Die Corona-Pandemie hat so manche Entwicklungen verstärkt und Trends ausgelöst. So haben sich viele Menschen aufgrund eingeschränkter Bewegungsfreiheit und teils monatelanger Lockdowns den eigenen vier Wänden gewidmet. Es wurde renoviert, was das Zeug hält - und auch neu gebaut. Am vergangenen Freitag überraschten etwa in den USA die Neubauverkäufe im März. Die Analysten der Landesbank Baden-Württemberg hatten mit einem Anstieg auf 875.000 Einheiten gerechnet. Veräußert wurden jedoch mehr als eine Million.

So hoch wie nie zuvor

Das sprunghaft gestiegene Interesse am Aus- und Neubau von Häusern während der Pandemie hat dazu geführt, dass der Preis für Bauholz in die Höhe geschossen ist. Am Dienstag erreichten die Notierungen an der Chicago Mercantile Exchange (CME), eine der bedeutendsten Rohstoffbörsen der Welt, ein Allzeithoch. Für 1.000 Board Foot wurden 1.445 Dollar verlangt (Mai-Kontrakt). Ein Board Foot ist die in Nordamerika gebräuchliche Maßeinheit für das Volumen eines Bretts, das zirka 30 cm lang, 30 cm breit und 2,5 Zentimeter dick ist. Vor einem Jahr lag der Preis ungefähr auf Höhe des 20-Jahres-Durchschnitts bei 325 Dollar. Damit hat er sich binnen zwölf Monaten mehr als vervierfacht.

Zur hohen Nachfrage kommt ein verknapptes Angebot hinzu. In der kanadischen Provinz British Columbia, die ein bedeutender Holzlieferant ist, sind durch Schädlingsbefall massive Schäden entstanden: Der Bergkiefernkäfer hat dort eine Waldfläche viermal so groß wie die Schweiz vernichtet. Dadurch haben sich die kanadischen Holzlager deutlich geleert.

Der Bauboom in den USA und der Schädlingsbefall in Kanada haben längst Auswirkungen auf den europäischen Markt. Im vergangenen Jahr exportierte Deutschland 55 Prozent mehr Holz in die USA als 2019. Auch Skandinavien liefert fleißig nach Übersee.

Knappheit in Deutschland

Die hohen Ausfuhren sorgen auch hierzulande für steigende Preise und Engpässe. Das bekommen Heimwerker zu spüren, vor allem aber holzverarbeitende Betriebe. Bauholz werde mittlerweile knapp, berichtet zum Beispiel der Niedersächsische Landesverband der Holzverarbeitenden Industrie laut Norddeutschem Rundfunk. Preisanstiege zwischen 100 und 300 Prozent bei Sparren, Balken und Brettern innerhalb weniger Monate seien keine Seltenheit, heißt es aus der Zimmerer-Innung.

Reihe von Preistreibern

Die starke Bautätigkeit wird wohl vorerst anhalten und die Preise beflügeln. Hinzu kommen weitere Faktoren, die die Nachfrage nach Holz in die Höhe treiben dürften. So steigt der Bedarf an Verpackungsmaterialien, die auf Papier basieren. Zum einen werden durch den Boom des Onlinehandels vermehrt Kartons und Füllmaterialien benötigt. Zum anderen rückt der Kampf gegen den Plastikmüll Verpackungen aus Pappe in den Fokus.

Zusätzlich wird Holz als Rohstoff bei einer Reihe von Anwendungen eingesetzt. Weil es nachwächst, steigt seine Bedeutung in einer Welt, in der nachhaltiges Wirtschaften mehr und mehr im Mittelpunkt steht. So wird es in der Bekleidungsbranche verwendet, um Viskose und andere neuartige Textilfasern herzustellen. Auch als Grundlage von Biotreibstoffen wird Holz genutzt.

Um die Energiewende voranzutreiben, nimmt darüber hinaus die Verbreitung von Heizungen zu, die Holz verbrennen. Branchenangaben zufolge stieg 2020 in Deutschland die Zahl der Anlagen, die mit Holzpellets befeuert werden, um fast 200 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Chancen für Investoren

Für anhaltend hohe Holzpreise spricht demnach eine Reihe von Gründen. Anleger können sich dem Thema auf verschiedenen Wegen nähern. Die größte Risikostreuung lässt sich mit Fonds erzielen. Urgestein für diesen Bereich ist der Pictet Timber (siehe Investor-Info). Wer gezielt Titel auswählen möchte und risikofreudiger ist, kann Aktien eines Holzunternehmens erwerben - etwa die Papiere des finnischen Forstunternehmens und Papierproduzenten Stora Enso. Eine Wette auf den Preis für Bauholz ist dagegen hierzulande nicht ohne Weiteres möglich.
 


INVESTOR-INFO

Pictet Timber

Fondsklassiker

Im Herbst feiert der Pictet Timber seinen 13. Geburtstag. Damit ist er der Klassiker unter den Aktienfonds zum Thema Holz. Das Produkt investiert in 40 bis 60 Unternehmen weltweit und deckt die gesamte Wertschöpfungskette ab. Dazu zählen Eigentümer von Forstflächen genauso wie Konzerne, die Produkte aus und mit Holz herstellen oder vertreiben. Größte Positionen sind aktuell die US-Firmen Rayonier und Weyerhaeuser, die Wälder in Nordamerika besitzen.

Stora Enso

Forstklassiker

Gemessen an der Produktionskapazität ist der finnische Konzern das zweitgrößte Forstunternehmen der Welt und einer der größten Papierhersteller. Stora Enso erkennt seine Zukunft in den Bereichen Verpackung, Holzbau und Biomaterialien. Doch noch sehen sich die Finnen dem Papiergeschäft verpflichtet, das allerdings unter der zunehmenden Digitalisierung leidet. Sollten sie sich von dieser Sparte trennen, ist eine positive Neubewertung der Aktie wahrscheinlich.

Empfehlung: Kaufen
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Stoppkurs: 12,00 Euro