Der jüngste Marktausblick des World Gold Council (WGC) dürfte bei vielen Anlegern auf besonderes Interesse stoßen. Nachfolgend sind dessen wichtigste Erkenntnisse und Prognosen aufgeführt.
Zwar wird die Organisation von der internationalen Goldindustrie finanziert, ihre Studien und Analysen genießen an den Finanzmärkten jedoch seit vielen Jahren einen guten Ruf. Dafür sorgen unter anderem die umfangreiche Datengrundlage, transparente Bewertungsmodelle sowie die regelmäßige Einbeziehung makroökonomischer Einflussfaktoren. Im aktuellen Halbjahresausblick zeichnet der WGC ein differenziertes Bild: Statt einer eindeutigen Prognose entwerfen die Experten drei mögliche Szenarien für die weitere Entwicklung des Goldpreises – vom kräftigen Kursanstieg bis hin zu einer weiteren Korrektur.
Basisszenario: Goldpreis dürfte vorerst seitwärts laufen
Als derzeit wahrscheinlichstes Szenario stuft der World Gold Council eine Fortsetzung der Seitwärtsbewegung ein. Nach Einschätzung der Analysten entspricht das aktuelle Preisniveau weitgehend den Erwartungen der Finanzmärkte hinsichtlich Wirtschaftswachstum, Inflation und Geldpolitik. Die Weltwirtschaft dürfte moderat wachsen, die Inflation zwar weiter nachlassen, aber auf erhöhtem Niveau bleiben. Gleichzeitig rechnen die Märkte lediglich mit begrenzten weiteren Zinsschritten der großen Zentralbanken.
Vor diesem Hintergrund erwartet der WGC, dass sich der Goldpreis in der zweiten Jahreshälfte überwiegend innerhalb einer Bandbreite von plus oder minus fünf Prozent um die Marke von 4.100 Dollar bewegen wird. Größere Ausschläge nach oben oder unten erscheinen nach Einschätzung der Experten erst dann wahrscheinlich, wenn sich das makroökonomische Umfeld deutlich verändert.
Positives Szenario: Neue Rekordstände bleiben möglich
Sollte sich die wirtschaftliche oder geopolitische Lage erneut verschärfen, sieht der World Gold Council erhebliches Aufwärtspotenzial. Als mögliche Auslöser nennen die Analysten eine deutliche Konjunkturabschwächung, neue geopolitische Krisen, sinkende Zinserwartungen oder eine Rückkehr langfristig orientierter Investoren nach zwischenzeitlichen Kursrückgängen.
In diesem sogenannten Bullenszenario könnte der Goldpreis laut WGC zunächst wieder in Richtung 4.500 Dollar ansteigen. Sollten mehrere positive Einflussfaktoren gleichzeitig auftreten und die Signale besonders eindeutig ausfallen, halten die Experten sogar einen erneuten Anstieg in die Nähe von 5.000 Dollar für denkbar. Unterstützend wirken könnten außerdem anhaltend hohe Goldkäufe der Zentralbanken sowie verstärkte Zuflüsse institutioneller Anleger.
Negatives Szenario: Begrenztes Rückschlagpotenzial
Ein anderes Bild ergibt sich, falls die Weltwirtschaft widerstandsfähig bleibt und die Inflation die Notenbanken zu weiteren Zinserhöhungen zwingt. Steigende Anleiherenditen und ein fester US-Dollar würden die Opportunitätskosten einer Goldanlage weiter erhöhen und damit deren Preis belasten. Auch eine nachlassende geopolitische Unsicherheit könnte dazu führen, dass Anleger wieder stärker auf risikoreichere Anlageklassen wie Aktien setzen.
Für dieses Szenario hält der World Gold Council einen Rückgang des Goldpreises um fünf bis 15 Prozent für möglich. Gleichzeitig gehen die Analysten jedoch davon aus, dass größere Kursverluste zunehmend Käufer anlocken würden. Historisch hätten sowohl private als auch institutionelle Investoren und Zentralbanken kräftige Rücksetzer häufig zum Einstieg genutzt. Aus diesem Grund erscheint den Experten ein nachhaltiger Preisverfall über das dargestellte Negativszenario hinaus derzeit eher unwahrscheinlich.
Fazit: Insgesamt zeichnet der World Gold Council somit keinen einseitig optimistischen oder pessimistischen Ausblick. Das Basisszenario spricht für eine Phase relativer Stabilität, während sowohl auf der Ober- als auch auf der Unterseite klare Auslöser erforderlich wären, um den Goldpreis aus seiner aktuellen Handelsspanne herauszuführen. Für Anleger dürfte deshalb vor allem die Entwicklung von Inflation, Geldpolitik und geopolitischen Risiken entscheidend bleiben.
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