Nach einer außergewöhnlich starken Rally müssen Gold und Silber aktuell deutliche Rückschläge von in der Spitze sieben und 13,6 Prozent hinnehmen. Das sind die Ursachen - und so sollten Anleger darauf reagieren.
Die zweifellos heftigen Kursbewegungen sorgen bei vielen Anlegern für Verunsicherung. Doch ein genauer Blick zeigt: Die aktuellen Rücksetzer haben vor allem technische und marktpsychologische Ursachen und sind nicht auf einen fundamentalen Trendbruch zurückzuführen. Gewinnmitnahmen nach historischen Höchstständen sind kein Grund zur Sorge, sondern völlig normal. Insbesondere, wenn man bedenkt, wie stark die beiden Edelmetalle in den vergangenen Wochen und Monaten zugelegt haben. Viele kurzfristig orientierte Marktteilnehmer nutzten das aktuell hohe Kursniveau, um Gewinne zu realisieren. Solche Verkaufswellen sind typisch, wenn Märkte innerhalb kurzer Zeit stark gestiegen sind.
Gold und Silber – „überreif“ für Korrektur?
Hinzu kam eine extrem überkaufte charttechnische Ausgangslage. Zahlreiche Indikatoren signalisierten bereits seit Tagen eine stark überkaufte Lage bis hin zur Überhitzung. In solchen Phasen reagieren Märkte besonders empfindlich auf selbst kleinere Impulse. Sobald erste Verkäufe einsetzen, verstärken automatische Handelsprogramme und kurzfristige Spekulationen die Bewegung zusätzlich. Auch die zeitweise Erholung des Dollars spielte eine Rolle. Da Gold und Silber weltweit in Dollar gehandelt werden, wirken sich Dollarbewegungen unmittelbar auf die Edelmetallpreise aus. Ein starker Greenback verteuert sie für Käufer außerhalb des Dollarraums und kann die Nachfrage kurzfristig bremsen.
Die Reaktion ist gleichwohl heftig: Nachdem Gold und Silber bereits am Donnerstag im bis zu vier Prozent fielen, verschärfte sich der Preisverfall am Freitag nochmals: Kurz vor 11 Uhr lag Siber mit nur noch 101,55 Dollar je Feinunze schon 13,6 Prozent im Minus, der Godpreis stürzte um meh rals sieben prozent auf 5040 Dollar ab.
Trotz Korrektur: Der langfristige Trend bleibt beeindruckend
In Marktphasen steigender Volatilitäten fallen Rücksetzer häufig größer aus, als es die Nachrichtenlage allein rechtfertigen würde. So deutlich die jüngsten Rückgänge auch ausfallen mögen, sie relativieren sich im größeren Bild erheblich. In den vergangenen zwölf Monaten ist der Goldpreis um rund 85 Prozent gestiegen. Silber legte im gleichen Zeitraum sogar um etwa 248 Prozent zu. Kaum eine andere Anlageklasse weist derzeit eine vergleichbare Dynamik auf. Parallel dazu ist auch die erwartete Kursschwankungsintensität massiv angestiegen. Der CBOE-Volatilitätsindex für Gold hat sich innerhalb eines Jahres auf rund 46 Prozent nahezu verdreifacht. Beim Silbermarkt fiel die Entwicklung noch extremer aus: Der entsprechende Silber-Volatilitätsindex vervierfachte sich auf 111 Prozent. Diese Zahlen verdeutlichen, wie spekulativ und zugleich angespannt die Märkte inzwischen geworden sind.
Hohe Volatilität stellt aber kein Zeichen von Schwäche dar, sondern ist Ausdruck eines intensiven Ringens um den „richtigen“ Preis. Gerade Silber reagiert aufgrund seines vergleichsweise relativ illiquiden Handels besonders sensibel auf Nachfrageverschiebungen und spekulative Ströme.
Fazit: So unangenehm Rücksetzer im ersten Moment auch erscheinen mögen: Gewinnmitnahmen in stark überkauften Märkten sind völlig normal – und sogar wünschenswert. Sie bauen Überhitzung ab und legen damit die Grundlage für stabilere weitere Aufwärtsbewegungen. Niemand kann mit Sicherheit vorhersagen, wie weit die laufende technische Korrektur noch reichen wird. Kurzfristige Schwankungen bleiben Teil des aktuellen Marktumfelds. Unter fundamentalen und langfristigen Gesichtspunkten jedoch hat sich an der Ausgangslage nichts Wesentliches geändert. Weder Gold noch Silber sind aktuell eine Verkaufsposition – sie bleiben zentrale Bausteine zur Absicherung von Vermögen in einem Umfeld wachsender geopolitischer, fiskalischer und geldpolitischer Unsicherheiten.
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