und gezielt auf Veränderungen. Die zweite wichtige Komponente ist, dass sie darüber den Blick auf das große Ganze nicht vernachlässigen. Nicht jede kurzfristige Irritation hat einen Einfluss auf die Anlagestrategie und die Titelauswahl in einem konzentrierten Portfolio. Im Gegenteil: Oft bieten kurzfristige Kursverluste durch die Nervosität der Masse eine gute Gelegenheit, einige der erfolgversprechenden Titel günstig aufzustocken. Man muss sie aber vorher identifiziert haben.

Thorsten Schrieber (Vorstandsmitglied DJE Kapital AG): Die Differenzierung zwischen aktivem und passivem Fondsmanagement wird häufig auf Kostenunterschiede reduziert. Wer sich Expertise und Research spart, kann hier vielleicht punkten, das Lehrgeld zahlt der Anleger. Ein Exchange Traded Fund (ETF) folgt der Masse, ein aktiv gemanagter Fonds und andere aktive Anleger leisten die unverzichtbare Vorarbeit. Denn sie suchen eigenständig die besten Titel heraus, schaffen Unterschiede und machen den Markt. Prägnant formuliert: Wer zur (Performance-) Quelle will, darf nicht mit dem Strom schwimmen. Wir tun das und zeigen Engagement auch im Detail. Viel wichtiger: Wir kennen die Titel nicht nur vom Hörensagen, sondern machen 600 bis 900 Unternehmensbesuche pro Jahr. Vor Ort lassen sich zukunftsträchtige Trends besser identifizieren. Wer einen globalen ETF kauft, verzichtet auf derlei Expertise und gibt sich mit dem Durchschnitt aus gut und schlecht zufrieden.

Uwe Diehl (Geschäftsführer Eyb & Wallwitz Vermögensmanagement): Zudem sind passiv orientierte Anlagen zwangsläufig vergangenheitsorientiert. Diese mögen zwar mehr oder weniger attraktive Erträge gebracht haben, aber nur für diejenigen, welche bereits früher entsprechend positioniert waren. Für den Anleger jetzt ist das vielleicht verlockend, aber ergebnislos - und damit uninteressant. Er muss wissen, wo sein Geld vorausblickend gut angelegt ist - und dafür steht aktives Fondsmanagement.

Die Gesprächspartner

Uwe Diehl bekleidet seit Juni 2020 bei Eyb & Wallwitz die Funktion als Head of Sales und ist gleichzeitig Mitglied der Geschäftsführung. Zuvor war er in Führungspositionen bei AXA IM Deutschland, Lombard Odier AM und Henderson Global Investors tätig. Er besitzt den Abschluss eines Diplom-Kaufmanns der Universität der Bundeswehr München.

Thomas Kruse ist Geschäftsführer und Chief Investment Officer der Amundi Deutschland GmbH. Zuvor verantwortete er im Fondsmanagement den Bereich Risk Overlay and Income Strategies am Investmentstandort München. Seit 1995 in der Investmentbranche, ist der Diplom-Kaufmann (Christian-Albrechts-Universität, Kiel) seit Januar 2000 im Unternehmen tätig.

Thorsten Schrieber ist Vorstand der DJE Kapital AG für die Bereiche Vertrieb, Marketing & PR, die er bereits von 2001 bis 2007 in gleicher Funktion leitete. Er verfügt über langjährige Vertriebserfahrung im Asset Management (Credit Suisse, Zürich Invest, Fidelity). 2017 wurde er erneut als Mitglied der Geschäftsführung und im Oktober 2018 in den Vorstand der DJE Kapital AG berufen.

€uro: Haben sich im Zuge der Pandemie die Spielregeln der Märkte etwas geändert?


Diehl (Eyb & Wallwitz): Ja und nein, in turbulenten Zeiten gibt es Gewinner und Verlierer, dazu einige, die auf der Kippe stehen. Denn manche kommen besser aus der Covid- Krise heraus als andere. Die Stärke des aktiven Managements ist, dass es konzentriert nach vorn schaut. Es kümmert sich nicht um die Gewinner von gestern, sondern um die Sieger von morgen. Dazu prüft es Marktpositionierung und disruptive Kraft: Wer wird sich halten können, wer hat das Potenzial, etablierten Firmen den Rang abzulaufen, und wer kann mit völlig neuen Geschäftsmodellen punkten.

