Größter Vermögensverwalter der Welt warnt: Nur in einen großen Aktienindex wie den S&P 500 zu investieren, reicht als Strategie zur Altersvorsorge nicht mehr aus. Das sollten Anleger stattdessen tun.
Wenn es um die Altersvorsorge geht, gelten Indexfonds seit Jahren als Goldstandard. Die breit aufgestellten ETFs, die einen Index wie den S&P 500 oder den DAX nachbilden, sind gut diversifiziert und kostengünstig – und eignen sich damit ideal für eine einfache Buy-and-Hold-Strategie.
Der weltweit größte Asset Manager Blackrock warnt nun jedoch: Sich ausschließlich auf Indexfonds zu verlassen, könnte in Zukunft nicht mehr ausreichen. „Es muss eine Entwicklung weg von der ausschließlichen Fokussierung auf Indizes stattfinden“, erklärt Nick Nefouse, Global Head of Retirement Solutions bei Blackrock, in einem Telefoninterview mit Bloomberg.
Deswegen ist eine „Index-only“-Strategie gefährlich
Ein Grund für eine breitere Investmentstrategie ist laut Blackrock die zunehmende Marktkonzentration. Tatsächlich sind eine Handvoll großer Technologieunternehmen mittlerweile für einen überproportionalen Teil der Gewinne an den Aktienmärkten verantwortlich. Die wichtigsten Indizes bergen damit zunehmend ein Klumpenrisiko, da der Tech-Sektor übergewichtet ist.
Gleichzeitig ist die Volatilität in den globalen Aktienmärkten in den vergangenen Jahren immer weiter gestiegen. Geopolitische Spannungen, hohe Inflationsraten und Zinsunsicherheiten führen dazu, dass sich Marktentwicklungen immer schwerer voraussagen lassen.
Eine weitere Herausforderung beim Thema Altersvorsorge: die immer höhere Lebenserwartung. Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt in den USA mittlerweile bei 79 Jahren. Wer heute für das Alter vorsorgt, muss also davon ausgehen, sich ein Einkommen für mehrere Jahrzehnte schaffen zu müssen.
Mehr aktiv gemanagte Fonds
Blackrock zufolge sollten sich Anleger deswegen ein Portfolio zusammenstellen, das einen stetigen Einkommenszufluss generiert, statt einfach nur Reserven aufzubauen. So schlägt der Asset Manager vor, im Rahmen von Altersvorsorgeplänen auch Investitionen auf dem privaten Markt ins Auge zu fassen. So könnten Anleger neben traditionellen Aktien und Anleihen etwa auch in Vermögenswerte wie Immobilien, Infrastruktur-Fonds (ELTIF). Private Equity oder auch Kunstgegenstände und Oldtimer investieren.
Ob die vorgeschlagene Strategie die Performance wirklich nachhaltig verbessert, ist allerdings durchaus umstritten. Nach Untersuchungen von Vanguard konnten aktiv gemanagte Fonds vergleichbare Indexfonds in den vergangenen 15 Jahren in 83 Prozent der Fälle nicht outperformen. Der Hauptgrund: Indexfonds erheben in der Regel jährliche Gebühren in Höhe von 0,03 bis 0,2 Prozent, während aktiv verwaltete Fonds 0,5 bis 1,5 Prozent oder mehr kosten. Über Jahre gerechnet, können sich diese Unterschiede massiv auf die erzielbaren Renditen auswirken.
Allein wegen der niedrigen Gebühren gilt: Indexfonds bilden weiterhin eine solide Basis für eine langfristige Altersvorsorgestrategie. Zunehmende Marktkonzentration und längere Rentenzeiten verlangen aber eine Diversifikation des Portfolios über Aktien und Anleihen hinaus. Eine Möglichkeit ist etwa eine 50/30/20-Aufteilung – 50 Prozent Aktien, 30 Prozent Anleihen und 20 Prozent alternative Anlagen.
Diese Assets kommen für Anleger in Frage
1. Immobilien
Die Vorzüge von Immobilien liegen auf der Hand: Neben einer möglichen Wertsteigerung können Mietobjekte regelmäßige Einnahmen generieren. Während Anleger für den Kauf einer Immobilie in der Vergangenheit jedoch oft viel Kapital benötigten, erleichtern neue Angebote die Investition in diese Anlageklasse.
Anleger, die kein Geld für eine komplette Immobilie haben oder lieber in Form eines Sparplans investieren möchten, können dies entweder über Aktien von Immobiliengesellschaften wie Vonovia tun oder aber über sogenannte REITs, die ebenfalls börsennotiert sind und mit hohen Ausschüttungen locken. Eine weitere Alternative sind offene Immobilienfonds, die allerdings nur vergleichsweise kleine Renditen abwerfen, die oft nur knapp über der Inflationsrate liegen.
