Voller Spannung blicken Öl-Investoren und Verbraucher am heutigen Mittwoch nach Wien. Dort treffen sich die Mitglieder des Ölkartells Opec und beraten über künftige Fördermengen. Bereits im Vorfeld wurden unterschiedliche Interessen deutlich. Die Ölpreise stabilisierten sich zuletzt. In den kommenden Monaten könnte es deutlich aufwärts gehen. Für die Aktien der Öl-Konzerne wäre das vorteilhaft. 

Zur Wochenmitte blicken die Marktteilnehmer gespannt nach Wien. Dort findet eine große Tagung des Ölkartells Opec statt. Saudi-Arabien hatte zu Wochenbeginn seine jüngste Förderkürzung bereits verlängert, Russland hatte zusätzliche Einschnitte verkündet Russland hat angekündigt und will seine Ölexporte im August um 500.000 Barrel pro Tag reduzieren. Die beiden Länder führen den großen Ölverbund Opec+ an, der aus mehr als zwanzig Ländern besteht.

Unterdessen haben die Vereinigten Arabischen Emirate deutlich gemacht, dass sie eine Kürzung der Fördermenge zum jetzigen Zeitpunkt nicht befürworten. Die Vereinigten Arabischen Emirate "tun genug", um zur gedrosselten Fördermenge der Ölallianz Opec+ beizutragen, sagte der Energieminister des Landes Suhail Al Mazrouei in Wien vor Reportern.

Ziel der Produktionskürzungen der Förderländer ist es, die Erdölpreise zu stabilisieren und am besten steigen zu lassen. Wegen Konjunktursorgen stehen die Preise seit längerem unter Druck, was den Förderländern nicht gefällt. Bisher haben es die Drosselungen aber nicht geschafft, die Rohölpreis nennenswert anzuheben. Verglichen mit Jahresbeginn steht immer noch ein deutliches Minus zu Buche (siehe Chart).

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Brent-Öl (Spotpreis in US-Dollar)

Zwischen Konjunktursorgen und Versorgungsängsten

Die Investoren am Ölmarkt sind zwischen Konjunktursorgen und Versorgungsängsten hin- und hergerissen. In den vergangenen Wochen schwankten die Ölpreise, stabilisierten sich aber auf dem recht niedrigen Niveau. Am Mittwoch-Mittag kostet ein Barrel (159 Liter) der Nordsee-Rohölsorte Brent gut 76 Dollar. Der Preis für die leichte US-Sorte WTI notiert bei gut 71 Dollar pro Barrel.

"Der Markt wird sich wahrscheinlich noch einige Zeit hin und her bewegen", sagte Volkswirt Tomomichi Akuta vom Consulting-Unternehmen Mitsubishi UFJ. Entscheidend für die weitere Entwicklung seien dabei vor allem Konjunkturdaten aus China und der weitere geldpolitische Kurs der größten Notenbanken.

Ulrich Stephan, Chefanlagestratege der Deutschen Bank, erwartet im zweiten Halbjahr moderat steigende Ölpreise. Er begründet das mit dem Abbau der globalen Öllagerbestände und einer erwarteten steigenden Nachfrage aus China.

Charttechnisch betrachtet könnte der Brent-Ölpreis seinen gut zwölfmonatigen Abwärtstrend beenden. Ein Trendwende-Signal wäre die Überwindung der 200-Tage-Linie, die aktuell bei gut 82 Dollar verläuft. Sollte eine Rezession in den großen Wirtschaftsnationen ausbleiben oder nur klein ausfallen, könnten auch fundamentale Gründe die Preise beflügeln.

Andererseits würde ein Rückfall des Brent-Preises unter die Unterstützung bei 72 Dollar das Chart-Bild eintrüben und wahrscheinlich weitere Kursrückgänge unter 70 Dollar nach sich ziehen.

Öl-Aktien mit Potenzial

Letzteres befürchten möglicherweise auch die Analysten von Goldman Sachs. Die US-Investmentbank hat nämlich die Kursziele für die großen Ölkonzerne BP, Shell und TotalEnergies kürzlich leicht gesenkt. So wurde der faire Wert bei BP von 700 auf 650 Britische Pence (umgerechnet 7,53 Euro) gesenkt. Dies liegt aber immer noch knapp 40 Prozent über dem aktuellen Kurs von 465,40 Pence. Die Aktie bleibt daher auf der viel beachteten "Conviction Buy List".

Bei Shell sehen die Experten jetzt noch Potenzial bis 3.900 Pence (zuvor 4.000 Pence). Am Mittwoch pendelt die Shell-Aktie bei 2.355 Pence. Hier lautet das Anlagevotum "Buy". Die Papiere von TotalEnergies werden hingegen lediglich mit "Neutral" eingestuft. Hier wurde das Kursziel von 70,00 auf 66,00 Euro verringert.

BÖRSE ONLINE hatte seine Kaufempfehlung für alle drei Werte zuletzt Anfang Juni in der Print-Ausgabe erneuert.

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(Mit Material von dpa-AFX und Reuters)