Schrieber (DJE Kapital): Das Unterscheiden von Positionierungen ist nur ein Teil des aktiven Managements. Aktiv bedeutet für uns als Haus DJE immer eine dynamische Cashquoten-Steuerung. Wir haben in der Covid-Krise anhand der monetären Situation eine schnelle Erholung erwartet. Daher haben wir über Futures für Liquidität gesorgt, die uns im Aufschwung geholfen hat. Unsere Fonds haben schon im Herbst die vorherigen Höchststände wieder erreicht. Kurzum, wir behielten den Kopf über Wasser, während andere gerade im ETF-Bereich in solchen Korrekturphasen komplett eintauchen …

Diehl (Eyb & Wallwitz): … wobei das Eintauchen nicht das Schlimmste wäre, wenn sie entsprechend wieder auftauchen würden. Das aber würde einen perfekten Markt voraussetzen, in dem jeder über die gleichen Informationen verfügt. Dass die Researchtiefe tatsächlich identisch ist, muss man aber sogar bei den Leitindizes bezweifeln. Zudem sind diese Indizes auch noch träge, auch wenn sich im Markt etwas mit rasender Geschwindigkeit ändert. Wenn die Marktkapitalisierung bestimmter Unternehmen steigt, sollte man auf die dadurch geänderte Attraktivität schnell reagieren. Im passiven Fonds dagegen tritt automatisch ein Verstärkungseffekt auf. Dass ein solcher Titel folglich mehr Gewicht bekommt, muss Anleger nicht unbedingt glücklich machen.

€uro: Das klingt, als könnte man mit passivem Management nur bedingt etwas anfangen?


Schrieber (DJE Kapital): Man darf das passive Investment nicht verteufeln. Man muss es aber richtig einschätzen. Oftmals ist eine Kombination aus beiden durchaus sinnvoll, etwa wenn ein aktiver Fondsmanager ETFs einsetzt, wenn seine Analysen nahelegen, schnell in einem vielversprechenden Markt investiert zu sein. Dann würde viel Zeit vergeudet, wenn man den Einzeltitel-Selektionsprozess minutiös abarbeitet. Folglich geht man solche Randthemen lieber mit einem ETF sehr schnell und sehr günstig an. Zumal auch die Liquidität gesichert ist. Genau das aber ist eine Stärke des aktiven Fondsmanagements, dass es nicht nur einzelne Tasten, sondern die ganze Klaviatur der Finanzinstrumente beherrscht.

Kruse (Amundi AM): Man muss das differenziert sehen. Unser Haus ist in beiden Produktkategorien stark. Gezielte ETF-Investments sind prinzipiell ebenfalls eine aktive Strategie, denn sie ermöglichen eine Sektorpositionierung. Wenn ein Privatanleger nicht einfach große Indizes wie den S & P 500 oder Euro Stoxx spielen, sondern beispielsweise die Chancen bei Öl, Basic Resources oder Automobil nutzen will, macht er nichts anderes als aktive Manager auch. Und wenn er der Sektorrotation der zurückliegenden 18 Monate folgte, musste er wiederholt umschichten und hatte durchaus Handelskosten, die man in einem aktiven Fonds auch hat.

€uro: Wie sieht ein Abriss der Sektorrotation in den zurückliegenden Monaten aus?


Kruse (Amundi AM): Frühjahr und Sommer 2020 brachten einen extremen Schub für die Technologiebranche, weil alles andere lahmgelegt war. Logischerweise wurden Tech-Titel damit auch als erste ziemlich teuer. Mit den ersten Impfstoffen kam im November eine Lockdown-Lockerung in Sicht, wovon frühzyklische Sektoren wie Öl oder Rohstoffe profitierten. Etwas zeitverzögert folgte im März der frühzyklische Konsum mit Automobiltiteln. Im Mai liefen dann Food and Beverages sowie Pharmazie besonders gut. So weit das grobe Bild, wobei ein klarer Trend fehlte: Es ging immer zwei Schritte vor und einen Schritt zurück, wobei immer wieder andere Sektoren nach vorn kamen.