2. Assets ohne Korrelation zum Aktienmarkt
Es mehren sich die Anzeichen, dass die Aktienmärkte im nächsten Jahrzehnt unruhiger werden könnten. So warnte etwa Goldman Sachs CEO David Solomon, in den kommenden zwölf bis 24 Monaten werde es zu einem Rückgang der Aktienmärkte um zehn bis 20 Prozent kommen.
Wer sein Portfolio breiter aufstellt, dürfte in dieser Situation von stabileren Renditen profitieren. Ein Beispiel: Die Wertentwicklung von zeitgenössischer Kunst hat den S&P 500 von 1995 bis 2025 um satte 15 Prozent geschlagen und zeigt nahezu keine Korrelation zu traditionellen Assets. Kunst erfordert zwar in der Regel eine lange Haltedauer, bietet dafür jedoch außergewöhnliche Möglichkeiten zur Portfoliodiversifizierung.
Während Investments in Kunst in der Vergangenheit für Privatanleger wegen der hohen Einzelpreise schwer realisierbar waren, bieten Plattformen wie Masterworks oder Rally mittlerweile die Möglichkeit, Bruchteile von Werken von Ikonen wie Banksy oder Picasso erwerben – und auf diesem Wege von der Wertsteigerung profitieren. Masterworks hat bisher 25 Kunstwerke verkauft und dabei annualisierte Nettorenditen bis zu 17,8 Prozent erzielt.
3. Gold
In Zeiten hoher Inflation oder finanzieller Instabilität hat sich Gold als Absicherung gegen Währungsschwankungen und Marktvolatilität bewährt. Selbst ein geringer Anteil an Gold macht ein Portfolio deutlich weniger anfällig für Schwankungen.
Für Kleinanleger ist die Investition in einen physisch hinterlegten Gold-ETC eine Möglichkeit, um an der Entwicklung des Goldpreises zu partizipieren. Deutsche Anleger können dafür beispielsweise Xetra-Gold oder Euwax-Gold wählen.
Fazit
Traditionelle Indexfonds bleiben auch in Zukunft ein zentrales Instrument für die Altersvorsorge. In unruhigeren Märkten lohnt sich eine Diversifikation jedoch stärker als bisher – Immobilien, Gold oder Assets wie Kunst können einem langfristigen Portfolio die notwendige Ausgewogenheit geben.
Häufig gestellte Fragen
Warum reichen ETFs als Altersvorsorge nicht mehr aus?
Indizes wie der S&P 500 bergen zunehmend ein Klumpenrisiko, da Tech-Werte übergewichtet sind. Da die Volatilität in den Aktienmärkten weiter zunimmt, wird es außerdem immer schwieriger, zuverlässige Vorhersagen über die Marktentwicklung zu treffen.
Welche Möglichkeiten zur Diversifikation der Altersvorsorge haben Anleger?
Eine bewährte Methode zur Diversifikation ist zum Beispiel ein Investment in Gold, am besten in Form eines physisch hinterlegten Gold-ETC. Weitere Alternativen sind Immobilien oder Investitionen in Assets, die keine Korrelation mit den Aktienmärkten aufweisen, etwa in Kunst oder Oldtimer.
Was sind REITs?
Real Estate Investment Trusts (REITs) sind börsennotierte Unternehmen, die Immobilien besitzen, verwalten und durch Mieten Erträge erzielen. Sie ermöglichen Anlegern, indirekt in Immobilien zu investieren, ohne diese selbst besitzen oder verwalten zu müssen. Da REITs gesetzlich verpflichtet sind, mindestens 90 Prozent des Gewinns an Anleger auszuschütten, sind sie insbesondere für Einkommensinvestoren attraktiv.
Warum reichen ETFs als Altersvorsorge nicht mehr aus?
Indizes wie der S&P 500 oder MSCI World bergen zunehmend ein Klumpenrisiko, da Tech-Werte übergewichtet sind. Da die Volatilität in den Aktienmärkten weiter zunimmt, wird es außerdem immer schwieriger, zuverlässige Vorhersagen über die Marktentwicklung zu treffen.
Welche Möglichkeiten zur Diversifikation der Altersvorsorge haben Anleger?
Eine bewährte Methode zur Diversifikation ist zum Beispiel ein Investment in Gold, am besten in Form eines physisch hinterlegten Gold-ETC. Weitere Alternativen sind Immobilien oder Investitionen in Assets, die keine Korrelation mit den Aktienmärkten aufweisen, etwa in Kunst oder Oldtimer.