Die DekaBank erhöht die Risiko-Einstufung für drei ihrer größten offenen Immobilienfonds. Der Schritt betrifft Milliardenvermögen deutscher Sparer und reagiert mit knapp eineinhalb Jahren Verspätung auf heftige Wertverlusten im Jahr 2024.
Die DekaBank, Fondstochter der deutschen Sparkassen, hat die Risikoeinstufung von drei großen offenen Immobilienfonds angehoben. Betroffen sind nach einer Meldung der Nachrichtenagentur Bloomberg die Fonds
- Deka-Immobilien Europa
- Deka-Immobilien Global sowie
- WestInvest Inter Select
Dies hat ein Sprecher des Instituts gegenüber Bloomberg bestätigt.
DekaBank passt Risiko-Einstufung von Immobilienfonds an
Konkret wurde die Risikoklasse bei allen drei Produkten von „1“ auf „2“ erhöht. Die Skala reicht von 1 (sehr geringes Risiko) bis 7 (sehr hohes Risiko). Damit liegen die Fonds nun auf derselben Stufe wie zwei weitere Publikumsfonds der Deka für Privatkunden. Ziel der Anpassung sei es, die Risikoklassifizierung innerhalb des Angebots zu vereinheitlichen.
„Auch wenn ein Erfordernis dazu nicht besteht, haben wir das vorab mit der Aufsicht besprochen“, erklärte der Sprecher. Zuvor hatte bereits die Immobilien-Zeitung über den Schritt berichtet.
Abwertungen im Jahr 2024 kosteten Vertrauen
Die Risikoeinstufung offener Immobilienfonds steht seit 2024 verstärkt unter Beobachtung. Damals sorgte eine 17-prozentige Abwertung des Fonds UniImmo Wohnen ZBI von Union Investment für erhebliche Unruhe unter Anlegern. Dennoch wurden die Fonds Privatanlegern weiterhin als relativ sicherer Baustein für ihre Altersvorsorge angeboten. In der Folge klagte die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg auf Unterlassung mit dem Ziel, offene Immobilienfonds grundsätzlich in höhere Risikoklassen einstufen zu lassen.
Union Investment begründete die massive Abwertung damals mit dem rasanten Zinsanstieg, der zu einem Einbruch der Nachfrage und sinkenden Immobilienbewertungen geführt habe. Der Fall gilt bis heute als Wendepunkt in der öffentlichen Wahrnehmung offener Immobilienfonds, die lange als besonders sichere Anlage galten.
Seitdem haben die Anleger Milliarden aus dieser Fondsklasse abgezogen. Da sie Verkäufe von Anteilen an offenen Immobilienfonds ein Jahr vorher anmelden müssen, hält der Abfluss zum Teil immer noch an.
Milliardenvermögen betroffen
Die nun höher eingestuften Deka-Fonds zählen zu den Schwergewichten im deutschen Fondsmarkt. Der Deka-Immobilien Europa verwaltet ein Vermögen von rund 18 Milliarden Euro, der WestInvest Inter Select kommt auf etwa elf Milliarden Euro, der Deka-Immobilien Global auf rund sieben Milliarden Euro. Insgesamt geht es damit um mehr als 35 Milliarden Euro Anlegergelder. Viele von ihnen halten die Immobilienfonds als Altersvorsorge.
Für Investoren bedeutet die neue Einstufung keine unmittelbaren Folgen für Rendite oder Rückgabemöglichkeiten. Allerdings kann eine höhere Risikoklasse Einfluss auf Anlageberatung, Vertriebsregeln und Produktempfehlungen haben – insbesondere für sicherheitsorientierte Privatanleger.
Was Anleger jetzt wissen müssen
Die Anhebung von „1“ auf „2“ signalisiert weiterhin ein niedriges Risiko, zeigt aber auch, dass selbst große, breit gestreute Immobilienfonds nicht risikofrei sind. Steigende Zinsen, Bewertungsanpassungen und mögliche Mittelabflüsse können die Kurse der Fondsanteile zum Teil empfindlich drücken. Aufgrund der eher niedrigen Renditen der Fonds, die nur selten drei Prozent übersteigen, dauert es lange, bis solche Rückschläge wieder aufgeholt sind.
Der Schritt der DekaBank könnt edazu führen, dass offene Immobilienfonds realistischer eingeschätzt werden – nicht als Ersatz für Tagesgeld, sondern als langfristige Sachwertanlage mit Schwankungen. Angesichts der für dieses Risiko verhältnismäßig niedrigen erzielbaren Renditen, die sich derzeit kaum von Festgeldanlagen unterscheiden, könnte es gut sein, dass die Bedeutung von offenen Immobilienfonds für den Vertrieb der Banken nun abnimmt.
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