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Teurer als Gold: Palladium kostet erstmals über 2000 Dollar

Teurer als Gold: Palladium kostet erstmals über 2000 Dollar

WKN: CBK100 ISIN: DE000CBK1001 Commerzbank

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28.05.2020 - 17:22
17.12.2019 10:51:50

Eine Mischung aus langfristigen Trends und Versorgungsengpässen hat den Palladium-Preis seit Jahresbeginn um 58 Prozent steigen lassen. Doch geht der Preisanstieg weiter? Von Andreas Höß

Der Preis für Palladium hat erstmals die Marke von 2000 US-Dollar je Unze geknackt. Das Edelmetall verbuchte damit seit Jahresbeginn einen Preisanstieg von 58 Prozent, seit August 2018 haben sich die Notierungen sogar verdoppelt. Grund des jüngsten Preisrekords sind Versorgungsengpässe in Südafrika, dem zweitgrößten Palladiumproduzenten der Welt. Dort wurde die Minenprodukten wegen eines Stromausfalls kurzfristig eingestellt. Es sehe so aus, als könne momentan nichts den Aufwärtstrend von Palladium stoppen, sagte schon vor einigen Tagen der Edelmetallexperte Daniel Briesemann von der Commerzbank gegenüber dem Nachrichtendienst Bloomberg. "Obwohl wir den Preisanstieg als übertrieben ansehen, ist kein Ende der Rally in Sicht."

Auch langfristig wird der Preis durch eine Kombination aus hoher Nachfrage und geringem Angebot beflügelt. Palladium wird in Katalysatoren von Benzinmotoren verbaut, 85 Prozent des Metalls landen dort. Wegen der immer strengeren Abgasvorschriften für Autos wird immer mehr des Metalls gebraucht. Gleichzeitig mangelt es zunehmend an einfach zu verarbeitenden Ressourcen. So sagte das in der Branche tätige Unternehmen Johnson Matthey im Mai für 2019 ein Angebotsdefizit von 800.000 Unzen voraus. Insgesamt herrscht am Palladiummarkt schon seit acht Jahren ein Angebotsdefizit.

Analysten uneinig


Was die mittelfristigen Aussichten für den Palladiumpreis betrifft, gehen die Meinungen der Experten jedoch auseinander. "Es scheint nicht so, als würde es in der nächsten Zeit auf dem Palladiummarkt neues Angebot zu einem vernünftigen Preis zu geben", so Tai Wong von der kanadischen Investmentbank BMO Capital Markets. Deshalb könne der Preisanstieg weitergehen, wenn auch möglicherweise mit größeren zwischenzeitlichen Rücksetzern und Schwankungen. Auch die Citigroup glaubt, dass die Preise in den kommenden Monaten nochmals um 25 Prozent auf 2500 Dollar steigen können.

Vom Datendienst Bloomberg befragte Analysten gehen hingegen im Schnitt davon aus, dass die Notierung wegen der aktuell sehr hohen Preise 2020 um etwa ein Viertel auf 1500 US-Dollar einbrechen werden. Mit einer besonders scharfen Korrektur rechnet dort die niederländische Bank ABN Amro, die den Palladiumpreis Ende 2020 bei 1125 Dollar erwartet. Auch die Commerzbank geht von einem deutlichen Minus auf 1500 Dollar aus. Sie gehen davon aus, dass die hohe Erwartungen spekulativer Anleger auf steigende Preise enttäuscht werden dürften, was die Stimmung am Palladiummarkt eintrüben und die Preise drücken dürfte. Zudem gebe es das Risiko, dass sich auch die Lage am Automarkt sich verschlechtere, wo ein Großteil des Palladiums in Katalysatoren lande. Sie geht davon aus, dass der Absatz von Autos mit Benzinmotoren in Europa wegen strengerer Abgasvorschriften zurückgehen dürfte. Die Commerzbank hält es außerdem für denkbar, dass Donald Trump 2020 US-Zölle auf Autos und Autoteile erheben könnte, was dem Markt ebenfalls einen Dämpfer versetzen dürfte. "Trotz der anhaltenden Angebotsdefizite ist der starke Preisanstieg von Palladium unseres Erachtens nicht gerechtfertigt", schrieb die Commerzbank deshalb heute in einem Marktkommentar zum Rekordhoch.


Bildquelle: Ilya Naymushin/Reuters

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