Nachdem sich der Goldpreis in den vergangenen Tagen etwas erholt hatte, geht es am Donnerstag wieder nach unten. Händler und Anleger rätseln, denn das Edelmetall verhält sich im Iran-Krieg völlig anders als sonst.

Eigentlich spricht weiterhin alles für Gold. Die Staatsschulden steigen, die Notenbanken kaufen und die Inflation – besser gesagt: Geldentwertung – steigt sogar wieder leicht an. Hinzu kommt der Iran-Krieg, der die Unsicherheit unter den Anlegern schürt und einen Run auf vermeintlich sichere Häfen auslöst. Da steht Gold, neben US-Staatsanleihen, normalerweise an erster Stelle.

Normalerweise. Doch diesmal ist alles anders: Seit Ausbruch des Krieges vor gut drei Wochen fiel der Preis für die Feinunze um 17 Prozent. Das gilt gleichermaßen für die Notierung in Dollar wie in Euro (Stand 26.3.2026). Auch das ist ungewöhnlich. Immerhin notiert der Kurs damit charttechnisch noch immer klar über der 200-Tage-Linie.

Gold (ISIN: XC0009655157)

Begründung für jüngste Kursbewegungen überrascht

Am Donnerstag um 11.30 Uhr deutscher Zeit kostet die Feinunze noch 4431 Dollar, das sind 1,5 Prozent weniger als um Mitternacht. Damit ist die vorherige zweitägige Zwischenerholung erst einmal wieder vorbei. Schon die Begründung dafür war gold-untypisch: Hoffnungen auf einen baldigen Waffenstillstand am Persischen Golf hätten dem Goldpreis geholfen, sagten Händler. Wie das? Ist es nicht gerade die Unsicherheit, die den Preis sonst steigen lässt?

Tatsächlich scheinen derzeit vor allem kurzfristige Einflüsse zu wirken: Nicht die überzeugten Gold-Investoren bewegen den Markt, sondern eher spekulativ eingestellte Anleger, die womöglich erst im Zuge des rasanten Anstiegs der vergangenen beiden Jahre in Gold eingestiegen sind – und nun, da die Kurse bröckeln, ihr Geld wieder abziehen. Dazu passen die hohen Geldabflüsse aus Gold-ETFs.

Zittrige Hände verlassen den Markt

Für überzeugte Gold-Anleger hat das auch sein Gutes: Sobald die zittrigen Hände den Goldmarkt verlassen haben, setzen sich die fundamentalen Argumente wieder durch. Auf welchem Niveau der faire Goldpreis aber, ohne spekulative Elemente, liegt, lässt sich schwer einschätzen.

Florian Söllner, Autor des Hot Stock Reports, äußerte im Youtube-Interview mit BÖRSE ONLINE diese Woche die Vermutung, dass der Goldpreis noch sehr lange unter seinen alten Hochs bleiben wird. Welches Chartmuster Söllner dabei vor allem Sorge macht, sehen Sie hier im Video auf dem Youtube-Kanal von BÖRSE ONLINE:

Physisch hinterlegtes Gold ist auch ein Element im „Stabile Werte“-Index von BÖRSE ONLINE.Hier erfahren Sie mehr dazu, wie Sie in diesen investieren können.

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Häufige Fragen zum Thema

Wie wird der Goldpreis festgelegt?

Das sogenannte "Fixing" findet zweimal täglich (um 11:30 und 16:00 MEZ) in London statt. Dort geben fünf Großbanken, die Mitglieder der London Bullion Market Association, den sogenannten Fixingpreis bekannt. Zu ihnen gehört auch die Deutsche Bank. Die zweite Zeit korreliert mit der Öffnung der US-Börsen. Das ist wichtig, weil der Goldkurs immer in US-Dollar pro Feinunze gerechnet wird. 

Wie schwer ist eine Feinunze Gold?

Eine Unze hat ein Gewicht von 31,10 Gramm, bei einer Reinheit von 99,9 Prozent. 

Warum kaufen Anleger Gold-ETF und Gold-ETCs?

Wer echtes Gold kauft, in Form von Barren oder Münzen, muss dafür sorgen, dass es diebstahlsicher verwahrt ist. Das verursacht zusätzliche Kosten für einen Tresor zu Hause oder die Miete für ein Schließfach. Viele Anleger kaufen deshalb verbrieftes Gold. In Deutschland geht das in Form von ETCs (Exchange Traded Commodities), bei denen der Rohstoff physisch eingelagert wird. Die bekanntesten Vertreter sidn Xetra-Gold und Euwax-Gold. Die Anleger haben hier theoretisch das Recht, ihr Gold auch physisch im Lager abzuholen. In der Praxis tut das in der Regel niemand. Dafür sind die Verwahrkosten bei Xetra-Gold oder Euwax-Gold deutlich niedriger.