Bis Ende Januar 2026 schien der Silberpreis nur noch eine Richtung zu kennen: Auf nach oben! Darauf folgte ein regelrechter Abverkauf mit anschliessenden Bodenbildungsversuchen. Wie geht es nun weiter?

Nach dem Rekordhoch von 121,67 US-Dollar am 29. Januar 2026 kam es am Folgetag zum abrupten Kurssturz. Der folgende Schlusskurs: nur noch 85,18 US-Dollar. Seither schwächelt der Silberpreis, aktuell wird die Feinunze nur noch für 70 US-Dollar gehandelt (Stand 02.04.2026).

Ausverkauf nach Lehrbuch

In der charttechnischen Analyse vom 21. Februar 2026 haben wir bereits erläutert, dass die Kursimplosion bei Silber lehrbuchmässig erfolgt ist (siehe "Ende des Silber-Ausverkaufs? Der Chart zeigt wie es weitergeht"). Damals erklärten wir auch, dass der Silberkursrückgang auf 70 US-Dollar bereits am 23. Januar 2026 vorhersehbar gewesen war.

(Chart-)technische Analyse für den weiteren Ausblick beim Silberkurs

Für die Entwicklung des Silberpreises in den nächsten Tagen ist pirmär der Tageschart massgebend.

Vorderhand ist dem Chart zu entnehmen, dass:
- der Silberkurs derzeit im Sandwich zwischen den wichtigen gleitenden Durchschnittskursen liegt. Oberhalb des aktuellen Kurses von 71,50 USD befinden sich die 50- und 100-Tagelinien (bei 78,07 und 73,72 US-Dollar), die als Widerstände zu betrachten sind. Unterhalb des derzeitigen Silberkurses halten sich die 200-Tage-Linie (momentan bei 63,41 US-Dollar) sowie die 50- und 200-Wochen-Linien (bei 59, 10 und 37,74 US-Dollar) auf, die daher auch als Unterstützungslinien gelten;

- gleichzeitig im Bereich von rund 71 US-Dollar eine weitere charttechnische Unterstützungslinie verläuft (türkisfarben dargestellt);

- die technischen Indikatoren MACD, RSI und Stochastik ein zur Schwäche neigendes Bild abgeben, da einerseits das MACD-Cross im überverkauften Bereich nicht recht gelingen will und andererseits der RSI sowie die Stochastik sich bereits wieder gegen Süden neigen.;

- die nach dem 2. März 2026 entstandenen Zwischenhochs jeweils tiefer lagen als das vorherige Zwischenhoch – ein klassisch bärisches Zeichen (siehe blaue Pfeile).

Die Börsenampel für den Silberkurs steht somit auf Tagesbasis noch noch nicht wieder auf grün, sondern auf gelb.

(Tages-)Chart Silberpreis
https://de.tradingview.com/chart/?symbol=OANDA%3AXAGUSD
(Tages-)Chart Silberpreis

Für die mittelfristige Entwicklung des Silberpreises ist der Wochenchart bedeutsam. Dieser präsentiert derzeit aber leider ein noch trüberes Bild: Der MACD zeigt weiter eine überkaufte Situation sowie mit der Zunahme des negativen Histogramms eine sich verschärfende Korrektur an. Auch die weiteren technischen Indikatoren ADX und Stochastik stützen die sich aus dem MACD ablesbare Interpretation. 

Bildlich ausgedrückt: Für die mittelfristige Perspektive des Silberpreises steht die Börsenampel sogar auf rot.

Fazit

An Silber interessierte Anleger machen wahrscheinlich nichts falsch, wenn sie die derzeitig scheinbare Stabilisierung noch nicht für bare Münze, also als Bodenbildung, nehmen und an der Seitenlinie bleiben. Sollte die bei rund 71 US-Dollar verlaufende Unterstützung mehrfach halten und sich danach ein neues, über 77 US-Dollar liegendes Zwischenhoch ausbilden, könnten sich spekulativ ausgerichtete Anleger trauen, einen ersten Fuß in die Tür zu stellen.

Anleger, die nicht direkt auf Rohstoffe setzen wollen, werden vermutlich mit dem «Stabile Werte Index» glücklicher.

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Häufige Fragen zu Silber:

Macht der Kauf von physischem Silber Sinn?
Eher weniger, da in Deutschland beim Kauf von Silberbarren und -münzen Mehrwertsteuer anfällt. Dies führt zwischen An- und Verkaufspreisen außerdem zu einem großen Spread, was die Renditechance stark reduziert. Über den Handel via Zollfreilager kann man die Steuer aber auf legale Weise vermeiden, solange die Silberbestände das Lager nicht verlassen. Hinzu kommt: Würde ein Anleger den gleichen Wert in Gold anlegen, benötigt er dafür nur einen Bruchteil des Platzes.

Was sind die wichtigsten Unterschiede zwischen Gold und Silber?
Der Silbermarkt gilt als weniger liquide als der Goldmarkt, was in der Vergangenheit zu einer deutlich höheren Volatilität im Silberpreis geführt hat. Die industrielle Silbernachfrage fällt dank seiner zahlreichen Eigenschaften physikalischer und antibiotischer Art deutlich höher als beim gelben Edelmetall aus.