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Fonds, die nachhaltig punkten - Mit bestem Gewissen Gewinne erzielen

Fonds, die nachhaltig punkten - Mit bestem Gewissen Gewinne erzielen
07.04.2021 06:35:00

Egal ob globale Aktien, deutsche Aktien, US-Aktien oder Mischfonds: In allen beliebten Fondskategorien gibt es saubere und starke Produkte für Privatanleger. Von Matthias Fischer, Andreas Höß, Julia Pfanner, Oliver Ristau und Klaus Schachinger

Nachhaltige Fonds sind voll in Mode: Noch nie zuvor gab es bei deutschen Anlegern eine so hohe Nachfrage nach grünen Finanzprodukten wie im vergangenen Jahr, meldete der Fondsverband BVI Ende Februar. Wer verantwortungsbewusst anlegen will, sollte sich aber nicht von Worthülsen wie "ESG", "Umwelt" oder "Sustainable" in den Fondsnamen blenden lassen: Nicht alle ESG-Fonds haben wirklich saubere Portfolios - und nicht jeder, der ein überzeugendes Portfolio hat, bietet gleichzeitig gute Renditen. Das heißt aber nicht, dass sich Anleger zwischen sauberem Portfolio und hohem Gewinn entscheiden müssen. Es gibt diverse Fonds, die beides vorweisen. Und diese müssen nicht zwingend spezielle ESG-Fonds sein, auch in manch konventionelles Produkt können Anleger ohne Reue investieren. €uro stellt auf Basis des €uro-Eco-Ratings für beliebte Anlagekategorien je fünf Fonds oder ETFs vor, die gute Gewinne und gutes Gewissen vereinen.


 Aktien Deutschland 

Deutsche Anleger lieben deutsche Aktien. Doch während ETFs auf den DAX schon wegen des Kohlestromproduzenten RWE das niedrigste €uro-Eco-Rating "E" erhalten, sind kleinere deutsche Aktien oft unproblematisch. Bereits die ETFs auf den SDAX haben das beste Eco-Rating "A". Hier fehlen neben RWE auch die Autohersteller VW, BMW und Daimler, sie verpesten nur die erste Börsenetage. Dafür verkleinern etwa der Windradbauer Nordex, die Recyclingfirma Befesa oder die Solar- und Windkraftfirma Encavis den CO2-Fußabdruck im SDAX kräftig. Auch die beliebten Nebenwertefonds DWS Concept Platow und Lupus Alpha Smaller German Champions, die seit Jahren hohe Gewinne liefern und deren Portfolios solche Werte enthalten, haben "A"-Ratings. Nur Konzerne, die wie Hensoldt oder Airbus auch Geld mit Rüstung verdienen, sorgen bei den Nebenwerten oft für kleine Flecken auf der weißen Weste. Kann man damit leben, kann man diese Nebenwertefonds und -ETFs mit gutem Gewissen kaufen.

Wer es strenger will, greift zum Murphy & Spitz Umweltfonds Deutschland, der unter anderem Rüstungsfirmen ausklammert und gezielt in "ökonomische und ökologische Vorreiter" unter den deutschen Nebenwerten investiert. Einige Aktien im Fonds stammen wie ABO Wind oder Energiekontor aus dem Bereich erneuerbare Energien. Andere wie der Baustoffhersteller Steico produzieren besonders umweltschonend mit nachwachsenden Rohstoffen. Ebenfalls spannend: der kleine, aber starke Velten Strategie Deutschland, der Aktien systematisch auf Basis von Faktoren wie Rentabilität, Bewertung oder Momentum aussucht. Dass dabei auch Nachhaltigkeits- und Umweltaspekte nicht zu kurz kommen, zeigt das Portfolio, in dem häufig Werte wie etwa Encavis, Nordex oder Verbio Bioenergie zu finden sind.

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€uro-Favorit: Der Murphy & Spitz Umweltfonds kommt nicht ganz an die Gewinne der Nebenwerte-Fonds ran, hat aber das überzeugendere Portfolio.