Diehl (Eyb & Wallwitz): Die scharfe Sektorrotation seit November war teilweise sehr kurzlebig. Das machte es natürlich umso schwieriger, sich adäquat zu positionieren. Uns bereitet das weniger Sorgen, denn unser Haus beobachtet die Einflussfaktoren zwar sehr genau, sieht aber grundsätzlich von Timing ab. Es gibt direkte und mittelbare Corona-Auswirkungen. Wer diese kleinen Zeitfenster nutzen will, macht auch Performance kaputt, wenn er nicht rechtzeitig rein- und rausspringen kann.

Schrieber (DJE Kapital): Wer das Krisenszenario von Covid zu lesen verstand, konnte sich gut positionieren. Viele hatten nach der scharfen Korrektur gesagt: Eigentlich muss jetzt Pharma laufen. Wir haben gebremst, weil in den Krankenhäusern viele Operationen und Behandlungen nach hinten geschoben wurden - und Pharma eben nicht gelaufen ist. Ganz anders beim bargeldlosen Zahlen. Dieser Trend war stabil und versprach, sich zu verstetigen, weil die Umgewöhnung durch die Pandemie akzeleriert wurde. Zum richtigen Zeitpunkt das Richtige tun, setzt eine Menge Erfahrung voraus. Aktive Manager bekommen jetzt die Anerkennung, die lange Zeit ein wenig fehlte.

€uro: Was bestimmte zuletzt das Marktgeschehen am meisten?


Kruse (Amundi AM): Die große Diskussion im ersten Vierteljahr galt der Inflation. Man befürchtete, das enorme Konjunkturprogramm der USA könnte die Inflation anheizen und die Notenbank zwingen, früher auf die Bremse zu treten. Die Statements der amerikanischen Zentralbank Fed, sich nicht allein an der Kaufkraft, sondern auch an Vollbeschäftigung zu orientieren, entspannten die Situation, da der Arbeitsmarkt nicht anspringt. Die Partizipationsrate, also Teilnahme am Arbeitsmarkt, hinkt noch dem Vor-Corona-Status hinterher. Schrieber (DJE Kapital): Bis September könnte sich die Inflation schon abflachen. Das andere Vorgehen in den USA mit der Ausgabe von Schecks fegte dort alle Gebrauchtwagen vom Markt und ließ die Holzpreise durch die Decke gehen. Mittlerweile hat sich vieles wieder entspannt, auch wenn wie in Europa hohe Energiekosten zur Inflation beitragen. Aber das wird aus den Statistiken herauswachsen, sodass spätestens im zweiten Halbjahr 2022 wieder ein Niveau von zwei bis 2,2 Prozent erreicht werden dürfte, wie auch von der EZB gewünscht. Aufgrund der globalen Verschuldung der Staaten wird man den Ball flach halten und wenig an der Zinsschraube drehen.

Kruse (Amundi AM): Die temporäre Inflation setzt sich aus mehreren Komponenten zusammen, dem Nachholeffekt, einem Basiseffekt infolge der Rohstoffpreise, die im Vorjahr sehr niedrig waren, bei Öl sogar negativ. Dazu kommt die Knappheit oder Lieferengpässe bei Vorprodukten. Am prominentesten ist hier sicherlich der Halbleiterbereich. Das kann unter Umständen die Konjunktur bremsen, weil sich die vollen Orderbücher, die wir zurzeit haben, nicht friktionslos abarbeiten lassen.

Diehl (Eyb & Wallwitz): Trotzdem dürfte sich das alles zum Jahresende wieder normalisieren, solange es kein Spill-over in die Lohn-Preis-Spirale gibt. Die Märkte hatten ja früher Angst, ob die Fed mitzieht oder blockt. Mittlerweile gehen alle Marktteilnehmer davon aus, dass die Maßnahmen gut sind und rechtzeitig erfolgen, auch wenn die EZB etwas versetzt reagiert. Covid bleibt ein Thema mit den typischen Aufs und Abs. Die Märkte prüfen genau die Auswirkung, die Krankheitsverläufe, die Bettenbelegung, die Todesraten. Und natürlich Lockdowns und deren Einfluss auf die Lieferketten. Es wird kurzfristige Turbulenzen geben, aber keine langfristigen Verwerfungen.

