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Investieren wie die Milliardäre: Was Anleger von Family Offices lernen können

Investieren wie die Milliardäre: Was Anleger von Family Offices lernen können

WKN: 840400 ISIN: DE0008404005 Allianz

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19.02.2019 - 18:00
14.02.2019 03:40:00

Milliardäre lassen ihr Vermögen von Family Offices verwalten, die Zahl dieser exklusiven Dienstleister wächst rasant. Wo die verschwiegene Branche investiert, was Anleger daraus lernen können. Von Julia Groß und Christoph Platt, Euro am Sonntag




Carsten Maschmeyer hat eins, Susanne Klatten auch. Die SAP-Gründer Dietmar Hopp und Hasso Plattner leisten sich jeder ein eigenes. Das von Investoren­legende George Soros ist ungefähr so groß wie die Wirtschaftsleistung von Estland - 25 Milliarden US-Dollar.



Sie heißen Focam, HQ Trust, Spudy oder Reimann Investors: Die Rede ist von Family Offices. Diskrete Firmen, die sich darum kümmern, dass das Vermögen von Reichen und Superreichen sich stetig vermehrt - oder zumindest nicht weniger wird. Die Zahl dieser Dienstleister wächst seit Jahren, ebenso wie die Summen, die sie verwalten. Offenbar verfügen die verschwiegenen Invest­mentberater über ein Erfolgsrezept, doch für Normalverdiener bleiben ihre Türen verschlossen: Unter 25 Millionen Euro braucht man bei Multi-Family-­Offices, die viele Kunden bedienen, gar nicht anzuklopfen. Für das exklusive ­eigene Single-Family-Office sollten es schon eher mehr als 100 Millionen Euro auf der hohen Kante sein.


In den vergangenen Jahren sind immer mehr Daten über Vorlieben und Performance der exklusiven Vermögensverwalter erhoben worden. 2014 publizierte die Schweizer Bank UBS zusammen mit dem Fachinformationsdienst Campden Wealth zum ersten Mal einen globalen Überblick über die Branche. Für die aktuellste Version haben 311 Family Offices aus der ganzen Welt Auskunft über ihre Anlagestrategien und -erfolge gegeben. Dadurch ist es auch für nicht ganz so Betuchte möglich geworden, sich bei Milliardären und Millionären Tricks für das eigene Depot abzuschauen.

Dazu kommt: Einzelne Family Offices beginnen sich zu öffnen und auch weniger liquide Anlagen, die bei reichen Kunden häufig eine wichtige Rolle spielen, zu ermäßigten Mindestanlagesummen zugänglich zu machen. Mit Liqid gibt es inzwischen sogar einen Robo-Advisor, der nach Family-Office-Strategie agiert. €uro am Sonntag verrät, was über die Branche bekannt ist und welche Investments sinnvoll sind.

Boom nach der Finanzkrise

Der Begriff "Family Office" ist nicht geschützt, er geht wohl auf die Vermögensverwalter der Familien von John D. Rockefeller und J.P. Morgan Ende des 19. Jahrhunderts in den USA zurück. Ihr Geschäft, die Verwaltung von Familienangelegenheiten vor allem, aber nicht ausschließlich in Geldfragen, existierte aber schon viel länger. Manche sehen ­Jakob Fuggers Buchhaltung in der "Goldenen Schreibstube" ab 1488 als erstes Family Office.

In der Moderne gingen und gehen die Firmen häufig aus Anwaltskanzleien, Steuerberatungen und Privatbanken hervor. Nimmt man die Teilnehmer der UBS-Studie als repräsentativ an, haben heute nur noch wenige Family Offices traditionelle Wurzeln. Mehr als die Hälfte wurde erst in den vergangenen 20 Jahren gegründet, über 30 Prozent sogar erst im oder nach dem Jahr 2010. "Family-Office-Angebote haben rapide zugenommen", sagt Christoph Weber, Vorsitzender des Verbands unabhängiger Family Offices (VuFO). "1999 existierte in Deutschland lediglich eine Handvoll Single-Family-Offices großer Unternehmer­familien sowie erste Multi- Family-Office-Ansätze. Nach 2000 sind aber viele Banken, Vermögensverwalter, Steuerberater oder Wirtschaftsprüfer auf den Zug aufgesprungen."

