Der Nahost-Konflikt steuert auf eine Eskalation zu. Im Gazastreifen steht eine Offensive Israels bevor, auch im Libanon mehren sich militärische Übergriffe. Da die Fronten verhärtet sind, flüchten viele Anleger ins Gold. Traditionell als "sicherer Hafen" bekannt, nähert sich der Goldpreis der 2.000-Dollar-Marke. Da wird aber voraussichtlich nicht Schluss sein.

Seit Beginn des Kriegs zwischen der islamistischen Hamas und Israel vor zwei Wochen befindet sich der Goldpreis im Höhenflug. In dieser Zeit hat sich das Edelmetall um etwa 150 Dollar oder mehr als acht Prozent verteuert. Weil der Konflikt auf andere Länder im Nahen Osten überzugreifen droht, erhöhen sich die geopolitischen Risiken und die Nachfrage nach sicheren Anlagehäfen wie Gold und Staatsanleihen verstärkt sich. 

Die Sorge wegen einer möglichen Eskalation wird von Goldanlegern derzeit stärker gewichtet als der starke Anstieg der Kapitalmarktzinsen. Zuletzt sind die Renditen für US-Staatsanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren bis auf knapp fünf Prozent gestiegen – das ist der höchste Stand seit dem Jahr 2007. Auch die Renditen von Bundesanleihen sind zuletzt stark gestiegen.

Kräftig steigende Renditen sind eigentlich Gift für das unverzinste Gold. Wenn viel Geld in Anleihen fließt, sinkt eigentlich die Nachfrage nach Gold. Nach Einschätzung von Barbara Lambrecht von der Commerzbank dürfte der Goldpreis aber nur im Fall einer weiteren Eskalation des Konflikts im Nahen Osten kurzfristig weiter steigen. Für einen längerfristigen Höhenflug des Goldpreises sei eine Wende in der Zinspolitik der US-Notenbank Fed notwendig, sagte Lambrecht. Erst wenn sich wieder sinkende Leitzinsen abzeichnen, "dürfte der Goldpreis nachhaltig weiter steigen". 

Am Freitag setzt der Goldpreis seinen jüngsten Höhenflug jedoch erst einmal fort. Bis auf 1.990 Dollar steigt der Preis für eine Feinunze (rund 31,1 Gramm) Gold. Das ist der höchste Stand seit Juli. Die 2.000-Dollar-Marke ist in Reichweite.

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Zehn-Monats-Chart Gold (Spotpreis in US-Dollar je Feinunze)

Hoher Preis könnte Nachfrage drücken

Trotz der deutlichen Aufwärtsbewegung der vergangenen Wochen mit Überwindung von Abwärtstrend und 200-Tage-Linie ist der Goldpreis noch ein Stück weit vom Rekordhoch entfernt. Dieses wurde vor etwa drei Jahren bei 2.075 Dollar je Feinunze markiert. Doch in der neuen Woche könnte zumindest die runde 2.000er-Marke fallen.

Nach Ansicht der Teilnehmer der diesjährigen Konferenz der London Bullion Market Association (LBMA) ist das Potenzial für den Goldpreis in den nächsten 12 Monaten jedoch begrenzt. Sie prognostizieren, dass der Goldpreis Mitte Oktober 2024 im Durchschnitt bei knapp 2.000 Dollar liegen wird. Ein Grund: Der Preisanstieg in dieser Woche werde den Schmuckverkauf in Indien vor dem wichtigen Diwali-Fest beeinträchtigen. Auch die Nachfrage des Einzelhandels nach kleinen Goldbarren und -münzen leidet sehr darunter.

Rein charttechnisch betrachtet, müsste der Goldpreis die aktuelle Zone nachhaltig überwinden, um die Allzeithöhen jenseits der 2.000-Dollar-Marke in Angriff zu nehmen. Nach dem steilen Anstieg wegen des Nahost-Konflikts dürfte das schwierig werden.

Eine wohl bevorstehende Bodenoffensive scheint eingepreist, wer in den "sicheren Hafen" flüchten wollte, ist wohl schon dort. Daher sollte ein kurzfristiger Rückfall von Gold nicht überraschen. BÖRSE ONLINE rät langfristig orientierten Anlegern, auf dem dann wieder reduzierten Niveau (bei etwa 1.950 bis 1.930 Dollar) nachzukaufen. Wer nicht direkt in Goldmünzen oder -Barren investieren möchte, kann Xetra-Gold kaufen. Dieses Derivat ist mit physischem Gold hinterlegt und kann einfach über die Börse gekauft werden. (Mit Material von dpa-AFX) 

Xetra-Gold ist auch im Stabile Werte Index von BÖRSE ONLINE hoch gewichtet enthalten. Daneben finden sich in dem Index noch 18 Aktien, die sich in wirtschaftlich schwierigem Umfeld als besonders stabil erwiesen haben. Den Index können Anleger nahezu 1:1 über ein Indexzertifikat (etwa ISIN: DE000DA0ABL9) abbilden.

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