Auf dem Tenniscourt war er die Präzision in Person. Heute zeigt der Schweizer, wie Stil, Disziplin und Timing auch jenseits des Sports Werte schaffen.

Die Australian Open vor wenigen Wochen: Vor dem offiziellen Beginn des ersten Grand-Slam-Turniers des Jahres treten die australischen Tennislegenden Patrick Rafter und Lleyton Hewitt in einem Show-Doppel gegen Andre Agassi und Roger Federer an. Nicht alle Schläge der Ex-Profis sitzen perfekt, doch das macht nichts. Federer und Agassi gewinnen das Spiel trotzdem. Sein letztes Spiel in Melbourne als Profi hat Roger Federer im Januar 2020 bestritten. Damals verliert er im Halbfinale gegen Novak Djokovic in drei Sätzen. Sechs Jahre später ist der 44-Jährige zurück, nicht als Spieler, sondern als lebende Legende. Den Schläger nimmt er heutzutage ausschließlich zum Spaß in die Hand. Anders als Djokovic, der das Show-Doppel aus der ersten Reihe verfolgt und am folgenden Tag ein weiteres Mal ins Titelrennen einsteigt. Federer spielt jetzt in einer anderen Liga. Seit Sommer letzten Jahres gehört er zu den wenigen Athleten, die es in den Milliardärsklub geschafft haben. Seine 130,6 Millionen US-Dollar Preisgeld aus 24 Tennis-Jahren machen davon nur einen Bruchteil aus. Seine finanzielle Erfolgsgeschichte schreibt Federer abseits des Courts.

Die sportliche Geschichte hingegen beginnt bereits im Alter von acht Jahren. Doch anders als viele seiner Konkurrenten gilt er als Jugendlicher keineswegs als Ausnahmetalent. Er ist viel zu hitzköpfig, flucht und schmeißt gern seinen Schläger von sich, wenn etwas nicht klappt. So verliert er viele Spiele, die er vom reinen Können her eigentlich gewinnen hätte müssen. Erst Anfang der 2000er, nach intensiver Arbeit an Mentalität, Fitness und Verhalten, wird aus Roger Federer das scheinbar mühelose Ausnahmetalent, als das er heute wahrgenommen wird. Viel mehr noch: Es ist gerade seine Eleganz auf dem Platz, die die Zuschauer begeistert und die zu seinem Markenzeichen wird. 2003 kann er erstmals das Finale in Wimbledon für sich entscheiden und läutet damit eine beispiellose Karriere ein. In den folgenden zwei Jahrzehnten gewinnt er 20 Grand-Slam-Titel, befindet sich 310 Wochen an der Spitze der Weltrangliste und erringt 103 Turniertitel.

Federer ist sich jedoch schon früh da­rüber im Klaren, dass sein Leben im Profisport endlich sein wird. Er geht langfristige Werbedeals ein, die ihm ein lukratives Einkommen jenseits des Tennisplatzes sichern. Mit dem Ausrüster Wilson unterhält er einen lebenslangen Vertrag über etwa 3,5 Millionen Dollar jährlich. Seit 2006 ist er Markenbotschafter von Rolex für geschätzte acht Millionen Dollar pro Jahr. Mercedes-Benz zahlt ihm seit 2008 etwa fünf Millionen Dollar jährlich und stellt ihm alle sechs Monate ein neues Fahrzeug zur Verfügung. Als erster globaler Markenbotschafter von Lindt & Sprüngli hat er rund 20 Millionen Dollar verdient. Ebenso bestehen Partnerschaften mit UBS, Moët & Chandon und Jura. Für Schweiz Tourismus arbeitet er unbezahlt. Es ist sein Beitrag ans Heimatland.

Mentale Stärke ist einer der wichtigsten Faktoren für eine erfolgreiche Karriere.“

Roger Federer

Uniqlo schnappt sich Federer

Ein stattlicher Anteil dieser Einnahmen fließt in die Roger-Federer-Foundation, die er 2004 ins Leben ruft. Der Fokus der Stiftung liegt auf frühkindlicher Bildung in sechs afrikanischen Ländern und der Schweiz. Der Ansatz: keine Warenlieferungen, sondern Empowerment durch Zusammenarbeit mit lokalen Partnern. Die Verbindung zu Afrika ist für Federer persönlich, denn seine Mutter stammt aus Südafrika. 2018 kündigt Federers langjähriger Ausstatter Nike die Kooperation. Der Schweizer ist damals 37 Jahre, sein Karriereende scheint nahe und für den US-Giganten unter den Sportartikelherstellern ist Federer plötzlich zu alt, um weiterhin als Testimonial zu gelten. Eine Kränkung, keine Frage. Doch Federer gelingt da­raufhin ein weitaus besseres Geschäft. Der japanische Textilriese Uniqlo sichert sich die Zusammenarbeit mit ihm für zehn Jahre und lässt sich das 300 Millionen Dollar kosten. Federer unterschreibt damit einen der lukrativsten Sponsorenverträge der Sportgeschichte, der auch über sein Karriereende hinaus läuft.

