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Tagesgeld: Mit Minizinsen gegen die Angst - Was Anleger dazu wissen sollten

Tagesgeld: Mit Minizinsen gegen die Angst - Was Anleger dazu wissen sollten

WKN: A0MM98 ISIN: GB00B1VQ6H25 Yougov PLC

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12.08.2020 - 08:01
29.07.2020 06:25:00

Tagesgeld- und Festgeldkonten sind den Deutschen lieb und vor allem teuer. Denn die Zinsen sind nahe null, und die Inflation zehrt das Kapital langsam, aber stetig auf. Von Bernhard Bomke, Matthias Fischer, Markus Hinterberger, Andreas Höss und Martin Reim

Glaubt man einer Umfrage der Meinungsforscher von Yougov von Anfang Mai, hat fast jeder vierte Deutsche Geld auf einem Tages- oder Festgeldkonto angelegt. Insgesamt liegen laut Bundesbank über 1,5 Billionen Euro auf solchen Konten. Das ist etwa das Doppelte des Aktienvermögens der deutschen Privathaushalte.

Der Grund für die Liebe zu klassischen Sparprodukten dürfte weniger mit der zu erwartenden Rendite als mit der Sicherheit zu tun haben. Denn mit Zinsen von im Schnitt 0,02 Prozent verlieren Sparer angesichts einer Inflationsrate von 0,8 Prozent real Geld, und nur wenige Angebote liegen über dieser Marke. Doch wie sicher sind solche Termineinlagen, wie sie im Fachjargon genannt werden, tatsächlich?

Grundsätzlich gilt: Geht eine Bank in Europa pleite, haben alle Kontoinhaber einen Rechtsanspruch, ihr Geld bis zu 100000 Euro (für Ehepaare mit Gemeinschaftskonto 200000 Euro) zurückzubekommen. Dazu zählen Guthaben auf Giro-, Tages- und Termingeldkonten. Auch Zinsen, die zwar aufgelaufen, aber noch nicht gutgeschrieben wurden, werden erstattet. Derzeit darf es in Deutschland sieben Arbeitstage dauern, bis Kunden entschädigt sind. EU-weit beträgt die Frist in vielen Ländern noch 20 Tage. Bankkunden erhalten ihr Geld automatisch zurück. Kunden, die zwischenzeitlich mehr Geld auf dem Konto haben, etwa weil sie ihre Privatwohnung verkauft oder eine Abfindung bekommen haben, sind hierzulande besonders geschützt. Wird ihre Bank zahlungsunfähig, gilt für sie sechs Monate lang eine Sicherungsgrenze von 500000 Euro. Allerdings müssen sie in diesem Fall einen Antrag stellen und nachweisen, dass sie höher entschädigt werden müssen.

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Wenn Kunden einer Privatbank durch eine Bankpleite über 100000 Euro verloren haben, steht die private Einlagensicherung des Bundesverbands deutscher Banken (BdB) für den darüber hinausgehenden Betrag gerade. Welche Summe dieser freiwillige Fonds je Kunde maximal absichert, richtet sich nach dem haftenden Eigenkapital der jeweiligen Bank. Bis 2025 wird die Sicherungsgrenze schrittweise von derzeit 15 Prozent des haftenden Eigenkapitals auf 8,75 Prozent gesenkt. Selbst dann liegt die Obergrenze noch bei mindestens 437500 Euro. Anders als die gesetzliche Einlagensicherung umfasst der Fonds des Bankenverbands auch Fremdwährungskonten (mehr dazu unter www.bdb.de).

Sparkassen und Genossenschaftsbanken - dazu zählen etwa Raiffeisen-, Sparda und PSD-Banken - haben eine Institutssicherung: Geht es einem Institut finanziell schlecht, wird es von den übrigen Verbandsmitgliedern unterstützt, bis es wieder solvent ist. Mehr dazu unter www.dsgv.de (Sparkassen) und www.bvr.de (Genossenschaftsbanken).

Die 100000-Euro-Grenze gilt in der gesamten Europäischen Union. In EU-Staaten, die eine andere Währung als den Euro haben, wie etwa Polen oder Tschechien, wird entsprechend umgerechnet. Seit Juli 2015 erhalten Kunden von Banken aus dem Europäischen Wirtschaftsraum, die hierzulande eine Zweigstelle haben, im Ernstfall die Entschädigung von der deutschen Einlagensicherung (www.edb-banken.de). Sie müssen ihre Ansprüche nicht mehr im Ausland beantragen. Viele an sich ausländische Banken haben jedoch auch eine deutsche Banklizenz, wie etwa die spanische Santander Bank oder die niederländische ING. Sie werden rechtlich wie deutsche Banken behandelt.

Bis zum Jahr 2024 soll innerhalb der Europäischen Union ein Fonds geschaffen werden, der im Fall von Bankpleiten Sparern ihr Geld wiedergeben soll. Jede Bank innerhalb der EU muss in diesen einzahlen. 2024 soll er dann 45 Milliarden Euro schwer sein.

Staatlich garantiert. All diese Sicherungsmechanismen gelten jedenfalls in Zeiten, in denen kein Ausnahmezustand herrscht und keine Finanzkrise die Weltwirtschaft erschüttert wie im Herbst 2008, als die US-Investmentbank Lehman Brothers pleiteging und sich plötzlich nicht nur die Banken einander nicht mehr trauten, sondern auch Abermillionen Kunden ihr Geld von ihren Konten holten aus Furcht, dass es bei einer Bankenpleite weg sei. Damals trat Bundeskanzlerin Angela Merkel gemeinsam mit ihrem damaligen Bundesfinanzminister Peer Steinbrück vor die Kameras und garantierte den Deutschen ihre Spareinlagen. Mit anderen Worten: Wenn es wirklich brennt, wird der Bund alles dafür tun, dass Sparer kein Geld verlieren. Denn Schlangen an Geldautomaten würden nicht nur das Vertrauen ins Finanzsystem, sondern auch in den Staat als solchen beschädigen. Dass diese Beruhigungspille viel Geld kostet, das nach und nach von Sparern über Steuern wieder gezahlt werden wird, ist eine unbequeme Wahrheit, die viele in diesem Zusammenhang ausblenden.


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Dennoch gibt es wohl wenige Anlageformen, die sicherer sind - zumindest wenn es darum geht, den nominalen Wert des investierten Geldes zu erhalten. Echte Gewinne sollten Inhaber eines Tages- oder Festgeldkontos nicht erwarten. Schuld daran ist die Inflation, die zwar in den vergangenen Jahren viel niedriger war als etwa vor der Jahrtausendwende, die aber das Geld schleichend entwertet.

Sparer, die das vermeiden wollen, müssen entweder ihr Geld immer wieder neu zu den aktuell besten Konditionen anlegen oder ihr Konto auflösen. Beides funktioniert glücklicherweise einfach. Tagesgeldkonten können täglich gekündigt werden, und in der Regel werden die bis dahin angelaufenen Zinsen gutgeschrieben. Bei Sparbüchern und Festgeldkonten gibt es Kündigungsfristen von bis zu drei Monaten. Je nachdem, wie das Konto gestaltet ist, müssen Sparer auch auf einen Teil oder die gesamten Zinsen verzichten.


Bildquelle: 123RF, BÖRSEONLINE

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