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SPACs: Echte IPO-Alternative für Unternehmen

SPACs: Echte IPO-Alternative für Unternehmen
11.06.2021 16:00:19

2021 haben Special Purpose Acquisition Companies (SPACs) an Popularität gewonnen und entwickeln sich zu einer echten Alternative für Unternehmen, um an den Kapitalmarkt zu kommen. Von Julian Riedlbauer und Richard Hartweck

SPACs sind Mantelgesellschaften, die nur gegründet werden, um bei ihrem Börsengang Investorengelder zu sammeln. SPACs werden in der Regel von Experten aus dem Investmentbanking- und Private-Equity-Bereich oder von Industrieexperten gegründet. Diese Sponsoren eines SPAC verwenden das Kapital, um in wachstumsstarke Unternehmen (Targets) zu investieren. Üblicherweise hat die Mantelgesellschaft zwölf bis 24 Monate Zeit, ein Target zu identifizieren, bleibt die Suche erfolglos, erhalten alle Investoren ihre Investments zurück. Wurde ein passendes Target selektiert, folgen die üblichen Merger-Prozesse. Beim abschließenden De-SPACing-Prozess stimmen die Sponsoren gemeinsam mit den Endinvestoren auf einer Hauptversammlung über die Transaktion ab. Bei diesem Schritt haben Investoren die Möglichkeit, dem Deal zu widersprechen und ihr Investment zurückzuerhalten. Wird der Deal genehmigt und sind alle regulatorischen Kriterien erfüllt, wird das Target vom SPAC übernommen. Anschließend ist das Unternehmen offiziell an der Börse gelistet, der Name wird an den des Targets angepasst.

Für wachstumsstarke Unternehmen wie Techunternehmen und Start-ups kann ein SPAC-IPO im Vergleich zu einem herkömmlichen IPO einen schnelleren Weg an die Börse darstellen. Durch die ausbleibenden Roadshows und Vorbereitungen wird das Management des Unternehmens weniger stark beansprucht und der Zeitraum bis zu einem Börsengang kann um mehrere Monate kürzer ausfallen. Auch die geringeren Zeichnungsgebühren machen SPAC-Deals für Zielunternehmen attraktiv. Betrachtet man einen traditionellen IPO, so erhalten die beteiligten Konsortialbanken in der Regel eine Underwriting Fee von circa fünf bis sieben Prozent des Brutto-IPO-Erlöses. Bei einem SPAC-IPO dagegen zahlen die Sponsoren zwei Prozent des Bruttoerlöses beim Abschluss des IPOs, und weitere 3,5 Prozent werden nach dem erfolgreichen De-SPACing-Prozess auf den kombinierten Unternehmenswert gezahlt.

Bewertungsverhandlungen finden bei einem SPAC bereits in einem frühen Projektstadium statt, und zwar ausschließlich vertraulich zwischen Target und Sponsor. Beim IPO dagegen, bei dem eine Investmentbank zwischen Unternehmen und Investor vermittelt, geschieht die Preisgestaltung und Investorenauswahl hauptsächlich über Angebot und Nachfrage. Dieser Prozess kann sich für das Zielunternehmen als sehr risikoreich erweisen, da Marktwidrigkeiten oder andere Ereignisse das Projekt verzögern oder stoppen können.

SPACs bieten Investoren eine weitere Möglichkeit, sich schon früh an interessanten börsennotierten Firmen zu beteiligen. Bis zum Zeitpunkt der Übernahme verdienen sie an den Zinsen auf die SPAC-Anteile und halten sich alle Optionen offen, jederzeit von dem Investment zurücktreten zu können. Allerdings ist auch auf eine mögliche Kapitalverwässerung der Aktien hinzuweisen. SPACs geben bei ihrem Weg an die Börse Aktien, Optionsscheine und Rechte an Parteien ab, die keine Barmittel zur Fusion beisteuern, wodurch diese "kostenlosen" Wertpapiere den Wert der Aktien verwässern. An Investoren erstattete Anteile können den Wert weiter schmälern. Negative Schlagzeilen über SPACs, die zuletzt aus den USA kamen, gehen zuallermeist auf die Aktivitäten unerfahrener Investoren zurück. Mittlerweile wird darauf geachtet, dass die Interessen der Sponsoren und die des Übernahmeziels stärker zur Deckung kommen. Zusätzlich wird die Sponsorship-Struktur vermehrt so aufgesetzt, dass die Sponsoren geringere Beteiligungen erhalten und ihr Investment längerfristig angelegt ist.

Werden alle vorhandenen Sicherheitsmechanismen angewendet und agieren gleichzeitig alle Beteiligten transparent, stellen SPACs langfristig sowohl eine weitere Option für den Zugang zum Kapitalmarkt als auch ein interessantes Investmentziel dar.
 


Julian Riedlbauer und Richard Hartweck

Riedlbauer (l.) ist Partner und Leiter der deutschen Niederlassung von GP Bullhound, einem internationalen M & A-Beratungs- und Techinvestment-Unternehmen, Hartweck ist dort Analyst. GP Bullhound bietet Unternehmern und Gründern Transaktionsberatung und Zugang zu Kapital. Das 1999 gegründete Unternehmen hat über 500 Mandate abgeschlossen und heute Niederlassungen in den USA, Europa und Asien.
 


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