Schrieber (DJE Kapital): Die Covid-Krise und das Ansteckungsszenario in Ländern wie Israel oder UK bleiben spannend. Trotz reduzierter Krankenhaus-Belegung kann das temporär immer wieder zu Tagen mit entsprechenden Rückschlägen führen.

Kruse (Amundi AM): Sicher, eine Ungewissheit über eine eventuelle vierte Covid-Welle bleibt. Noch sieht man sie zwar als Tailrisk-Event, sollten wir aber massive Covid- Ausbrüche haben, muss man sie einpreisen. Dann sind die aktuellen Bewertungen an den Aktienmärkten zu hoch. Aktuell sind aber die aus verschiedenen Gründen nicht mehr reibungslos funktionierenden Lieferketten wohl das drängendere Thema.

€uro: Warum spielen aus dem Takt gekommene Zulieferer eine so wichtige Rolle?


Schrieber (DJE Kapital): Weil sie erkennen lassen, wie spitz auf Knopf just in time definiert ist. Man dürfte daher die Themen Lieferketten, Lagerhaltung und Kapazität überdenken. Speziell die Abhängigkeit bei der Chipproduktion wird kritisch gesehen, was bei der Batteriefertigung bereits zu inländischen oder innereuropäischen Lösungen geführt hat. Wenn wir unsere Autos nicht mehr mit Chips bestücken können und zig Steuergeräte im Auto stecken, hat unsere Schlüsselindustrie ein Problem.

Kruse (Amundi AM): Halbleiter sind wegen der Endfertigung in Malaysia auch ein Corona- Thema, da dort die Zahlen nach oben schießen. Wie die unlängst veröffentlichten Daimler-Zahlen zeigen, werden Halbleiter vor allem bei hochpreisigen Autos verbaut, das erhöht die Profitabilität. Der Gesamtabsatz an Autos für 2021 musste aber nach unten korrigiert werden, denn der Lieferengpass wird sich wohl bis 2022 hinziehen.

Diehl (Eyb & Wallwitz): Die Lieferketten- und Zuliefererproblematik wird ja schon länger diskutiert. Die Märkte konnten sich mit dem entsprechenden Vorlauf darauf einstellen. Man will vielleicht nicht mehr so abhängig sein und wird Teile der Lieferkette zurückholen. Das bietet der heimischen Industrie Chancen. Man wird auch die Frage diskutieren, ob man Waren im Cent-Bereich über 10 000 Kilometer transportieren will. Auch der Konflikt mit China ist alles andere als erledigt, zumal China die Transportwege kontrollieren will.

Schrieber (DJE Kapital): Heute sind die Frachtraten fünfmal so hoch wie vor der Krise. Dafür sorgen unter anderem die Staus in den Häfen und die Beschränkungen beim Rücktransport von Leercontainern. Folglich gibt es nicht genügend Schiffe. Es dauert aber mindestens zwei Jahre, bis neue Kapazitäten aus den Werften ausgerollt werden. Ein Fanal war die temporäre Schließung des Suezkanals durch die Havarie des riesigen Containerschiffs "Ever Given". Dass irgendwo Prozesse unterbrochen werden, kostet Milliarden und Abermilliarden. Darunter leiden dann alle Autohersteller von Audi und BMW bis zu Volkswagen und Volvo.

€uro: Man muss also in näherer Reichweite entsprechende Kapazitäten aufbauen?


Schrieber (DJE Kapital): In der Batterieproduktion gibt es Allianzen zwischen Skandinavien und Deutschland mit entsprechenden Standorten. Das ist ein wichtiger Faktor für die Zukunft, wenn man wettbewerbsfähig sein will: Natürlich finden Batterien, die in Asien produziert werden, immer schneller den Weg nach China als zu uns. Es ist also in vitalem Interesse, selbst entsprechenden Zugriff zu haben. Sonst wird Europa in zehn Jahren keine Autos mehr nach China exportieren.

