Der Kern der Argumentation ist schnell erklärt. Laut Analyse der Commerzbank wird Silber derzeit weniger von klassischen Fundamentalfaktoren wie Zinsen oder dem Dollar bestimmt, sondern vor allem vom Goldpreis. In den vergangenen Monaten sei Silber insbesondere deshalb gestiegen, weil es im Vergleich zu Gold als unterbewertet galt. Inzwischen habe sich dieses Bewertungsgefälle jedoch deutlich verringert, was sich am gesunkenen Gold/Silber-Ratio ablesen lässt. Dieses hat sich nämlich innerhalb von 12 Monaten von 101 auf 62 reduziert. Aus rein fundamentaler Sicht erscheint das aktuelle Preisniveau nunmehr überzogen. Der modellbasierte Wert der Commerzbank liegt deutlich niedriger – bei etwa 40 Dollar je Unze.
Warum kein Silber-Crash droht
Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass Silber tatsächlich auf dieses Niveau zurückfallen muss. Im Gegenteil: Die Commerzbank betont, dass der Silberpreis aktuell stark von externen Faktoren gestützt wird – allen voran vom Goldpreis. Gold profitiert weiterhin von geopolitischen Risiken und hoher Nachfrage durch Zentralbanken, was indirekt auch Silber nach oben zieht. Solange dieser Rückenwind anhält, dürfte sich die Lücke zwischen fundamentalem Wert und Marktpreis nicht vollständig schließen.
Hinzu kommt ein wichtiger Punkt: Märkte handeln selten rein fundamental. Gerade bei Edelmetallen spielen Momentum, Kapitalströme und Anlegerpsychologie eine zentrale Rolle. Silber gilt traditionell als „High-Beta-Version“ von Gold – es reagiert also oft überproportional auf Bewegungen des gelben Metalls. Steigt Gold weiter, kann Silber trotz eigener Überbewertung weiter zulegen.
Bullishes Szenario: Warum trotzdem 90 Dollar möglich sind
Genau darauf basiert auch der optimistischere Teil der Commerzbank-Prognose. Die Analysten gehen davon aus, dass die US-Notenbank im Laufe des Jahres die Zinsen senken könnte. In einem solchen Szenario könnte Gold wieder deutlich zulegen und auf Kurse über 5.000 Dollar zulegen. Silber würde in diesem Umfeld mitgezogen und könnte laut Bank in Richtung 90 Dollar steigen.
Damit zeigt sich ein spannendes Spannungsfeld: Auf der einen Seite steht eine klare Überbewertung im fundamentalen Modell, auf der anderen Seite starke makroökonomische Treiber, die höhere Preise rechtfertigen können. Für Anleger bedeutet das vor allem eines: Der Silbermarkt bleibt extrem dynamisch und schwer vorhersehbar.
Noch deutlicher wird das im Vergleich mit anderen Prognosen. Während die Commerzbank trotz Kritik am aktuellen Preisniveau insgesamt moderat optimistisch bleibt, zeigen sich andere Häuser deutlich bullisher. Besonders hervor sticht die Bank of America: Analyst Michael Widmer sieht für 2026 eine mögliche Preisspanne von 135 bis 309 Dollar was einem Vielfachen der aktuellen Notierung entspricht.
Fazit: Die Commerzbank sieht Silber fundamental deutlich überbewertet – ein Rückgang wäre aus dieser Perspektive durchaus denkbar. Gleichzeitig sprechen aber andere Faktoren gegen einen unmittelbaren Einbruch. Zwischen fairer Bewertung und Marktpreis klafft aktuell eine große Lücke. Für Anleger heißt das: Silber bleibt chancenreich, aber auch hochriskant – und extreme Szenarien in beide Richtungen sind keineswegs ausgeschlossen.
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