 Aktien USA 

Wer mit gutem Gewissen in Fonds und ETFs für US-Aktien investieren will, hat es schwerer als bei deutschen Aktien: Nur sehr wenige US-Fonds dürfen sich mit dem besten Eco-Rating "A" schmücken. Zu diesen besonders grünen Produkten gehört der MSCI USA SRI-ETF. SRI steht für verantwortungsbewusstes Investieren. Bei dieser saubereren Variante des Aktienindex MSCI USA werden beispielsweise Waffen, Tabak- sowie Alkoholhersteller ausgesiebt und es gibt strenge Filter für Kohle-, Öl- und Gasproduzenten. Die Folge: Öl- und Kohlesünder wie Exxon, Chevron, Peabody oder First Energy sind nicht im ETF, auch Waffenhersteller wie Boeing oder General Dynamics fehlen. Dafür gehören relativ grüne Firmen wie der E-Autobauer Tesla und der Grafikkartenhersteller Nvidia (siehe nächster Artikel"Zehn gute Gewinner") zu den größten Positionen. In den letzten drei Jahren lieferte der SRI-ETF sogar deutlich mehr Gewinn als die beiden klassischen US-Aktienindizes MSCI USA und S & P 500, die all diese umstrittenen Konzerne enthalten.

Sogar noch etwas höher war die Rendite bei vielen sogenannten Growth-Fonds. Sie investieren in Firmen, deren Geschäft besonders schnell wächst. Schon deshalb tauchen kaum Dreckschleudern wie Öl- und Kohlekonzerne in den Fonds auf, da deren Geschäft wegen immer strengerer Umweltauflagen eher stagniert, anstatt schnell zu wachsen. Im Moment stammen viele Positionen in den Fonds aus den Bereichen Technologie und Gesundheit, da in diesen Branchen viel Wachstum generiert wird. Aber auch klassische Ökoaktien wie Tesla sind oft in den Fonds. Besonders nachhaltig: der JP Morgan US Growth mit der Bestnote "A". Neben Aktien wie Apple, Paypal oder Microsoft sind auch Anteile von Firmen wie Tesla, der Bahnlinie Norfolk Southern oder dem Umwelttechnik- und Messgeräte-Hersteller Thermo Fisher im Fonds. Ebenfalls gut ist das Nebenwerte-Pendant JP Morgan US Small Cap Growth. JP Morgan achtet bei allen Fonds auf ESG-Kriterien. Immerhin akzeptable "C"-Bewertung weisen die Wachstumsfonds von UBS und Wells Fargo auf.

€uro-Favorit: Der JPM US Growth, der ähnlich sauber ist wie ein Ökofonds und seit Langem hohe Gewinne bringt.


 Aktien Europa 

Strenge Umweltauflagen, arbeitnehmerfreundliche Gesetze, harte Antikorruptionsregeln und eine breite gesellschaftliche Debatte über Nachhaltigkeit: Europa gilt als Vorreiter in Sachen verantwortungsbewusstes Unternehmertum. Entsprechend hoch ist der Anteil an Fonds für Europa-Aktien mit sehr gutem Eco-Rating. Vor allem ESG-Produkte punkten hier mit sauberen Portfolios und hohen Renditen. Der Candriam Sustainable Europe filtert zum Beispiel Firmen mit gröberen Verstößen gegen Umwelt-, Sozial- und Governance-Auflagen aus dem Anlageuniversum und schließt Tabak-, Öl-, Waffen- und Kohleproduzenten aus. Im Fonds befinden sich neben dem Windkraftkonzern Vestas (siehe nächster Artikel"Zehn gute Gewinner") dennoch viele Weltkonzerne wie Nestlé oder Unilever. Der DWS ESG European Equity setzt stärker auf Firmen, die Umweltprobleme lösen. Hier sind neben Vestas und ASML beispielsweise der portugiesische Windenergieproduzent EDP Renovávei, der Entsorger Veolia Environnement, die Recylingfirma Umicore und der französische Zughersteller Alstom im Portfolio. Im MSCI Europe SRI-ETF, der genauso konzipiert ist wie das oben vorgestellte US-Pendant, zählen ASML (siehe nächster Artikel"Zehn gute Gewinner"), Schneider Electric (siehe "Zehn gute Gewinner") und die Allianz zu den größten Werten.

Neben diesen ESG-Produkten kombinieren zwei konventionelle Fonds eine starke Wertentwicklung mit dem bestem Öko-Rating "A". Der Nebenwertefonds Oddo BHF Active Small Cap poliert seine Ökobilanz etwa mit Aktien des Biokraftstoffherstellers Verbio Bioenergie, des Biomasse- und Photovoltaikunternehmens Albioma oder des Autozulieferers Plastic Omnium auf, der zum Beispiel Abgasreinigungssysteme herstellt. Und der Carmignac Grande Europe behält ESG-Risiken zwar fest im Blick, bleibt bei der Titelauswahl aber pragmatisch. Obwohl er viel auf Industriekonzerne setzt, hat er den CO2-Fußabdruck des Portfolios um fast 80 Prozent gegenüber dem vergleichbaren europäischen Aktienindex Stoxx 600 reduziert. Zu den größten Werten im Fonds gehören neben ASML und Schneider Electric der auf die Behandlung von Diabetes spezialisierte Pharmakonzern Novo Nordisk.