Kruse (Amundi AM): Um etwas Ähnliches im Halbleiterbereich zu realisieren, müsste man ein langfristiges Programm anstoßen. Es ist aber zweifelhaft, ob man die Vormachtstellung der Asiaten brechen kann und zumindest einen größeren Marktanteil für die Eigenfertigung auch für die Automobilbranche in Europa zu generieren. Dazu braucht es viel Fantasie …

Schrieber (DJE Kapital): … damit die Subventionsströme in Europa umgeleitet werden, um auch wirklich die Halbleiterproduktion zu forcieren, sonst wird das nicht funktionieren.

Diehl (Eyb & Wallwitz): Im Pluralismus lassen sich politische Ziele deutlich schwieriger definieren als etwa in den USA. Amerika ist mit seinen 50 Staaten ein Land. Was der politische Wille vorgibt, wird durchgezogen. Egal ob es um Halbleiter oder die Abhängigkeit von China geht: Man muss mit einer Stimme sprechen, statt sich zu verzetteln und mit Egoismen zu lavieren …

Kruse (Amundi AM): … wobei in Europa nur wenige Länder von den Steuereinnahmen dieser Industrie profitieren können. Bei der Mikroelektronik fallen mir nur Deutschland und Frankreich ein, Infineon und STMicroelectronics und vielleicht noch ASML in Holland. Derartige Investitionen könnten dann zulasten der Landwirtschaftssubventionen beispielsweise in Polen gehen.

€uro: Haben Sie einen speziellen Ansatz zum Umgang mit den Trends von morgen?


Diehl (Eyb & Wallwitz): Uns beschäftigt vornehmlich das Wechselspiel von Kontinuität und Disruption. Nicht umsonst trägt unser Aktienfonds Phaidros Funds Schumpeter Aktien (WKN: A2N 5FW), der die bewährte Strategie aus dem Phaidros Funds Balanced (WKN: A1W 82T) konzentriert fortführt, Schumpeter im Namen. Dieser Nationalökonom hat maßgeblich den Begriff der kreativen Zerstörung geprägt. Dass kreative Unternehmen alles daransetzen, etablierten Geschäftsmodellen den Rang abzulaufen, passiert völlig unabhängig von Marktzyklen. Unser aktives Management sucht unter den kreativen Zerstörern in allen Segmenten die Trendsetter. Diese werden eines Tages die Monopolisten ablösen. Mit neuen Geschäftsmodellen haben sie die Chance, Marktführer von morgen zu werden. Sie rechtzeitig zu finden und konsequent in sie zu investieren, zeichnet uns als aktiven Asset Manager aus.

Kruse (Amundi AM): Amundi ist breit aufgestellt und hat eine lange Historie von erfolgreichem aktivem Management. So bieten wir mit dem Amundi Global Ecology einen nachhaltigen Fonds, den es seit 30 Jahren gibt. Er suchte also in einer Zeit, in der man ESG noch nicht einmal buchstabieren konnte, aktiv nach attraktiven und zukunftsträchtigen Themen. Er identifiziert ESG-Trends von nachhaltiger Mobilität über Verschmutzungsprävention bis hin zur Energieeffizienz. Dabei orientiert sich das Management an Themen, nicht an Sektoren. Weil es diese konsequent analysiert, verfolgt und begleitet, wird dieser Nachhaltigkeits- Klassiker auch weiterhin seine Stärken ausspielen.

