KOLUMNE

Max Otte: Jede Hausse hat ein Ende

Max Otte: Jede Hausse hat ein Ende

WKN: 920332 ISIN: US38141G1040 Goldman Sachs

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17.07.2019 - 09:05
05.04.2018 03:20:00

Die Märkte sind nervös wie schon lange nicht mehr. Für Anleger ist es Zeit, Vorsicht walten zu lassen.

Der Crash kommt noch in der Amtszeit von Donald Trump. Und er wird massiv sein. Auf dem Fondskongress in Mannheim im Januar war ich der Einzige, der in seinem Vortrag sehr deutlich davor warnte, dass es so nicht ewig weitergehen könne. Die Börsen hatten gerade einen fulminanten Jahresstart hingelegt. Doch ich war der Einzige, der deutlich warnende Worte aussprach. Meine Kollegen flochten zwar hier und da auch ein Wort der Vorsicht ein, im Großen und Ganzen waren sie aber für die nahe Zukunft optimistisch. Die Märkte taten mir den "Gefallen" und begannen eine Woche nach meinem Vortrag massiv zu fallen. Und so manch einer möchte sich da fragen: Hat der "Crashprophet" Max Otte wieder zugeschlagen?



Ich habe mich immer gegen diese Bezeichnung gewehrt. Ich betreue Aktienfonds und bin Investor. Im März 2009, als die meisten noch in Schockstarre verharrten, riet ich zu Vollgas bei Aktien und habe meine Meinung seitdem nicht geändert, trotz Eurokrise ab 2010 und manch anderer kleinerer Beben. Aber nun werde ich wieder vorsichtiger und halte mich an den Vorschlag des Superinvestors Warren Buffett: "Werde vorsichtig, wenn die anderen gierig werden." Und Gier haben wir vor Kurzem bereits erleben dürfen - bei Bitcoin und anderen Kryptowährungen.


Bereits im November kam die US-Investmentbank Goldman Sachs mit einer pessimistischen Prognose zu den Märkten heraus. Die US-Investmentbank mit enormem politischem Einfluss warnte, dass die Bewertungen vieler Anlageklassen so hoch seien wie zuletzt im Jahr 1900 und dass sich das irgendwann in "Schmerzen" für die Investoren niederschlagen würde. Alle Vermögensklassen würden in der Zukunft weniger abwerfen. Und ein sprunghafter Anstieg der Inflation könnte schnelle Schmerzen hervorrufen.

Der US-Vermögensverwalter GMO prognostiziert, dass die breiten US-Indizes im Schnitt eine negative Rendite von vier Prozent pro Jahr abwerfen werde. Einfach, weil sie so teuer seien und die Bewertungen irgendwann zurückkommen müssten. Tatsächlich: Das Shiller-KGV ist so hoch wie nur in zehn Prozent der Zeit, die Preise für US-Staatsanleihen sind ebenfalls hoch, und auch der Spread zu riskanteren Anleihen ist sehr niedrig.

Es wird also Zeit, vorsichtiger zu agieren. Einerseits können Sie beginnen, die Liquiditätsquote schrittweise zu erhöhen. Das erfordert viel Disziplin. Vor allen sollte es nicht auf einmal erfolgen, und schon gar nicht, wenn gerade eine Korrektur im Gang ist. Außerdem können die Börsen auch vom heutigen Niveau noch 20, 30, 40 Prozent steigen, bevor der Absturz beginnt. Er erfordert dann schon ziemliche Nervenstärke, Liquidität zu halten.

Keiner weiß, wann die nächste scharfe Korrektur kommt - ich am wenigsten. Aber wir wissen, dass vieles mittlerweile teuer ist. Und dass diese Hausse die zweitlängste seit Ende des Zweiten Weltkriegs ist. Also sollten wir Schritt für Schritt vorsichtiger werden, genauso, wie ich 2009 zu Vollgas für Aktien geraten habe.

Aber selbst in teuren Märkten lassen sich noch interessante Aktien finden. Der ETF-Boom trägt das Seine dazu bei, denn dadurch, dass Indexfonds automatisch kaufen, sind einige Segmente des Markts überkauft, während andere links liegen gelassen werden. In meiner nächsten Kolumne werde ich Ihnen einige Aktien vorstellen, die auch im jetzigen Umfeld noch interessant sind.

Prof. Dr. Max Otte ist Herausgeber des wöchentlichen Börsenbriefes DER PRIVATINVESTOR (www.privatinvestor.de) und Gründer sowie Hauptgesellschafter der IFVE Institut für Vermögensentwicklung GmbH.

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Bildquelle: Finanzen Verlag