Shawn Corey Carter, so der bürger­liche Name von Jay-Z, ist einer der Künstler, die den Wandel vom Rap-Star zum Investor erfolgreich vollzogen haben. Heute gehört er zu den ­einflussreichsten Unternehmern der Popkultur

Wer im Herbst 2025 Zohran Mamdanis Wahlkampf um das Bürgermeisteramt von New York verfolgte, kam an einem Song nicht vorbei: „Empire State of Mind“. Unzählige Social-Media-Posts und -Reels wurden mit dieser bassgetriebenen, zeitgenössischen New-York-Hymne unterlegt, die eine urbane, eigensinnige, hoffnungsvolle und stolze Stadt feiert. Der Titel erschien 2009 auf dem elften Studioalbum des Musikers Jay-Z. Während die R & B-Sängerin Alicia Keys als Gast den emotionalen Refrain übernimmt, erzählt Jay-Z in seinen gerappten Strophen seine ganz persönliche New-York-Biografie.

Jay-Z wird 1969 als Shawn Corey Carter in Brooklyn geboren. Er wächst in den Marcy Projects auf, einem sozialen Brennpunkt, der wenig Raum für Träumereien und Illusionen lässt. Drogenhandel, Arbeitslosigkeit und Gewalt prägen seinen Alltag. Schon früh beginnt er mit Hip-Hop, zunächst jedoch ohne große Aussicht auf Erfolg. Die Straße ist Schule und Bühne zugleich. Der junge Shawn rappt bei Blockpartys, nimmt Kassetten auf und feilt an seinem Stil. Er wird so präzise, dass er bis heute dafür bekannt ist, ganze Songs im Kopf zu schreiben, ohne eine Zeile zu notieren. In Jaz-O findet er seinen Mentor und nennt sich nun selbst Jay-Z. Mit einem gemeinsamen Track schaffen sie es vor die Kameras von MTV. Der Auftritt in der Sendung „Yo! MTV Raps“ 1989 zeigt Jay-Z, dass er das Zeug fürs Rampenlicht hat, aber auch, dass Künstler abhängig von Strukturen sind, die sie meist nicht kontrollieren können. Wenn er erfolgreich sein will, muss er die Dinge selbst in die Hand nehmen.


Das eigene Plattenlabel war nur der Anfang

Mitte der 1990er, nachdem die großen Musikverlage ihn immer wieder ablehnen und vertrösten, gründet er mit Damon Dash und Kareem „Biggs“ Burke Roc-A-Fella Records — ein unabhängiges Label, aus eigenen Mitteln finanziert, jenseits der etablierten Plattenindustrie. Ein strategischer Schachzug, der sich fortan durch Jay-Zs gesamtes Unternehmerleben zieht. Es geht darum, die Kontrolle zu behalten, Rechte zu sichern und eigene Marken aufzubauen. Den Durchbruch schafft er 1998 mit seinem zweiten Album „Vol. 2… Hard Knock Life“. Die gleichnamige Singleauskopplung macht ihn weltbekannt, für das Album erhält er seinen ersten Grammy.

Doch statt sich auf dem musikalischen Erfolg auszuruhen, erweitert Jay-Z sein Geschäftsfeld systematisch. 1999 gründet er mit Damon Dash das Modelabel Rocawear, das die Codes der Hip-Hop-Szene — Baggy-Pants, Logo-Hoodies, Caps, Bling-Bling-Accessoires — in ein skalierbares Streetwear-Geschäft übersetzt. Mit Rocawear wird Streetwear Anfang der 2000er zur Massenware, Hip-Hop zur globalen Ästhetik und Jay-Z zum Profiteur eines kulturellen Wandels, den er selbst maßgeblich mitgestaltet.

2001 erscheint „The Blueprint“ — ausgerechnet am 11. September. Das Album gilt heute als Meilenstein des Genres, weil es klassische Soul-Samples mit zeitgenössischer Härte verbindet. Jay-Zs Musik wird persönlicher, politischer, reflektierter. In dieser Phase rückt auch sein privates Leben stärker in den Fokus der Öffentlichkeit. 2002 wird seine Beziehung zu Beyoncé Knowles bekannt, die als Mitglied des Trios „Destiny’s Child“ bereits ein Superstar ist und an der Schwelle zu einer beispiellosen Solokarriere steht. 2003 erweitert Jay-Z sein Imperium mit dem ersten „40/40“-Club in New York. Die Mischung aus Sportsbar und Lounge wird schnell zum Treffpunkt der Pop-Prominenz. Und 2004 dann der Ritterschlag: Jay-Z wird CEO und Vorsitzender von Def Jam Recordings, einem der einflussreichsten Hip-Hop-Labels. Ausgerechnet jenes Label, das ihn Jahre zuvor abgelehnt hatte, steht nun unter seiner Führung. Jay-Z nutzt die Position, um Talente zu fördern, aber auch, um seine Vorstellung von Wertschöpfung im Musikgeschäft durchzusetzen. Seinen Vertrag, der Ende 2007 ausläuft, verlängert er allerdings nicht. Er will wieder Musiker sein und veröffentlicht das Konzeptalbum „American Gangster“. Inspiriert von Ridley Scotts gleichnamigem Kinothriller mit Denzel Washington übersetzt er seine Biografie noch einmal in die Ästhetik des klassischen Gangsterkinos.

