AXEL RETZ

Klare Marke

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WKN: 925637 ISIN: JP3944130008 USS Co LtdShs

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14.07.2020 - 08:05
19.06.2015 07:31:00

Während sich die Finanzmärkte schon mal warmgezittert haben, geht die griechische Posse auf den letzten Akt zu. Sagen die Medien. Aber noch wahrscheinlicher ist es, dass dieses Schmierentheater Überlänge hat und wir noch lange zuschauen dürfen, wie die uns einmal präsentierte Rechnung steigt und steigt. Kurzfristig mag es den Märkten nutzen, auf Sicht aber kommt, was kommen muss. Und wann es kommt, dafür gibt es klare Marken.

von Axel Retz

Irgendwie erinnert das Griechenlanddebakel an Tarifverhandlungen der übleren Art: Obwohl beide Seiten wissen, dass am Ende nur ein Kompromiss die Lösung bringen kann, jagt ein Verhandlungsmarathon den nächsten; gegenseitig bezichtigt man sich der Unbeweglichkeit, stellt unerfüllbare Bedingungen und skizziert der Gegenseite die vernichtenden Folgen ihres Tuns. Das lähmt die Anleger. Dabei gibt doch auch Besseres!

Für Griechenland ist die Sache recht einfach: Angeboten werden Athen von "den Institutionen" weitere Milliarden, die das Land aber gar nicht bekommt, sondern die einfach auf die Konten eben dieser Institutionen (vornehmlich des IWF) gebucht werden. Griechenland hätte nach Auszahlung der nächsten Tranche des sgn. Rettungspakets also nicht einen einzigen Euro mehr, dafür aber noch einmal neue Schulden. Und wenn es nach dem Willen der Geldgeber geht, weitere Rentenkürzungen, Steuererhöhungen und Privatisierungen zu verkraften, um dann in ein paar Monaten wieder zum Bittsteller werden zu müssen. Dass Athen eine derartige Hilfe nicht als solche empfindet, ist nachvollziehbar.

Griechenlands Schulden, ich schreibe es schon sehr lange, kann man in den Wind schreiben. Wie hoch die Summe dabei ist, das hängt einzig davon ab, wie lange sich die Verantwortlichen dieser Erkenntnis noch verweigern. Und der im April aus dem Amt scheidende Ifo-Chef Sinn hat natürlich Recht mit dem Hinweis, dass jeder weitere Tag der Insolvenzverschleppung nur noch mehr Geld kostet.

Einen etwas hinter den Kulissen wirkenden Verbündeten hat Griechenland allemal. Die USA. Was aus dem Blickwinkel geo- und machtpolitischer Interessen nachvollziehbar ist. Den Vereinigten Staaten kann nicht daran gelegen sein, dass sich an der Südflanke der NATO Lücken öffnet und Athen sich gar dem als Erzfeind wiederbelebten Russland zuwendet. Die recht unverhohlene Drohung der USA, die Wirtschaftsbeziehungen zu Europa ggf. auf den Prüfstand zu stellen und sich vermehrt im asiatisch-pazifischen Raum zu engagieren, sollte aber nicht allzu ernst genommen werden.

Denn erstens würden sich die Vereinigten Staaten damit selbst ins Knie schießen und zweitens bildet sich im asiatisch-pazifischen Raum seit einigen Monaten ein neues Wirtschafts- und Finanzkonglomerat heraus, das sich ausdrücklich als Alternative zu Dominanz des US-Dollars, der Weltbank und des IWF sieht.

Die Chance bzw. das Risiko, dass sich Europa auf weitere Kredite für Griechenland einigt, ist daher m. E. ausgesprochen hoch, zumal Kanzlerin und Finanzminister im Falle der "Pleite" Griechenlands politisch erheblichen Schaden nähmen. Grexit oder nicht - das ist auch ein Votum über das Verhältnis Europas und der USA. Der DAX konnte sich faktisch nie aus dem Schatten des Dow Jones lösen, egal wie konträr die Wirtschaftsentwicklung der USA und Deutschlands war. Kein Gesetz der Welt aber besagt, dass die europäische und auch die deutsche Politik weiterhin ohne Selbstbewusstsein auftreten muss. Wenn die USA EU-Sanktionen gegen Russland einfordern und im Gegenzug ihren eigenen Handel mit Russland massiv ausweiten, dann passt (auch da) etwas nicht mehr im europäisch-amerikanischen Verhältnis. Oder anders gesagt: Sanktionen einzufordern, um selbst davon zu profitieren, das geht gar nicht unter Freunden. Anscheinend aber doch, Frau Merkel, Herr Schäuble, Herr Juncker und Herr Schulz.

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Bildquelle: Axel Retz

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