QUELLENSTEUER

Weniger Steuern auf französische Aktien: Mehr Ärger, was Anleger wissen sollten

Weniger Steuern auf französische Aktien: Mehr Ärger, was Anleger wissen sollten

WKN: 931020 ISIN: US7135693098 Per-Se Technologies Inc.

05.09.2018 03:20:00

Frankreich hat zum Jahresanfang die Quellensteuer auf Dividenden von 30 auf 12,8 Prozent gesenkt. Klingt gut, doch deutsche Anleger haben oft nichts davon - oder sogar noch mehr Frust. Von Brigitte Watermann und Michael Schreiber

Es könnte alles so schön sein: Zu Jahresbeginn 2018 hat das Frankreich Emmanuel Macrons die Quellensteuer auf Dividenden von 30 auf 12,8 Prozent gesenkt - mit dem Ziel, französische Unternehmen für ausländische Investoren attraktiver zu machen. Deutsche Anleger frohlockten zunächst. Doch die Steuersenkung kommt bei ihnen häufig gar nicht an.



Zudem haben sie bei der Steuererklärung für 2018 mit französischen Dividenden mehr Arbeit, als ihnen lieb ist. BÖRSE ONLINE hat die Hintergründe recherchiert. "Französische Dividendentitel sind de facto für deutsche Anleger unattraktiver geworden", sagt ein Kenner der Szene.


Neuer Steuersatz, alter Erstattungsweg



Wie ausländische Dividenden abzurechnen sind, das klärt für alle deutschen Banken die WM Datenservice - ein externer Dienstleister mit Sitz in Frankfurt am Main. Dieser hat die Quellensteuersenkung für alle Banken zum 1. Juli dieses Jahres umgesetzt. Denn zu diesem Termin hat das Bundeszentralamt für Steuern (BZSt) seine Liste zu ausländischen Quellensteuern rückwirkend per 1. Januar 2018 veröffentlicht. Doch Steuersenkung auf 12,8 Prozent hin oder her: Liegen französische Aktien im Depot eines Privatanlegers bei einer inländischen Bank, zwackt diese in aller Regel wie gewohnt den bisherigen Quellensteuersatz von 30 Prozent ab. Davon werden seit dem 1. Juli 2018 nun nur noch 12,8 und nicht mehr 15 Prozent auf die deutsche Abgeltungsteuer von 25 Prozent angerechnet (siehe "Steuer-ABC für Globetrotter"). Künftig müssen sich deutsche Anleger den Differenzbetrag von 17,2 Prozent (statt bisher 15 Prozent) von Frankreich zurückholen.

Das Hauptproblem: Frankreich hat zwar den Steuersatz gesenkt, doch das Erstattungsverfahren ist kompliziert wie eh und je. "Das Verfahren ist schon recht angestaubt. Es wäre gut gewesen, wenn sich der französische Staat auch darüber Gedanken gemacht hätte", sagt Anke Bergmann, Ressortleiterin Wertpapier Taxes bei der ING-DiBa. "Frankreich hätte das Verfahren durchaus verbraucherfreundlicher gestalten können", pflichtet ihr Iris Ade, Spezialistin für Kundensteuern bei der Comdirect, bei.

Nach Auskunft mehrerer Banken verlangt Frankreich für den Steuerrabatt deutlich mehr Daten, als es das Common Reporting System (CRS) zum länderübergreifenden Informationsaustausch von Steuerdaten vorsieht. Der Steuersatz von 12,8 Prozent gilt nämlich nur für Nichtfranzosen. Da aber die Wertpapier-lagerstellen wie Clearstream nur wissen, bei welchen Banken französische Aktien in Kundendepots liegen, nicht aber, wo der Anleger steuerpflichtig ist, bleibt es bei 30 Prozent Abzug. Zudem erlaubt Frankreich - anders als manch anderer Staat - keine Poolmeldungen von Depotbanken über Bestände, die sich automatisiert erstellen ließen.

Einen Ausweg aus diesem Dilemma könnte nur ein Antrag auf Vorabermäßigung bieten, bei der den französischen Behörden vor der Dividendenauszahlung bescheinigt wird, dass ein in Deutschland ansässiger Anleger die Dividende erhält und die Aktien im Inland verwahrt werden. Doch diesen Service bieten viele Depotbanken gar nicht an. Comdirect und ING-DiBa begründen ihre ablehnende Haltung damit, dass sie dann sehr viele Kundendaten erheben und ständig aktuell halten müssten, um die Ansprüche der französischen Steuerbehörden erfüllen zu können.

Auf Seite 2: Gebühren fressen Rückforderung auf



Seite: 1 | 2 | 3

Weitere Links:


Bildquelle: Gina Sanders/Fotolia

Nachrichten zu Per-Se Technologies Inc.

  • Relevant
  • Alle
  • vom Unternehmen

Aktienempfehlungen zu Per-Se Technologies Inc.

  • Alle
  • Buy
  • Hold
  • Sell