Schrieber (DJE Kapital): ESG und Themen sind auch für uns wichtige Ansätze. Wir halten die Diskussion über das Potenzial von einzelnen Aktien selten für zielführend und haben mit dem DJE Alpha global einen Fonds geschaffen, der sich an der Themen- Rotation orientiert. Keines davon ist festgeschrieben, aber alle sind aktuell: Demografie und Gesundheit, digitales Leben, E-Commerce, Infrastruktur, grüne Technologien, Marken und Luxus, um nur einige zu nennen. Zumal dahinter viel subsumiert ist. Beim digitalen Leben unter anderem Arbeiten in der Cloud, künstliche Intelligenz (KI) und Digitalisierung. Dadurch können wir das zunehmende Interesse der Kundschaft an Aktien themenorientiert begleiten und sie für einen aktiven Ansatz begeistern. Kruse (Amundi AM): Themeninvestments drehen die disruptiven Kräfte ins Positive. Betrachtet man nur das mobile Arbeiten, erkennt man nur die Richtung, nicht, wo dieser Trend enden wird. Wie stark werden Unternehmen ihre Office-Kapazitäten reduzieren? Wie viel bleibt vom Homeoffice? Und wenn weiterhin viele von zu Hause arbeiten können, endet dann die Landflucht? Wenn der Weg zur Arbeit keine Rolle mehr spielt, beflügelt Stadtferne dann den Onlinehandel? Solche Themenbündel zeigen, wie wichtig es ist, mit aktivem Management jetzt Trends zu erkennen und sich entsprechend zu positionieren. Das ist viel entscheidender, als ein paar Aktien gegenüber einem Index herauszuheben und die Benchmark zu schlagen …

Diehl (Eyb & Wallwitz): … was zu einem Zerrbild des aktuellen Managements führt. Immer wieder wird kolportiert, nur zehn oder 20 Prozent der aktiven Manager würden besser abzuschneiden als die jeweiligen Indizes. Abgesehen davon, dass es diese Zahlen nur gibt, weil Morningstar die kritischen Anleger außen vor lässt - bei den volumenstarken Fonds sieht es komplett anders aus -, antworte ich auf diesen Einwand selbstbewusst: "Stellen Sie sich vor, jedes Mal bei den zehn oder 20 Prozent dabei zu sein. Und dann überlegen Sie sich, was das summiert im Vergleich zum Marktdurchschnitt ausmacht." Wir stehen als aktives Haus ohne Wenn und Aber für ein aktives Management.

€uro: Spielen dabei eigenes Research und klare Methodik eine wichtige Rolle?


Schrieber (DJE Kapital): In jedem Fall, unsere FMM-Methodik hat sich bald über fünf Jahrzehnte bewährt. Fundamentale Daten muss man interpretieren können. Das erste M, monetär, hat lange Zeit außer uns fast keinen interessiert. Im Covid-Szenario erlaubte uns diese Analyse, nicht lange analysierte gute Aktien auf den Markt zu werfen, sondern mit Futures zu arbeiten, da der monetäre Impuls klar zu erkennen war. Das zweite M ist die Markttechnik. Das darin enthaltene Sentiment legt es nahe, sich auch mal auf die andere Seite zu stellen, wenn alles überkauft ist.

Kruse (Amundi AM): Die fundamentale Meinung ist wichtig: Die Inflation steigt, und trotzdem gehen die Zinsen auf zehnjährige US-Treasuries von 160 auf 120 Basispunkte zurück. Das zeigt, dass die Short-Durations- Wette im Markt überzogen war und jetzt bei den Kurzläufern die Liquidität knapp wurde. Der Rückgang war zu scharf - und bringt eine Gelegenheit, die Laufzeiten kostensparend zu verkürzen.

Diehl (Eyb & Wallwitz): Wir fragen uns, was die Welt in den nächsten Jahren bewegen wird. Und hat das Auswirkungen auf das Kursszenario? Seit einigen Jahren haben wir niedriges Wachstum bei niedrigen Zinsen. Und weil sich daran so schnell nichts ändern dürfte, kann die grundsätzliche Positionierung unserer Fonds so bleiben. Aktien, die Wachstum bieten, werden mit einer Prämie gehandelt. Sie werden eher noch teurer werden, aber der Markt wird die Aufschläge bereitwillig zahlen. Mit diesem Wissen und Weltbild eines Kernszenarios kann man entspannt kurzfristige Turbulenzen durchstehen.

€uro: Werden sich gewisse Investmentstile Performance-Vorteile zurückerobern?