Ich bin kein Geschäftsmann, ich bin ein Geschäft, Mann.“

Jay-Z

Von Luxus bis Barcardi, von Fintechs bis Cannabis

Mit der Gründung von Roc Nation 2008 institutionalisiert Jay-Z seine Erfahrungen. Was als Beratungsfirma beginnt, entwickelt sich zu einem Full-Service-­Unternehmen, das Künstlermanagement, Musikverlag und Marketingagentur vereint. Im selben Jahr heiratet er Beyoncé Knowles, die mit ihrem mittlerweile dritten Soloalbum zur globalen Pop-Ikone ­geworden ist.

In den 2010er-Jahren diversifiziert Jay-Z sein Portfolio weiter. Zusammen mit ­Bacardi bringt er 2012 den Cognac D’Ussé auf den Markt, 2013 folgt mit Roc Nation Sports der Eintritt ins Sportmanagement. 2014 kauft er die Luxus-Champagner-Marke Armand de Brignac, deren opulente, metallisch glänzende Flaschen fortan in seinem Umfeld allgegenwärtig sind; einige Jahre später verkauft er die Hälfte der Anteile an Moët Hennessy. 2015 übernimmt Jay-Z den Streamingdienst Aspiro und launcht ihn als Tidal neu. Die Idee: eine Plattform, die von Künstlern getragen wird und ihnen höhere Ausschüttungen verspricht sowie den Hörern Hi-Res-Audio­qualität bietet. Marktführer wird Tidal zwar nicht, doch der Deal setzt ein Signal: Künstler können nicht nur Inhalte liefern, sondern auch Infrastruktur besitzen.

2019, als das Wirtschaftsmagazin ­„Forbes“ ihn zum ersten milliardenschweren Rapper erklärt hat, gründet Jay-Z Marcy Venture Partners, benannt nach seiner alten Wohnsiedlung. Die Firma investiert in Consumer-Brands und Technologie-Start-ups, häufig mit Fokus auf Nachhaltigkeit, Diversität und kulturelle Relevanz. Es ist der vielleicht subtilste Ausdruck seines Aufstiegs: Das Viertel, das ihn einst begrenzte, wird zum Namensgeber einer Plattform, die anderen Gründern den Weg ebnen soll. Auch abseits des klassischen Geschäfts baut Jay-Z Strukturen auf. Über Roc ­Nation mischt er im Sportbusiness mit, berät die amerikanische Football-Liga NFL in Entertainment-Fragen und beteiligt sich an philanthropischen Initiativen, etwa an Projekten zur Reform des US-Strafrechtssystems oder an Stipendienprogrammen für benachteiligte Jugendliche.

In den letzten Jahren verschiebt sich Jay-Zs öffentliches Profil vom Rapper zum Investor, vom Performer zum Kurator. Neue Alben erscheinen seltener, seine Beteiligungen an Cannabismarken, Fintech-Unternehmen oder nachhaltigen Lifestyle-Brands treten stärker in den Vordergrund. 2021 verkauft er die Mehrheit von Tidal an Jack Dorseys Firma Square, heute Block, und verlagert seinen Einfluss noch deutlicher in den Bereich der Technologie- und Finanzplattformen. Wenn er dennoch auf der Bühne steht, dann oft als Gast oder bei ausgewählten Auftritten, bei denen sein Songkatalog längst als Kanon des Hip-Hop gilt.

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Kevin Mazur/Roc Nation/Getty Images, Kevin Mazur/Parkwood Entertainment/Getty Images, Julia Beverly/Archive Photos/Getty Images , Nathaniel S. Butler/NBAE/Getty Images, Armand de Brignac, Rocawear, Dusko Jaramaz/PIXSELL/picture alliance/dpa, D‘USSÉ Cognac/Bacardi, Roc-A-Fella Records

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