Gold und Silber sind schon den zweiten Handelstag in Folge unter Druck geraten. Auslöser ist eine jährliche Anpassung großer Rohstoffindizes, die viele Fonds zu milliardenschweren Verkäufen zwingt. Wie lange der Druck anhält - und warum Experten mittel- bis langfristig optimistisch bleiben.
Gold und Silber haben am Donnerstag zum zweiten Mal in Folge nachgegeben. Auslöser ist weniger eine fundamentale Trendwende als vielmehr ein technischer Faktor: die jährliche Neugewichtung großer Rohstoffindizes. In den kommenden Tagen müssen passive Fonds ihre Portfolios anpassen – und dafür Edelmetall-Futures im Wert von mehreren Milliarden Dollar verkaufen.
Der Goldpreis rutschte zeitweise unter 4450 Dollar je Feinunze, nachdem er bereits am Vortag rund ein Prozent verloren hatte. Besonders deutlich fällt jedoch die Reaktion bei Silber aus: Der Preis sackte bis zum Nachmittag um vier Prozent ab und gilt als besonders anfällig für weitere Abgaben.
Milliardenverkäufe durch Index-Fonds
Hintergrund sind die Anpassungen beim Bloomberg Commodity Index und beim S&P GSCI. Aufgrund der starken Rally im vergangenen Jahr ist das Gewicht von Gold und Silber in diesen Benchmarks deutlich gestiegen. Um die neuen Zielgewichtungen zu erreichen, müssen Fonds nun verkaufen.
Nach Schätzungen von Citigroup könnten allein bei Silber Futures im Volumen von rund 6,8 Milliarden Dollar auf den Markt kommen – das entspricht etwa 12 Prozent des offenen Interesses an der Comex. Auch bei Gold erwartet Citi Abflüsse in ähnlicher Größenordnung. Marktbeobachter sprechen von außergewöhnlich hohen Volumina. Ein Citi-Stratege erklärte, er habe in vielen Jahren keine vergleichbar großen Umschichtungen erlebt.
Der eigentliche Roll-Zeitraum der Indizes erstreckt sich zwar über mehrere Handelstage, die Handelsaktivitäten zur Neugewichtung konzentrieren sich aber meist auf wenige Tage – was kurzfristig zusätzlichen Preisdruck erzeugt.
Kein neues Phänomen – aber größer als 2025
Ganz neu ist dieses Muster nicht. Bereits im vergangenen Jahr kam es im Zuge der Index-Anpassung zu ähnlichen Verkäufen, ohne dass dies den übergeordneten Aufwärtstrend nachhaltig gebremst hätte. Allerdings fällt das erforderliche Verkaufsvolumen diesmal vor allem bei Silber deutlich höher aus, was die stärkeren Ausschläge erklärt.
Langfristiger Ausblick bleibt positiv
Trotz der aktuellen Schwäche zeigen sich viele Analysten weiter bullish, insbesondere für Gold. Das Edelmetall verzeichnete 2025 die beste Jahresperformance seit 1979. Treiber waren massive Käufe der Zentralbanken, Zuflüsse in goldgedeckte ETFs, ein schwächerer US-Dollar sowie geopolitische Unsicherheiten. Nach Angaben des World Gold Council kauften Zentralbanken allein im November netto 45 Tonnen Gold. Die chinesische Notenbank stockte ihre Reserven bereits den 14. Monat in Folge auf – ein klares Signal an den Markt, dass die strukturelle Nachfrage anhält.
Einige Analysten sehen Gold daher schon im ersten Halbjahr 2026 bei 5000 Dollar je Feinunze, womöglich auch gestützt durch weitere Zinssenkungen der US-Notenbank. Entsprechend richten sich die Blicke der Händler nun auf die anstehenden US-Arbeitsmarktdaten: Schwächere Zahlen könnten die Erwartungen an weitere Zinssenkungen befeuern – was Edelmetallen, die keine Zinsen abwerfen, traditionell Rückenwind gibt.
Fazit
Die aktuellen Verluste bei Gold und Silber sind vor allem technisch bedingt. Nach einem Preisanstieg von rund 150 Prozent im vergangenen Jahr, einer Short-Squeeze-Phase und Angebotsengpässen im Londoner Spotmarkt ist vor allem der Silbermarkt besonders sensibel für Index-Verkäufe. Für Anleger mit längerem Horizont könnten die Rücksetzer eher eine Kaufchance in einem übergeordneten Aufwärtstrend darstellen. Kurzfristige Schwankungen gehören, vor allem beim Silber, dazu.
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