Bislang ist es der Terminbörse Comex mit ihren beiden im Dezember verkündeten Margin-Erhöhungen nicht gelungen, den Silberpreis zu beruhigen. Der profitiert derzeit von der Suche nach sicheren Häfen und strebt weiter in Richtung 80-Dollar-Marke.

Wichtig zu wissen: An der Comex wird Silber unter anderem über standardisierte Futures gehandelt. Ein Silber-Future-Kontrakt bezieht sich auf 5.000 Feinunzen Silber. Wer einen solchen Kontrakt kauft (Long) oder verkauft (Short), verpflichtet sich wirtschaftlich, diese Menge Silber zu einem festgelegten Termin zu handeln – allerdings ohne den vollen Gegenwert sofort bezahlen zu müssen. Stattdessen verlangt die Börse eine Margin, also eine Sicherheitsleistung. Diese Margin stellt eine Art Pfand dar, das sicherstellen soll, dass der Marktteilnehmer potenzielle Verluste begleichen kann. Es gibt zwei zentrale Margin-Arten: die Initial Margin und die Maintenance Margin.

Wie Silber-Futures funktionieren

Die Initial Margin ist der Betrag, der beim Öffnen einer Position hinterlegt werden muss. Sie wird von der Börse festgelegt und liegt typischerweise deutlich unter dem tatsächlichen Marktwert der 5.000 Unzen. Wer also einen Silber-Future „bewegen“ möchte, muss nicht den Silberwert bezahlen, sondern lediglich diese Sicherheitsleistung.

Die Maintenance Margin definiert die Mindesthöhe, die das Margin-Konto dauerhaft haben muss. Läuft der Silberpreis nun in die „falsche“ Richtung – also fällt bei einer Long-Position oder steigt bei einer Short-Position – entstehen tägliche Buchverluste. Diese werden dem Margin-Konto belastet. Sinkt der Kontostand unter die Maintenance Margin, erfolgt ein Margin Call: Der Händler muss zusätzliches Geld nachschießen. Geschieht dies nicht, kann die Position zwangsweise geschlossen werden.

Wichtig ist: Beide Seiten eines Kontrakts, also Käufer und Verkäufer, müssen diese Margin hinterlegen. Der Markt ist dadurch täglich ausgeglichen, Gewinne und Verluste werden fortlaufend verrechnet.

Silber (WKN: 965310)

Erhöhte Comex-Margins verpuffen

Am 23. und 31. Dezember hat die Comex die Margin-Anforderungen für Silber-Futures deutlich angehoben. Grundsätzlich ordnet die Comex ihre Kundenkonten in „HRP“ und „Non-HRP“ ein, wobei „HRP“ für Heightened Risk Profile – also ein erhöhtes Risikoprofil steht. In einem ersten Schritt erfolgte vor Weihnachten eine Anhebung sämtlicher Margins um 13,6 Prozent und vor dem Jahreswechsel griff sogar eine weitere Anhebung um 30 Prozent. Solche Erhöhungen erfolgen meist dann, wenn die Terminbörse ein erhöhtes Risiko sieht – etwa durch starke Preisschwankungen, außergewöhnlich hohe Handelsvolumina oder geopolitische Unsicherheiten. Die Bedeutung solcher Margin-Erhöhungen sollte nicht unterschätzt werden, da sie dem Markt Liquidität entziehen können, weil für den Handel der Kontrakte mehr Kapital benötigt wird. Gerade im Silbermarkt hatten in der Vergangenheit Margin-Anpassungen oft spürbare Auswirkungen auf den Silberpreis und dessen Volatilität.

Fazit: Dass diese Sicherheitsleistungen erhöht wurden, macht angesichts der im vergangenen Jahr registrierten Silber-Rally und dessen wilde Preisausschläge durchaus Sinn. Dass das Weißmetall sich dennoch nicht verbilligt hat, spricht für dessen relative Stärke, wenngleich auf dem erhöhten Niveau eine technische Korrektur weiterhin möglich ist. Auf einen Trendwechsel nach unten sollten Anleger jedoch lieber nicht wetten.

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