Die Flut an Neugründungen hat mehrere Gründe: Die positive wirtschaftliche Entwicklung der vergangenen Jahre hat viele neue Reiche und Superreiche hervorgebracht, vor allem in den Schwellenländern. In China wurden 2017 pro Woche zwei Menschen zu Milliardären. Weltweit hat sich seit 2010 das Vermögen in der Hand von Milliardären von etwas über vier Billionen Dollar mehr als verdoppelt. Die Folge: In China, Indien und Co ist der Nachholbedarf groß - und der eigene Vermögensverwalter gilt als neues Statussymbol.

Dazu kommt die Generationenfrage: In Deutschland haben beispielsweise viele Unternehmenseigentümer-Clans ihre Firmenanteile inzwischen ganz oder teilweise verkauft. Je mehr Familienmitglieder Ansprüche auf das Kapital haben, desto komplexer wird die Aufgabe, allen gerecht zu werden. "Da bieten Family Offices einen Mehrwert, indem sie die Verwaltung des Vermögens professionalisieren", sagt VuFO-Chef Weber.

Gleichzeitig - und das dürfte für den starken Gründungsschub ab 2010 gesorgt haben - ist bei Anlegern aller Vermögensklassen mit der Finanzkrise das Misstrauen gegenüber Banken stark gewachsen. Wenn Institutionen wie Lehman Brothers untergehen, wie sicher sind dann die eigenen Anlagen? Haben die Bankberater wirklich das Beste für den Kunden im Sinn oder geht es doch eher darum, Provisionen für haus­eigene Produkte einzustreichen? Wer sichergehen will, informiert sich und entscheidet selbst, besucht einen Honorarberater - oder beauftragt, entsprechende Mittel vorausgesetzt, eben ein Family Office.

Die trotz aller Datenerhebungen immer noch höchst intransparente Branche bietet dabei ganz unterschiedliche Services: Während einige Family Offices nur in Vermögensfragen beraten und das Geld in Produkte fremder Anbieter investieren, haben andere selbst Fonds aufgelegt, die von den eigenen Mitarbeitern gemanagt werden. Manche Firmen offerieren Beistand in rechtlichen Fragen vom Ehevertrag bis zur Nachfolgeregelung in Unternehmen. Für die einen zählen Reisebuchungen, die Übernahme der Korrespondenz und die Verwaltung von Villen, Jachten oder Privatjets zwingend zu den Dienstleistungen eines Family Offices, andere ­distanzieren sich bewusst davon.

Genauso vielfältig wie die Angebote der Vermögensverwalter sind auch die Anforderungen der Kunden: Beileibe nicht allen geht es nur um eine möglichst hohe Rendite. "Je nachdem, ob es sich um das Vermögen von einer Person oder einer ganzen Familie handelt, ob regelmäßige Ausschüttungen geplant sind und welche Risikobereitschaft generell vorhanden ist, strukturieren wir das Vermögen entsprechend", sagt ­Jochen Butz, der für alternative Investments bei HQ Trust zuständig ist. Das Multi-Family-Office ging aus der Vermögensverwaltung von Harald Quandt hervor. "Je weniger Kapital kurzfristig verfügbar sein muss, desto höher kann der Anteil an illiquiden Investments wie Immobilien oder Private Equity sein."

Deutsche Family Offices haben den Ruf, eher auf einen Erhalt des Vermögens ausgerichtet zu sein als auf dessen Vermehrung. Im internationalen Durchschnitt verfolgt nur etwa ein Drittel der Family Offices diesen konservativen Ansatz. 23 Prozent streben explizit hohe Renditen an, der Rest ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Kapitalerhalt und Wachstum.

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Bildquelle: Wibofoto/Istockphoto

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