Kruse (Amundi AM): Die zehnjährige Underperformance der Value-Titel zumindest wird nicht plötzlich aufhören. Denn die Thematik hat sich komplett verschoben. Der wachstumsorientierte Technologiebereich ist sehr stark und hat mittelfristig gute Ergebnisse erwirtschaftet. Auf der anderen Seite gehören frühere Value-Bereiche mittlerweile eher zu Growth. Nehmen wir den Automobilbereich: Die Gewinner von morgen werden über ihren Beitrag zum autonomen Fahren entschieden. Es geht mehr um Technologie und Chipsätze im Auto als um das Blech, das drumrum gebaut worden ist. Es geht darum, solche Trends zu erkennen, und nicht, sie in Value oder Growth zu klassifizieren. Folglich wird man nicht einfach in Value-Fonds investieren, sondern in einen aktiven Fondsmanager, der entscheidet, welche Trends sich in den Sektoren behaupten werden.

Diehl (Eyb & Wallwitz): Value ins Deutsche übersetzt heißt Wert. Und was ist heute der Wert eines Unternehmens, für den ein Anleger bezahlt? Das sind Wachstumschancen, also Growth. Man kommt also automatisch in die Bredouille, dass man Value mit Wachstum erklären muss. Wie schaffen Unternehmen wirklich Mehrwert für ihre Kunden? Nehmen wir Amazon mit jährlich rund 40 Prozent Wachstum. Man kann es als Value-Wert mit Cashflow, genauso gut aber als Wachstumswert betrachten. Oder man dürfte erst nach einer Hürde von 100 Prozent Plus von Growth-Titeln sprechen.

Schrieber (DJE Kapital): Seit zehn Jahren kann man nicht mehr klassisch zwischen Value und Growth differenzieren. Es mischt sich: Wer heute Logistikdienstleister ist, muss auch Technologieunternehmen sein, sonst wird er vom Markt verschwinden.

Diehl (Eyb & Wallwitz): Es ist spannend, dass man Wachstum nicht mehr mit Technologie gleichsetzen muss. Heute lässt sich Growth in vielen Branchen identifizieren. Wir finden in allen Sektoren für uns passende Titel. Das sind Aktien, die Qualität haben und die momentan das Wachstum produzieren, das am Markt wertgeschätzt wird. Das alte Schubladendenken funktioniert nicht mehr - und das führt zu einigen Kapriolen. Fondsmanager versuchen in Interviews darzulegen, dass sie zwar für Value stehen, aber trotzdem auf Growth setzen. Solch amüsante Eiertänze gibt es übrigens auch umgekehrt.

€uro: Wie weit ist die Orientierungssuche bei den nachhaltigen Anlagen gediehen?


Kruse (Amundi AM): ESG ist ein Themenbereich, der sich in den nächsten Jahren deutlich weiterentwickeln wird. Es wird weit mehr Wissen geben, und die Einstufungen werden deutlich präziser werden und weit darüber hinausgehen, sich auf eine ganz kleine Schnittmenge zu verständigen, die künftig noch ESG-konform ist. Momentan ist das eher nationale Politik. Uns fehlt eine ganze Hälfte: Wie sich Amerika ESG-bezogen positioniert.

Diehl (Eyb & Wallwitz): Zumal heute eine eindeutige ESG-Klassifizierung selbst für Experten schwer ist, nachdem es noch keine durchgängige Datenlage gibt. Man darf dieses Thema keinesfalls überziehen, weil ein Fonds trotz aller Quoten und Normen noch etwas erreichen will. Da sind diejenigen Datenanbieter kontraproduktiv, die normativ vorschreiben, was geht und was nicht geht.

Schrieber (DJE Kapital): Es ist ein legitimer Ansatz, die Finanzindustrie als Hebel für mehr Klimaschutz und für das Pariser CO2-Abkommen einzusetzen, weil die Politik so die größte Dynamik erzielen kann. Es darf aber nicht so weit kommen, dass wir morgen alle nur noch die gleichen Windmühlen- Hersteller kaufen können. Man kann die Leitplanken links und rechts setzen, aber die dürfen das Management nicht dermaßen einschränken, dass es seinen eigenen Anlagestil nicht mehr umsetzen kann, zumal jeder zum Glück das Thema Nachhaltigkeit etwas anders definiert. Vor allem muss man sich aufgrund von Wissen beispielsweise aus Einzelgesprächen auch einmal über Red Flags von MSCI ESG hinwegsetzen dürfen. Beispielsweise wollen wir möglicherweise einen Titel kaufen, weil wir ihm seinen stark transitorischen Ansatz zugute schreiben.