€uro-Favorit: Der pragmatische und saubere Carmignac Grande Europe. Gutes Portfolio, top Gewinn.


 Aktien Schwellenländer 

Im Vergleich zu den Industriestaaten sind in den Schwellenländern die Umweltstandards meist geringer, und weniger Konzerne halten sich an den UN Global Compact, der Prinzipien für gute Unternehmensführung festlegt. Außerdem gibt es dort mehr CO2-intensive Industriekonzerne. Die Folge: Schwellenländer-Fonds erhalten tendenziell schlechtere €uro-Eco-Ratings. Unter den wenigen Schwellenländer-Fonds, die Bestnote "A" erreichen, ist der Ökoworld Growing Markets 2.0. Er legt den Fokus auf nachhaltige Themen wie Bildung, regenerative Energien, Wasser oder neue Mobilität. Im Portfolio sind zum Beispiel der Batterie- und E-Autobauer BYD, der Solaranlagenhersteller Xinyi und der chinesische Medizinkonzern Pharmaron Bejing. Der Swisscanto Sustainable Emerging Markets beschränkt sich mehr auf Ausschlusskriterien und setzt auf asiatische Technologiekonzerne wie Tencent, Samsung und Alibaba. Weil er sich keine Ausrutscher leistet und die CO2-Bilanz des Portfolios passt, hat er wie der ähnlich agierende konventionelle Dividendenfonds Magna EM Dividend trotzdem Bestnote "A".

Stark und nachhaltig - Die besten Fonds

Die beiden anderen ESG-Fonds - der BMO Responsible Emerging Markets Equity und der iShares MSCI Emerging Markets Equity SRI ETF - haben ein schlechteres Eco-Rating und obendrein keine bessere Rendite.

€uro-Favorit: Den besten Mix aus Rendite und Nachhaltigkeit erhält man beim Growing Markets 2.0 von Ökoworld.


 Aktien global 

Auch unter den globalen Aktienfonds gibt es keinen besonders hohen Anteil an Fonds mit dem besten Eco-Rating "A". Haben sie aber die Bestnote, sind sie meist ausgewiesene ESG-Fonds. Beispiel: der Ökovision Classic von Ökoworld, ein Pionier der grünen Geldanlage. Der Fonds schließt nicht nur Waffenhersteller und Kohleproduzenten aus, sondern will zielgerichtet in Unternehmen investieren, die die Welt besser machen. Sie stammen aus Bereichen wie Energieeffizienz, erneuerbare Energien, Wasser, Recycling, Gesundheit oder nachhaltiger Transport. Im Fonds ist etwa die Deutsche Post, die im Branchenvergleich Pakete und Briefe relativ umweltfreundlich zustellt (siehe nächster Artikel "Zehn gute Gewinner"). Auch der Hörgerätehersteller Amplifon (siehe nächster Artikel "Zehn gute Gewinner"), die Solarfirma Enphase und Eurofins, ein Spezialist für Umwelttechnik, sind an Bord. Auf diese Kombination aus Ausschlussprinzip und Positivkriterien vertraut auch der DNB Global ESG. Im Fonds stecken viele kleine, spannende Aktien, zum Beispiel der Wasseraufbereiter Kurita Water Industries, der Biokraftstoffhersteller Neste (siehe nächster Artikel"Zehn gute Gewinner"), Energy Recovery, die Geräte zur Energierückgewinnung bauen, sowie die ökologischen Meeresfrüchtezüchter Aker Biomarine und Mowi. Eine spannende Nische, die mit dem Lachszüchter Bakkafrost auch im NN Global Sustainable Equity zu finden ist, der zudem viel Kapital in IT-Konzerne wie Microsoft oder Alphabet investiert.

Neben diesen ESG-Fonds haben auch zwei Themenfonds, die in Megatrends investieren, die Öko-Bestnote "A" erobert: der Raiffeisen-MegaTrends-Aktien und der Allianz Thematica. Hier hält die Nachhaltigkeit quasi durch die Hintertür Einzug. Schließlich gehören zu diesen Megatrend genannten gesellschaftlichen Veränderungsprozessen, von denen die Fonds profitieren wollen, neben der Digitalisierung auch der Kampf gegen den Klimawandel, die Elektromobilität, der Schutz des Wassers, der Ausbau der Gesundheitsindustrie und andere Bereiche, die auch in Ökofonds eine sehr große Rolle spielen. Im Raiffeisen-Fonds trifft man auf viele bekannte Aktien wie Apple, Vestas oder Nvidia, der Allianz-Fonds ist mit Teladoc und Biotelemetry stark auf Gesundheitswerte ausgerichtet, außerdem sind zum Beispiel die Wasserstoffkonzerne Nel Asa und Ballard Power im Portfolio.

