Nach dem Kriegsausbruch im Nahen Osten hat sich das Interesse am „sicheren Hafen Gold“ verstärkt. Doch wie stark können die Kurse noch zulegen? Die Analysten von J.P. Morgan haben eine bemerkenswerte Prognose veröffentlicht, die aufhorchen lässt.

J.P. Morgan sieht nämlich trotz des jüngsten Goldpreisanstiegs weiteres Potenzial. Die Analysten der US-Großbank prognostizieren einen Anstieg des Goldpreises auf 6.300 Dollar bis zum Jahresende 2026. Dabei räumen sie zwar ein, dass konfliktgetriebene Preisschübe kommen und gehen, betonen aber gleichzeitig, dass geopolitische Risiken auf absehbare Zeit hoch bleiben dürften. Diese strukturellen Unsicherheiten sprechen aus Sicht der Bank für nachhaltig höhere Goldpreise. Die Analyse von J.P. Morgan basiert nicht nur auf kurzfristigen Krisenreaktionen, sondern berücksichtigt langfristige Faktoren wie hohe Staatsverschuldung, Goldkäufe durch Zentralbanken und zunehmendes Misstrauen in das globale Finanzsystem.

Diese Analysten erwarten steigenden Goldpreis

Auch andere namhafte Analysten äußerten sich mit konkreten Prognosen zu Wort. Die französische Investmentbank Natixis veröffentlichte bereits Ende Februar eine positive Einschätzung: Im Falle einer weiteren Eskalation könnte der Goldpreis kurzfristig um bis zu 15 Prozent zulegen, wobei die stärksten Preissteigerungen in den ersten ein bis zwei Wochen nach Beginn militärischer Aktionen stattfinden würden. Bei einem seitwärts tendierenden Ausgangsniveau sah Natixis einen Bereich von 5.500 bis 5.800 Dollar innerhalb von zwei Wochen nach einem Angriff als realistisch an. Die Analysten warnten allerdings auch, dass Safe-Haven-Aufschläge extrem volatil sein können und nur selten zu dauerhaft höheren Preisniveaus führen.

Bereits Mitte Februar stellten die Analysten der BNP Paribas einen Anstieg des Goldpreises auf 6.000 Dollar in Aussicht. Sie nannten vor allem makroökonomische und geopolitische Risiken – darunter hohe Inflation, geopolitische Spannungen sowie die robuste Nachfrage von institutionellen Käufern – als wichtige Treiber, die den Goldpreis weiter nach oben bringen könnten. Tendenziell optimistisch äußerte sich auch die Schweizer Privatbank Union Bancaire Privée (UBP SA). Laut deren Experten gebe es „ausreichend Spielraum“, dass Gold sein Rekordhoch von über 5.595 Dollar, erneut angreifen kann, falls sich der Konflikt im Nahen Osten über mehrere Wochen hinziehen sollte.

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Gold überzeugt auch aus charttechnischer Sicht

Die technische Analyse auf TradingView unterstützt die bullische These der fundamental orientierten Analysen. Charttechnische Indikatoren zeigen derzeit ein klares Kaufsignal, wobei die Gesamtbewertung derzeit als „Starker Kauf“ eingestuft wird. Von den insgesamt 26 erfassten Parametern legen gegenwärtig 16 das „Kaufen“, neun das „Halten“ und lediglich einer das „Verkaufen“ von Gold nahe.

Fazit: Der Goldpreis dürfte 2026 seinen Aufwärtstrend fortsetzen. Analysten sehen kurzfristig Raum für kleinere Korrekturen, verweisen aber auf die solide Unterstützung. Die Kombination aus strukturellen Faktoren wie robusten Zentralbankkäufen, anhaltender physischer Nachfrage aus Asien sowie zunehmender Unsicherheit über die Stabilität des globalen Finanzsystems spricht für eine Fortsetzung des Gold-Bullenmarktes, der bereits seit vielen Jahren zu beobachten ist und sich seit Mitte 2024 erheblich verstärkt hat.

Gold (ISIN: XC0009655157)

Häufige Fragen zu Gold

Was sind die größten Vorteile von Gold?

In physischer Form besitzt Gold kein Kontrahentenrisiko und gilt seit Generationen als wirksamer Krisen-, Vermögens- und Inflationsschutz. Im Gegensatz zu den beiden wichtigsten Anlageklassen Aktien und Anleihen kann man mit Goldmünzen und -barren sowie bestimmten Gold-ETCs nach einer Haltedauer von einem Jahr steuerfreie Kursgewinne realisieren.

Und was spricht möglicherweise gegen Gold?

Gold zahlt weder Zinsen noch Dividenden und kann lediglich durch eine wachsende Wertschätzung Renditen erzielen. Außerdem fallen bei sicherer Verwahrung von physischem Gold Lagerkosten an.

Sind bei allen in Deutschland handelbaren Gold-ETCs realisierte Kursgewinne nach einer Haltedauer von einem Jahr steuerfrei?

Nur, wenn deren Konstruktion ein physisches Hinterlegen des Goldes vorsieht und ein Lieferanspruch besteht. Vor dem Kauf unbedingt beim Emittenten des Papiers informieren.

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