Das börsennotierte Geldinstitut aus Linz will hierzulande weiter expandieren. Vorstandschef Franz Gasselsberger zur Deutschland-Strategie.
Börse Online: Herr Gasselsberger, wie bewerten Sie Ihr vorletztes Geschäftsjahr als Generaldirektor der Oberbank?
Franz Gasselsberger: Ich freue mich, dass wir für 2025 ein Ergebnis präsentieren dürfen, das auch unsere eigenen Erwartungen deutlich übertroffen hat. Trotz schwieriger Rahmenbedingungen, rückläufiger Zinserträge und einer erhöhten Kostenbelastung durch die österreichische Bankenabgabe ist es das dritte Rekordergebnis in Serie.
Haben auch Ihre Aktionäre etwas davon?
Vorstand und Aufsichtsrat werden der Hauptversammlung eine Erhöhung der Dividende auf 1,35 Euro je Aktie vorschlagen. Das ist eine Erhöhung um 20 Cent - damit ist auch die Ankündigung, die Dividende in den nächsten fünf Jahren zu verdoppeln, im Plan.
Deutschland ist mit aktuell 44 Filialen in zehn Bundesländern für Ihr Geldinstitut neben dem Heimatmarkt Österreich der wichtigste Standort. Was ist hier Ihr Erfolgsgeheimnis?
Wir verbinden die Angebote einer Großbank mit der Kundennähe und schnellen Entscheidungen einer Regionalbank. Das ist für mittelständische Firmenkunden attraktiv.
Für welche Bundesländer planen Sie aktuell neue Geschäftsstellen?
Eine stärkere Präsenz visieren wir für Nordrhein-Westfalen an. Dort ist nach Düsseldorf, Köln, Essen und Dortmund die Eröffnung einer Filiale in Bielefeld geplant. Bis 2030 peilen wir zehn Standorte im bevölkerungsreichsten Bundesland an. Bayern bleibt aber mit 20 Filialen unser regionaler Schwerpunkt in Deutschland.
Gibt es auch Hindernisse für eine weitere Expansion hierzulande?
Die größte Beschränkung für uns in Deutschland ist es, geeignetes Personal zu finden. Ein seit einiger Zeit geplanter Standort in Kassel etwa ist bisher an diesem Führungskräfte-Engpass gescheitert.
Bisher lag die Mindestanlagesumme für Ihre Private-Banking-Kunden bei 250000 Euro. Gibt es hier Veränderungen?
Wegen der Vermögens- und Einkommenszuwächse unserer Kunden heben wir die Mindestanlagesumme beim Private Banking weiter auf 500 000 Euro an. Auch hier macht sich bemerkbar, dass höhere verfügbare Einkommen tendenziell nicht in den Konsum fließen, sondern eher gespart werden.
Könnte ein weiteres Rekordjahr für die Oberbank folgen?
2026 wird ein eher holpriges Jahr. Das Inflationsgespenst ist wieder da und damit ist mit Zinserhöhungen zu rechnen. Was wir aktuell sehen, sind starke Zuwachsraten bei den Wohnbaufinanzierungen, ebenso läuft das Wertpapiergeschäft exzellent und auch das Einlagenwachstum ist stark. Wir haben noch immer eine sehr gut gefüllte Pipeline bei den Krediten.
Welchen Einfluss haben die aktuellen geopolitischen Krisen auf das Ergebnis?
Je länger sie dauern, desto mehr führen sie zu zu Vertrauensverlust, also Konsumzurückhaltung und einem Anstieg der Sparquote. Ebenso ist mit Auswirkungen auf das Kreditrisiko zu rechnen, weil die Unternehmen ihre Kostensteigerungen nicht überall im Markt weitergeben können. Wir blicken daher mit Respekt auf das weitere Geschäftsjahr 2026, ein präziser Ausblick ist in diesem Umfeld nicht möglich.
Die Oberbank ist seit 40 Jahren börsennotiert. Wie fällt Ihre persönliche Bilanz nach Jahrzehnten im Chefsessel aus?
Im April 1986 lag unsere Marktkapitalisierung bei 154 Millionen Euro, heute bei 5,66 Milliarden Euro. Aus derzeitiger Sicht erreicht die Oberbank dieses Jahr die 30 Milliarden Euro-Grenze bei der Bilanzsumme. Damit wird unser Geldinstitut ab 2028 eine von der EZB direktbeaufsichtigte Bank - das ist ein weiteres Qualitätsmerkmal. Selbstverständlich stehe ich bis Jahresende als Vorstandsvorsitzender zur Verfügung - denn gespielt wird bis zum Schluss!
Zur Person
Franz Gasselsberger (67) ist der am längsten amtierende Chef einer börsennotierten Bank in Europa. Im Jahr 1998 wurde er in den Vorstand der Oberbank berufen und 2002 zum Generaldirektor ernannt. Zum Jahreswechsel 2026/2027 übergibt er nach 24 Jahren den Vorstandsvorsitz an seinen Nachfolger Martin Seiter (41).
Zum Unternehmen
Die seit 1986 börsennotierte Oberbank ist neben ihrem Heimatmarkt Österreich in Deutschland, Tschechien, Ungarn und der Slowakei mit Filialen präsent. Der Jahresüberschuss vor Steuern lag im Geschäftsjahr 2025 bei 477,1 Millionen Euro.
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