€uro-Favorit: Der kleine, aber spannende DNB-Fonds, der zuletzt abseits ausgetretener Pfade hohe Renditen erntete.


 Mischfonds 

Manager von Mischfonds müssen einiges im Blick behalten, um gute Eco-Ratings zu bekommen. Da die Fonds in verschiedene Anlageklassen wie Aktien, Anleihen oder Rohstoffe investieren können, müssen sie zum Beispiel auch die Nachhaltigkeitswerte von Staaten prüfen, denen sie über Staatsanleihen Geld leihen. Punktabzüge gibt es etwa bei Staaten mit Todesstrafe, was zum Beispiel US-Staatsanleihen betrifft. Dennoch gibt es einige Mischfonds mit bestem Eco-Rating. Einer davon ist der Lloyd WHC Global Discovery, der vor allem in die Aktien europäischer Mittelständler investiert. Die müssen den UN Global Compact unterschrieben haben, was die größten Umweltsünder aussortiert. Top-Position ist derzeit die Aktie von Energiekontor. Weil kaum Anleihen im Portfolio sind, das momentan zu 90 Prozent aus Aktien besteht, macht der Fonds ähnlich hohe Gewinne wie ein Aktienfonds. Dafür fahren die Fondskurse manchmal Achterbahn, was Mischfondsanleger in der Regel gerade nicht wollen.

Etwas stabiler, dafür weniger rentabel, war in den vergangenen Jahren der Acatis Fair Value Modulor, der allerdings mit einem Aktienanteil von 80 Prozent immer noch sehr offensiv ist. Typisch Acatis geht es hier sehr medizin- und techniklastig zu. Im Portfolio sind zum Beispiel der Corona-Impfstoffhersteller Biontech, der E-Autobauer BYD oder Brookfield Renewable, ein Anbieter erneuerbarer Energien. Mit 55 Prozent Aktienanteil sehr ausgewogen aufgestellt ist der DUI Wertefinder von Universal Investment. Bei den Aktien gibt es viele deutsche Titel wie Allianz, Siemens und SAP, die Anleihen verteilen sich vor allem auf staatsnahe Institutionen wie die Europäische Bank für Wiederaufbau, die Weltbank oder die Asiatische Entwicklungsbank. Mit 65 Prozent Anleihen sehr defensiv ist der FOS Rendite und Nachhaltigkeit der DWS. Hier stammt der Großteil der Anleihen aus Europa. Ein spezielles Produkt trägt zudem noch ein "A"-Rating: der GS & P Deutsche Aktien Total Return, der sich allein auf Titel aus Deutschland konzentriert. Etwa zwei Drittel sind in Aktien investiert, zum Beispiel in Rocket Internet, die Deutsche Pfandbriefbank oder PNE Wind. Ein Drittel steckt in Unternehmens- und Wandelanleihen, etwa von der Aareal Bank. Auch fünf Prozent Gold sind im Fonds, die aber auf das Eco-Rating keine Auswirkung haben.

€uro-Favorit: Wer Risiko erträgt, greift zum Acatis-Fonds, ansonsten zum defensiveren und stabilen DUI Wertefinder.


 Themenfonds 

Neben regional anlegenden Fonds gibt es noch Produkte, die in spezielle Themen investieren. Gute Eco-Ratings erhalten vor allem nachhaltige Nischen wie Klimaschutz, sauberes Wasser oder erneuerbare Energien. Bei Letzteren ist der milliardenschwere iShares Clean Energy ETF sehr beliebt. Top-Werte: der Brennstoffzellenhersteller Plug Power und der österreichische Versorger Verbund, der viel Strom aus Wasserkraft gewinnt. Noch mehr Gewinn brachte langfristig der vergleichbare DNB Renewable Energy. Ebenfalls sauber und stark: der BNP Aqua Classic, der in Wasseraktien wie Pennon oder American Water Works investiert. Aktien aus beiden Bereichen kommen in Fonds mit Schwerpunkt Klimaschutz wie dem BNP Climate Impact oder dem DKB Nachhaltigkeitsfonds Klimaschutz vor.

€uro-Favorit: Anleger sollten hier prüfen, welcher Fonds das bestehende Portfolio am besten ergänzt. Ist bisher gar kein Ökofonds im Depot, bietet sich der breiter aufgestellte DKB-Fonds an.

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