Ein Investment in die Emerging-Markets erscheint vielen Anlegern heute selbstverständlich. Tatsächlich war die Börse jahrzehntelang für die Schwellenländer blind – bis Mark Mobius kam. Jetzt ist der langjährige Manager bei Franklin Templeton gestorben.

Mark Mobius, einer der bekanntesten Schwellenländer-Investoren weltweit, ist tot. Laut einem Post auf seinem LinkedIn-Profil, den seine Sprecherin dort veröffentlichte, starb Mobius am 15. April 2026. Er wurde 89 Jahre alt. 

Der langjährige Franklin-Templeton-Manager hat die Emerging Markets für viele Anleger erst „investierbar“ gemacht – nicht nur als Schlagwort, sondern als Anlageidee mit konkreten Unternehmen in Asien, Lateinamerika, Osteuropa und Afrika. Dazu bereiste Mobius die Länder jahrzehntelang selbst, um nach neuen, noch unbekannten Börsenstars zu suchen. In der Branche war er auch optisch unverwechselbar: Sein kahlrasierter Kopf brachte ihm den Spitznamen „Bald Eagle“ ein.

Sein Templeton-Fonds schlug den Markt über Jahre

1987 wurde Mobius von John Templeton verpflichtet. Mobius startete bei Franklin Templeton einen der ersten Publikumsfonds mit klarem Fokus auf schnell wachsende Märkte und leitete die Templeton Emerging Markets Group bis 2016. Den Flaggschiff-Fonds (Investment Trust) führte er bis 2015, 2018 zog er sich aus dem aktiven Management zurück.

Mobius‘ Performance war über lange Zeit beeindruckend: Der geschlossene Fonds erzielte von 1989 bis zu seinem Ruhestand eine durchschnittliche Rendite von 13,4 Prozent pro Jahr. Seit Einführung des MSCI-Emerging-Markets-Index im Jahr 2001 lag der Templeton-Fonds laut Morningstar im Schnitt jedes Jahr rund 1,9 Prozentpunkte über der Benchmark. Mobius sah darin ein Zeichen dafür, dass konsequentes Stockpicking in ineffizienteren Märkten überdurchschnittlich stark wirken kann.

Templeton Emerging Markets Fund (WKN: 872604)

Seine Methode war die Vor-Ort-Arbeit

Mobius war berühmt für seinen Reise-Stil: Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet, soll er 250 bis 300 Tage pro Jahr unterwegs gewesen sein, um Fabriken, Händler und Managements persönlich zu besuchen. Er wolle nicht nur Präsentationen lesen, sondern „die Reifen treten“, sagte Mobius – also prüfen, wie ein Unternehmen tatsächlich arbeitet. Er wolle lieber mit eigenen Augen sehen, was in einer Firma oder einem Land passiere.

Tatsächlich waren Informationslage, Corporate Governance und politische Risiken in den Schwellenländern oft schwerer einzuschätzen als in etablierten Märkten. Mobius setzte daher auf eigene Recherchen und ein breites Netzwerk vor Ort.

Mobius hatte Afrika früh auf dem Zettel

Mobius traf einige viel beachtete Entscheidungen: Er erkannte den Beginn des Bullenmarkts nach der Finanzkrise 2009 als einer der ersten, kaufte schon mitten in der Asienkrise 1997 und griff auch bei Russland-Aktien zu, als sie 1998, ausgelöst durch Panikverkäufe, abstürzten. Außerdem gehörte er zu den ersten großen institutionellen Investoren, die Afrika als Chance sahen: 2012 wurde unter seiner Ägide der erste Afrika-Fonds aufgelegt.

Doch auch eine Ikone wie Mobius lag manchmal falsch: In seinem ersten Jahr bei Templeton traf ihn der Crash 1987, der den Fonds zeitweise rund ein Drittel seines Vermögens kostete. Danach diversifizierte er stärker – auch in Märkte wie Argentinien, Mexiko, Indonesien und Russland.

Vom Politologen zum Star-Manager

Wie Bloomberg berichtet, wurde Mobius 1936 auf Long Island geboren, sein Vater war Deutscher, zuhause wurden daher auch Deutsch und Spanisch gesprochen. Er studierte zunächst künstlerische Fächer und Kommunikation, später promovierte er am MIT in Politikwissenschaft und Ökonomie. Beruflich arbeitete Mobius zunächst in Asien in der Verbraucher- und Marktforschung. Er landete schließlich in Hongkong und fand über einen Bericht zum Hongkonger Aktienmarkt den Einstieg in die Wertpapieranalyse.

Nach Jahrzehnten bei Franklin Templeton gründete Mobius 2018 Mobius Capital Partners in London. Ende 2023 verließ er das Haus und suchte mit seiner Neugründung Mobius Investments weiterhin nach neuen Investmentchancen.

Mobius wird das Zitat zugeschrieben: „Wenn du das Licht am Ende des Tunnels siehst, ist es zu spät zu kaufen.“ Der Fondsmanager war nie verheiratet und beschrieb sich selbst als „Vollzeit-Nomaden“ – ein Lebensstil, der zu seinem Investmentansatz passte: immer unterwegs, immer auf der Suche nach der nächsten Gelegenheit.

Mit Material von Bloomberg

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