Kruse (Amundi AM): Wir haben ein eigenes Team, das sich mit ESG-Ratings auseinandersetzt. Die engagierten Kollegen dort führen Unternehmensgespräche, um Diskrepanzen zwischen den Ratingagenturen aufzuklären. Damit verbunden ist aktive Einwirkung, um das Thema im Unternehmen voranzubringen oder das Reporting zu verbessern. Uns als langfristige Investoren interessieren auch die Entwicklungsschritte der nächsten Jahre.

Diehl (Eyb & Wallwitz): Das entscheidende Argument ist aber, worauf ein Fondsanleger und ein Fondsmanager hinauswollen:Performance. Und das ist nicht trivial. Wir haben intern simuliert, ein komplett sauberes ESG-Portfolio aufzugleisen, und standen dabei schnell vor einem neuen grundsätzlichen Problem: Man kann momentan noch nicht reine ESG-Titel mit sehr guter Performance kaufen. Bei Amazon gibt es Konflikte mit den Gewerkschaften, Alphabet darf man nicht kaufen, weil dort die Steuerthematik eine Rolle spielt. VW scheitert daran, dass es noch Kohlepartikel- Filter einbaut, und SAP aufgrund des Fehlverhaltens eines der Vorstände. Unterm Strich kommen Sie zu einem Portfolio aus der zweiten Reihe, das niemandem etwas nützt.

€uro: Wie hat sich generell das Interesse an aktivem Fondsmanagement entwickelt?


Kruse (Amundi AM): Erfreulich gut. Selbst in Deutschland sind die Sparquoten noch einmal deutlich gestiegen. Wir rechnen damit, dass 30 Prozent der zusätzlichen Ersparnisse an die Kapitalmärkte gehen. Im deutschen Markt verzeichnet die gesamte Anlage-Industrie relativ hohe Zuflüsse. Und dieser Trend dürfte sich in den nächsten Monaten noch weiter fortsetzen.

Diehl (Eyb & Wallwitz): Es hat der Investitionsquote gutgetan, dass das Geld nicht konsumiert wurde. Solange Covid nicht endgültig ausgeräumt ist, solange es um die Arbeitsplätze geht, steht Konsum hinten an.

Schrieber (DJE Kapital): Die Menschen fragen sich, was noch etwas einbringt. In Deutschland führte die aufkommende Inflation zusammen mit zunehmenden Verwahrentgelten dazu, über nicht verzinste Sparoder Termineinlagen ins Grübeln zu kommen. Aktien und Aktienfonds profitieren vom sonstigen Anlagenotstand. Das Positive ist, dass Aktien eine Belebung erfahren haben. Für den deutschen Sparer und Privatanleger geht es endlich einmal in die richtige Richtung.

Diehl (Eyb & Wallwitz): Die Menschen spüren die Veränderung und fragen sich: Wer treibt die Disruption, setzt neue Trends und gibt vielleicht neue Zyklen vor? Aktives Fondsmanagement kann sich dort rechtzeitig positionieren, um diese Unternehmen zu finden und ganz selektiv dort zu investieren und so den Kunden neuen Mehrwert bieten zu können.

Schrieber (DJE Kapital): Es gab plötzlich einen Ruck in Richtung Aktie und Aktienfonds. Dass sich immer mehr für sie interessieren, zeigen einzelne Webinare mit 4000 angemeldeten Teilnehmern oder Gesprächskreise. Die Menschen haben nach Korrekturen gesehen, was aktives Management wert ist: Man reitet keinen toten Gaul, sondern hilft Investoren, Verluste zu vermeiden. Mit entsprechender Erfahrung und erprobten Methoden kann man rechtzeitig auf Verwerfungen am Kapitalmarkt reagieren und selbst in schwierigen Zeiten eine vernünftige Rendite für den Kunden erzielen.

Das Interview führte Ludwig Riepl


Bildquelle: Bigstock, BörseOnline, BörseOnline, BörseOnline, BörseOnline

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