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Robert Halver: Je mehr mit dem Aktien-Crash rechnen, desto weniger wird er kommen

Robert Halver: Je mehr mit dem Aktien-Crash rechnen, desto weniger wird er kommen
27.06.2017 09:00:00

Statt Inflationsängsten wird jetzt das Gegenteil befürchtet. Neben dem "Trump-Defekt" wirken vor allem die fallenden Ölpreise der Reflationierung entgegen. Ist jetzt also die Zeit für einen massiven Aktiencrash gekommen? Bereits zu früheren Zeiten haben schwache Öleinnahmen die Staatsfonds der Ölförderländer veranlasst, Aktien großvolumig zu verkaufen. Ohnehin sind diese hoch bewertet.



Und sprechen nicht ebenso die Saisonalität und der im Vergleich überlange Haussezyklus für eine nachhaltige Aktientrendwende? Tatsächlich warten die Crashpropheten sehnsüchtig auf den Tag X.



Die fundamentalen Aktien-Bäume wachsen nicht in den Himmel



Seit Anfang 2016 hat die globale Konjunkturstabilisierung ihre Wirkung auf Aktien nicht verfehlt. So ist der Zusammenhang zwischen dem seit Anfang 2016 ansteigenden ökonomischen Überraschungs-Index für die Weltwirtschaft der Citigroup - er misst positive bzw. negative Abweichungen der tatsächlichen von den zuvor getroffenen Analysteneinschätzungen - und steigenden Aktienkursen eindeutig. Allerdings zeigt dieser Gleichlauf seit Ende März einen gravierenden Strukturbruch: Während der weltweite Aktienmarkt auf nahezu Allzeithoch verharrt, ist der Überraschungs-Index massiv vom positiven in negatives Terrain gefallen.




Hier ist zwar von Einschätzungsverfehlungen die Rede, die nicht mit Rezession gleichzusetzen sind. Dennoch ist ein fundamentales Handicap für Aktien gegeben. Die ausbleibenden Wirtschaftsimpulse der Trump-Administration und schwache Ölpreise, die in der Vergangenheit oft mit schwächerer Rohstoffnachfrage in Verbindung gebracht wurden, werden auch aktuell als Menetekel für eine schwächere Weltkonjunktur betrachtet.

Doch sollte sich der Konjunkturpessimismus in Grenzen halten. Auch wenn die großen Konjunkturhoffnungen in Amerika nicht erfüllt werden, wird die US-Regierung dennoch Konjunkturmaßnahmen ergreifen, um die US-Wirtschaft zumindest ansatzweise zu fördern. Die Angst vor dem politischen Machtverlust im Kongress an Demokraten im Herbst 2018 diszipliniert den aktuellen Streit in der republikanischen Partei.

Was Öl angeht, so hält sich die Nachfrage im Trend auf hohem Niveau. Insofern lässt sich aus dem Ölpreisverfall keine Wirtschaftsschwäche ableiten. Der Preisverfall ist hausgemacht durch die Indisziplin der Opec und ein Ölszenario, das das Förderkartell und Russland zu einem Dauerverlierer macht. Kürzt die Opec die Produktion, steigt zwar kurzfristig der Preis, doch damit auch die Rentabilität der alternativen Fördermethode. Und dann frackt Amerika, was der Schiefer hergibt, die Ölfördermenge steigt und der Ölpreis sinkt wieder. Insofern hat Öl kein nachhaltiges Aufwärtspotenzial.



Immerhin stärkt der schwache Ölpreis die Kaufkraft der Verbraucher und liefert insofern einen Wachstumsimpuls.

Grundsätzlich bleibt die fundamentale Konjunktursituation in der Eurozone stabil. So bewegt sich ihr Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe weiterhin sehr komfortabel im Expansion anzeigenden Bereich. Gleichermaßen positiv entwickelt sich das mit dem Einkaufsmanagerindex in engem Zusammenhang stehende Gewinnwachstum in der Eurozone. Sehen so etwa die Zutaten für einen Aktiencrash aus?



Eine lockere Geldpolitik bleibt die Kernbotschaft für die Aktienmärkte



Durch einerseits Zinserhöhungen der US-Notenbank und andererseits wegen abflachendem Inflationsdruck sinkenden Anleiherenditen hat sich die Zinsstrukturkurve in den USA seit Ende 2016 deutlich abgeflacht. Es gilt: Je geringer die Steilheit der Zinsstrukturkurve, desto geringer ist der konjunkturelle Impuls.



Denn dann ist die Fristentransformation - Geld zu günstigen Zinsen ausleihen und zu höheren Renditen anlegen - geschwächt. Sollte die US-Notenbank die Zinsen trotz geringem Preisdruck dennoch weiter anheben, würde sie die Konjunktur überbelasten. Doch ist nicht zu erwarten, dass die Fed Deflationsrisiken weiter Vorschub leistet. Damit geht den Aktienmärkten das Argument der ultralockeren Geldpolitik nicht verloren.

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