Endlich ist Platin ins Laufen gekommen. Lange Zeit dümpelte der Preis des Weißmetalls vor sich hin, während die anderen drei Edelmetalle Gold, Silber und Palladium haussierten. Nun scheint Platin diese Entwicklung nachzuvollziehen. Seit dem 27. August ist der Kurs in zehn Tagen von 857 Euro je Feinunze um gut zehn Prozent auf 942 Euro geklettert.

Das hat mehrere Ursachen. Der wichtigste Grund dürfte der Sog der anderen Edelmetalle sein, der Platin mit nach oben gezogen hat. Denn vor allem In­vestoren haben das Weißmetall erworben. Das zeigen zum Beispiel die Zuflüsse in ETFs, die seit Anfang des Jahres bis Ende Juli um 750.000 Feinunzen zugelegt haben. Hinzu kommen Spekulanten an den Terminmärkten. Die Zahl derjenigen unter ihnen, die auf einen anziehenden Preis des Weißmetalls setzen, hat in den vergangenen zwei Wochen deutlich zugenommen.

Dieser Optimismus liegt auch darin begründet, dass Platin im August 2019 im Vergleich zu Gold so günstig war wie schon lange nicht mehr. "Das Gold-­Platin-Ratio erreichte ein Hoch von 1,8. Das war der höchste Stand seit Anfang der 1980er-Jahre", sagt Hannes Huster, Analyst beim Rohstoff-Infodienst Gold­report. Das Verhältnis gibt an, wie viele Feinunzen Platin für den Kauf einer Feinunze Gold benötigt werden.

Investoren stark, Industrie schwach


Von industrieller Seite kommt hingegen wenig Unterstützung. Das dominierende Anwendungsgebiet für Platin sind Katalysatoren in Dieselmotoren mit etwa 42 Prozent Anteil. Hier sinkt der Bedarf, weil etwa in Europa wegen der Dieselskandale weniger Fahrzeuge mit Dieselmotor verkauft werden.

Überdies geht auch die Nachfrage aus dem Schmucksektor zurück, der einen Anteil von 26 Prozent hat. In der Schmuckindustrie hat sich zwar die Nachfrage aus Indien kräftig erhöht, aus China hat sie sich jedoch verringert. Dort wird es zunehmend üblich, alten Schmuck für die Produktion neuer Ware einzuschmelzen. Da das Reich der Mitte einer der bedeutendsten Schmuckmärkte weltweit ist, wirkt sich das negativ auf den globalen Platinbedarf aus. Die Folge dieser Nachfrageschwäche ist, dass es auf dem Weltmarkt ein Überangebot an Platin gibt. Auch, weil Platin zusammen mit den teureren Metallen Rhodium und Palladium gefördert wird.

Daher ist der Weiterbetrieb auch von Minen, deren Schließung aufgrund des niedrigen Platinpreises sinnvoll wäre, durchaus lohnend. Hinzu kommt, dass die Menge des durch Recycling gewonnenen Platins wächst. "Aktuell ist die Situation jedoch so, dass die Mehrproduktion durch die Investmentnachfrage absorbiert wird", sagt Hans-Günter Ritter, Leiter Edelmetallhandel beim Edel­metallverarbeiter Heraeus.

Zudem sendet auch die Autobranche wieder Hoffnungszeichen. Zum einen stabilisieren sich die Neuzulassungen bei Dieselfahrzeugen in Europa, zum anderen wird wegen verschärfter Emissionsvorschriften in China und Indien mehr Platin benötigt.

Starkes Momentum


Auch charttechnisch sieht es für Platin gut aus. Überwindet das Weißmetall den Widerstand bei 1.000 Dollar je Feinunze, ist Luft bis zum Abwärtstrend aus dem Jahr 2011, der bei etwa 1.100 Dollar je Feinunze verläuft. Das Momentum ist derzeit sehr stark. Mit dem 1x Platinum Daily Long ETC der Commerzbank (ISIN: DE 000 ETC 067 0) können An­leger auf eine Fortsetzung der Aufwärtsbewegung setzen. Die jährliche Gebühr liegt bei 0,40 Prozent.