Eine Schwäche der Weltleitwährung Dollar galt an den Finanzmärkten früher als Nachteil für Goldanleger in Europa. Doch dieser Zusammenhang hat an Aussagekraft verloren – und spricht heute sogar für die Krisenwährung.
Gold wird weltweit in Dollar gehandelt. Fällt der Dollar gegenüber dem Euro, kann der Goldpreis zwar in Dollar steigen – in Euro gerechnet blieb der Wertzuwachs häufig zurück. Die Folge war eine scheinbare Underperformance für Investoren im Euroraum.
Wechselkurs-Effekt verliert an Bedeutung
Der Mechanismus dahinter ist leicht zu erklären: Sinkt der Dollar, während der Goldpreis in Dollar stabil bleibt, fällt der umgerechnete Europreis. Europäische Goldbesitzer „leiden“ in solchen Phasen also rechnerisch unter Währungsverlusten. Umgekehrt profitieren sie, wenn der Dollar aufwertet. Deshalb galt eine Schwäche der amerikanischen Währung über viele Jahre als potenzieller Nachteil für europäische Anleger.
Ein Blick auf langfristige Daten zeigt jedoch, dass dieser Zusammenhang heute deutlich differenzierter betrachtet werden muss. Laut Auswertungen von goldprice.org wechseln sich Phasen der Outperformance und Underperformance regelmäßig ab. Keine Währung profitiert dauerhaft – entscheidend ist der langfristige Trend. Besonders bemerkenswert: Seit dem Jahr 2011 liegt die annualisierte Goldrendite in Euro bei 10,2 Prozent und damit sogar leicht über der Performance in Dollar, die im selben Zeitraum 9,8 Prozent pro Jahr betrug. Diese Zahlen widersprechen der weit verbreiteten Annahme, europäische Anleger seien im Nachteil. Tatsächlich zeigt sich, dass Gold seine Wertentwicklung über längere Zeiträume hinweg weitgehend unabhängig von einzelnen Leitwährungen entfaltet.
Hinzu kommt, dass eine Dollarschwäche heute sogar klare Vorteile mit sich bringt. Zum einen können europäische Goldinteressierte in solchen Phasen günstiger einsteigen, da der Europreis des Edelmetalls temporär "günstiger" ausfällt. Zum anderen führt ein schwächerer Dollar in den USA häufig zu einer steigende Goldnachfrage. Für amerikanische Investoren fungiert Gold dann verstärkt als Absicherung gegen Kaufkraftverluste. Das erzeugt zusätzliche Nachfrage erzeugt - und stütz am Ende den globalen Goldpreis.
Gold fungiert weltweit als Kaufkrafterhalter
Wie robust Gold über Währungsgrenzen hinweg funktioniert, belegen auch internationale Jahresvergleiche. In nahezu allen wichtigen Währungen hat sich der Goldpreis über lange Zeiträume hinweg überwiegend verteuert. Die Daten von goldprice.org zeigen, dass Gold in Dollar, Euro, Pfund, Yen, Franken oder auch in Schwellenländerwährungen wie Rupie oder Yuan langfristig deutliche Wertzuwächse verzeichnete. Selbst nach schwachen Jahren folgten regelmäßig kräftige Erholungsphasen, die den langfristigen Aufwärtstrend bestätigten.
Ein besonders anschauliches Beispiel liefert der Blick zurück auf die Einführung des Euro. Im Jahr 2002 konnten europäische Anleger für 100 Euro rund zehn Gramm Gold erwerben. US-Bürger erhielten für 100 Dollar damals etwa elf Gramm Gold. Heute zeigt sich ein völlig anderes Bild: Für 100 Euro oder 100 Dollar bekommt man lediglich 0,74 bzw. 0,63 Gramm Gold. Die Kaufkraft beider Währungen ist also massiv geschrumpft – während Gold seinen realen Wert bewahrt hat.
Damit wird deutlich: Nicht der kurzfristige Wechselkurs entscheidet über den Anlageerfolg, sondern die Fähigkeit eines Vermögenswertes, Kaufkraft über lange Zeiträume zu konservieren. Genau hier spielt Gold seine historische Stärke aus. Über Generationen hinweg hat das Edelmetall nicht nur die Inflation ausgeglichen, sondern bei zahlreichen Gütern und Dienstleistungen sogar reale Wertzuwächse ermöglicht.
Wer sich davon selbst überzeugen möchte, findet auf der Website pricedingold.com eindrucksvolle Vergleiche. Dort wird sichtbar, wie sich Preise von Immobilien, Energie, Lebensmitteln oder Arbeitsstunden im Verhältnis zu Gold über Jahrzehnte hinweg entwickelt haben – mit einem klaren Ergebnis: Gold hat Kaufkraft bewahrt, während Papierwährungen stetig an Wert verloren.
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