Japans Aktienmärkte feiern neue Rekorde, die Anleiherenditen steigen kräftig – und der Yen schwächelt: Die Aussicht auf Neuwahlen stärkt Premierministerin Sanae Takaichi – und belebt einen Trade, den Investoren bereits aus dem Vorjahr kennen.

Der sogenannte „Takaichi-Trade“ ist zurück an den Finanzmärkten. Nachdem Japans Premierministerin Sanae Takaichi ihre Machtbasis innerhalb der regierenden Liberaldemokratischen Partei (LDP) gestärkt hat und Neuwahlen in Aussicht stellt, reagierten Investoren mit einer klaren Positionierung: Aktien rauf, Yen runter, Staatsanleihen unter Druck.

Laut japanischen Medien hat Takaichi führende Parteivertreter über ihre Absicht informiert, das Unterhaus des Parlaments zu Beginn der nächsten Sitzungsperiode am 23. Januar aufzulösen. Eine Neuwahl könnte bereits am 8. oder 15. Februar stattfinden. Ziel ist es, die aktuell hauchdünne Mehrheit des Regierungslagers von 233 von 465 Sitzen abzusichern und ihre wirtschaftspolitische Agenda zu festigen.

Börsen reagieren mit Rekorden

Die Finanzmärkte reagierten prompt. Der Nikkei 225 und der breiter gefasste Topix stiegen jeweils um mehr als zwei Prozent und markierten neue Allzeithochs. Anleger setzen darauf, dass Takaichis fiskalpolitisch expansive und wachstumsorientierte Linie fortgesetzt wird – ein Umfeld, das japanischen Unternehmen in den vergangenen Monaten bereits Rückenwind verschafft hatte.

Gleichzeitig geriet die Währung unter Druck: Der Yen fiel um bis zu 0,5 Prozent auf den schwächsten Stand gegenüber dem US-Dollar seit Juli 2024. Auch der Anleihemarkt spiegelte die veränderten Erwartungen wider. Die Rendite 30-jähriger japanischer Staatsanleihen sprang zeitweise um 12 Basispunkte auf 3,52 Prozent nach oben – ein klares Signal für steigende Inflations- und Schuldenrisiken.


Infront Nikkei 225 (WKN: A1RRF6)

Bekanntes Muster – aber nicht ohne Risiko

Das Marktverhalten erinnert stark an die Zeit nach Takaichis Amtsantritt im vergangenen Jahr. Damals sorgten ihre aggressiven Ausgabenprogramme für eine Rally an den Aktienmärkten, während Yen und Staatsanleihen unter Druck blieben. Viele Investoren sehen in ihr eine politische Garantin für Konjunkturimpulse – selbst um den Preis höherer Defizite.

Doch der Schachzug ist nicht ohne Risiko. Zwar gehören vorgezogene Neuwahlen zum klassischen Instrumentarium der LDP, um einen Popularitätsschub zu nutzen. Allerdings scheiterte dieses Kalkül erst 2024 spektakulär bei Takaichis Vorgänger Shigeru Ishiba, der nach einer vorgezogenen Wahl die Parlamentsmehrheit verlor.


Japan aus Anlegersicht

Kurzfristig setzen die Märkte klar auf Wachstum und weitere Konjunkturimpulse unter Takaichi. Japanische Aktien sind gefragt, während Yen und Staatsanleihen verlieren. Ob sich der Trade - auch aufgrund des Wechselkurseffekts - langfristig für deutsche Anleger auszahlt, hängt zum einen vom Wahlausgang und der Frage ab, ob die Premierministerin ihr politisches Momentum tatsächlich in eine stabile Mehrheit ummünzen kann.

Zum Zweiten muss die Wirtschaft die aufkeimenden Hoffnungen noch mit realen Zahlen untermauern.

 

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