Roger Federer verdient sein Geld neben dem Tennisplatz jedoch nicht nur damit, dass er für Produkte und Marken freundlich in die Kameras lächelt. Er wird auch selbst aktiv. 2013 gründet er gemeinsam mit seinem Agenten Tony Godsick die Sportmanagementfirma Team8. Die Boutique-Agentur vertritt neben Federer selbst auch aufstrebende Tennisstars wie Coco Gauff und Ben Shelton. Team8 berät Marken, investiert in Unternehmen wie Universal Tennis und kreiert Events. Das prestigeträchtigste Projekt ist der Laver Cup, ein nach Tennislegende Rod Laver benanntes Mannschaftsturnier im Ryder-­Cup-Format, bei dem Europa gegen den Rest der Welt antritt. 2022 spielte Federer dort sein letztes Match, an der Seite von Rafael Nadal. Seit 2017 ist der Laver Cup ein ATP-Event und generiert jährlich über 20 Millionen Dollar. Team8 hält die Mehrheit, weitere Investoren sind der brasilianische Milliardär Jorge Paulo Lemann und Tennis Australia. Mit Discovery konnte ein Zehnjahresvertrag für die Medienrechte abgeschlossen werden.

Mit On zum Megaerfolg

Die gewinnbringendste Entscheidung traf Federer 2019. Seine Frau Mirka und Freunde schwärmten von den Laufschuhen der Schweizer Marke On Running. Federer testete sie selbst und war begeistert von der Innovation des Unternehmens. Statt eines klassischen Sponsorenvertrags bot er den Gründern etwas anderes: Er investierte geschätzte 50 Millionen Dollar und sicherte sich etwa drei Prozent der Unternehmensanteile. Als On 2021 an die Börse ging, betrug die Bewertung elf Milliarden Dollar. Heute liegt die Marktkapitalisierung bei rund 20 Milliarden Dollar. Seriöse Schätzungen gehen davon aus, dass Federers Anteil heute mindestens 600 Millionen Dollar wert ist, weit mehr als das Vierfache seiner Tennis-Preisgelder. Der Erfolg kommt nicht von ungefähr: Federer ist tief in die Produktentwicklung involviert. Mit „The Roger“ entwirft er seit 2021 seine eigene Schuhkollektion. Für das Unternehmen gilt er als der entscheidende Beschleuniger für die globale Expansion. 2025 tritt Federer sogar in einem Super-Bowl-Werbespot auf — ein untrügliches Zeichen dafür, dass sich On sukzessive von einem Nischen-Laufschuh zu einer Lifestylemarke entwickelt.

Außerdem hat er in ein chilenisches Start-up für pflanzenbasierte Lebensmittel investiert. NotCo produziert unter Marken wie NotMilk, NotBurger, NotIceCream und NotMayo pflanzliche Alternativen und vertreibt diese in mehreren Ländern Nord- und Südamerikas. Das Food-­Techunternehmen wird heute mit 1,5 Milliarden Dollar bewertet und kann neben Federer auch Sportgrößen wie Lewis Hamilton und Tiger Woods zu seinen Investoren zählen. Federer beweist damit, dass die erfolgreichste Karriere manchmal erst nach dem letzten Matchball beginnt.

On Holding AG (WKN: A3C20K)
5125_Investoren_02.jpg
Bob Thomas Sports Photography/Getty Images, Clive Brunskill/ALLSPORT/Getty Images, AFP/Getty Images, On, GLYN KIRK/AFP/Getty, GLYN KIRK/AFP/Getty, Lindt

Investieren wie die Milliardäre

Mit dem „Best of Billionaires-Index“ von BÖRSE ONLINE erhalten Sie alle Top-Picks von vier Börsenlegenden in einem Zertifikat. Wie das geht, erfahren Sie hier

Lesen Sie auch

Gold-Milliardär wettet jetzt gegen Silber – und geht für 300 Millionen Dollar Short

oder

Er sieht nicht nur gut aus: Dieser Hollywood-Filmstar ist auch ein Finanzfuchs