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Elektrofahrzeuge: Der Boom geht erst los

Elektrofahrzeuge: Der Boom geht erst los
05.07.2021 06:36:17

Anlagestrategie: Die Corona-Pandemie sorgte 2020 weltweit für einen Absatzeinbruch bei den Autoherstellern. Nun brummt das Geschäft wieder - aber vor allem mit batteriegetriebenen Fahrzeugen. Von Gastautor Thomas Davis

Als die Covid-19-Pandemie im vergangenen Jahr die Mobilität weltweit drastisch einschränkte, sagten nur wenige Branchenanalysten ein starkes Wachstum für Elektrofahrzeuge voraus. Und doch war es ein hervorragendes Jahr. Auch wenn der gesamte Autoverkauf um 15 Prozent zurückging, verkauften die Autohersteller 2020 etwa drei Millionen Elektrofahrzeuge, ein Anstieg von 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Angesichts einer für die Branche prognostizierten jährlichen Wachstumsrate von über 20 Prozent von 2019 bis 2027 kann davon ausgegangen werden, dass der Boom der Elektrofahrzeuge erst am Anfang steht. Sobald die richtige Infrastruktur aufgebaut ist und die Fähigkeiten des autonomen Fahrens verbessert werden, sind neue Mobilitätstrends wie Mitfahrgelegenheiten, Robotaxis und In-Car-Monetarisierungsdienste zu erwarten.

Da sich die Technologien verbessern und die Sicherheit steigt, die Kosten sinken und der Komfort und die Auswahl zunehmen, entscheiden sich die Verbraucher zunehmend für Elektrofahrzeuge. Die Industrie nähert sich nun einem Wendepunkt, an dem sie sich von einer relativ kleinen Gruppe von Früheinsteigern in Richtung Massenakzeptanz entwickelt. Drei große Trends tragen dazu bei, dieses Wachstum voranzutreiben: Erstens erhöhen die niedrigen Batteriekosten die Wirtschaftlichkeit. Eine Batterie des Tesla Model 3 (82 kWh) kostet heute etwa 12 000 US-Dollar, verglichen mit über 90 000 US-Dollar vor zehn Jahren. Zweitens verlängern die höheren Batteriekapazitäten die Reichweite. Im Jahr 2020 legten Elektrofahrzeuge mit einer Akkuladung durchschnittlich 300 Kilometer zurück, wobei das Tesla Model S Long Range Plus AWD die größte Reichweite von bis zu 390 Meilen bot. Es wird erwartet, dass bis 2030 die durchschnittliche Reichweite 440 Kilometer erreichen wird. Drittens verbessern mehr Ladestationen die Benutzerfreundlichkeit. Neue Technologien, die die Ladezeit von Lithium-Ionen-Batterien um das Fünffache beschleunigen, treiben das Wachstum von Schnellladestationen voran.

Um die verheerendsten Auswirkungen des Klimawandels zu vermeiden, führen Staaten weltweit Infrastrukturpläne ein, um ihren CO2-Fußabdruck zu reduzieren. Da benzin- und dieselbetriebene Fahrzeuge die Hauptverursacher von Luftschadstoffen sind, wird die Elektrifizierung der globalen Transportindustrie entscheidend sein, um diese Bestrebungen voranzutreiben.

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Um die Verbraucher zum Kauf von Elektrofahrzeugen zu bewegen, bieten staatliche Stellen Rabatte, Preisnachlässe und/oder Einkommensteuergutschriften an, um die Gesamtkosten zu reduzieren - in einigen Fällen um etwa 10 000 US-Dollar pro Fahrzeug. Da jedoch die Batteriekosten sinken und Elektrofahrzeuge die Preisparität mit Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor erreichen, werden die staatlichen Subventionen schrittweise abgebaut und durch andere Anreize ersetzt. Auf der Produktseite zwingen die Regulierungsbehörden die Autohersteller, ihre Pläne zur Markteinführung von Elektrofahrzeugen zu beschleunigen, indem sie die Emissionsstandards aggressiv verschärfen. Fossile Brennstoffe sind zwar reichlich vorhanden, aber Rohstoffe wie Nickel, Kobalt und Lithium, die für die Herstellung von Batterien und Fahrzeuge verwendet werden, sind knapp.

Es wird erwartet, dass die globale Automobilindustrie bis 2030 zu einem Neun-Billionen-Dollar-Markt heranwächst. Weltweit ist eine Flut von neuen Modellen in der Planung, darunter Autos, Linienbusse, Lastwagen aller Größen und sogar große Sattelschlepper. Unangefochtener Marktführer für Elektrofahrzeuge ist dabei Tesla - und wird es wohl auch noch länger bleiben. Die Transformation der globalen Automobilindustrie wird enorme Auswirkungen auf Wirtschaft, Gesellschaft und Investoren haben. Die Nutzung der neuen Mobilitätschancen erfordert den Weitblick, große säkulare Themen zu erkennen, und die Fähigkeit, die zukünftigen Gewinner frühzeitig zu identifizieren.

 


Thomas Davis

Davis studierte Wirtschaft unter anderem am Dartmouth College. In der Folge arbeitete er als Analyst und Fondsmanager bei verschiedenen Unternehmen. Seit 2011 ist er bei Jennison Associates. Jennison Associates gehört zu PGIM, dem globalen Vermögensverwalter der Prudential Financial, der mit einem verwalteten Vermögen von über einer Billion US-Dollar zu den zehn größten Vermögensverwaltern weltweit zählt.


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