In China beginnen am Dienstag die Feierlichkeiten zum chinesischen Neujahr. Für den Goldhandel bedeutet das: geringere Volumina in den kommenden Handelstagen - und dadurch möglicherweise stärkere Schwankungen.

Studien zum chinesischen Kapitalmarkt zeigen, dass viele private Investoren sehr aktiv handeln, Momentum-Strategien verfolgen und in Boomphasen auch verstärkt auf Kredit (Margin-Handel) spekulieren. Das kann Kursschwankungen verstärken, wie etwa während der Aktienmarktturbulenzen 2015 zu beobachten war. Diese Dynamik ist jedoch weniger Ausdruck einer pauschalen „Zockermentalität“, sondern eher Ergebnis eines vergleichsweise jungen Kapitalmarktes, begrenzter internationaler Anlagemöglichkeiten sowie einer traditionell hohen Sparquote, die nach renditestarken Alternativen sucht.

Chinesen gelten als sehr goldaffin

Zudem haben die massiven Probleme im chinesischem Immobiliensektor das Interesse an „Betongold“ gemindert und das Ansehen von echtem Gold erhöht. Gold genießt in China traditionell einen hohen Stellenwert. Es wird als Wertspeicher, als Symbol für Wohlstand und Glück sowie als Anlageinstrument betrachtet. Im Schmucksektor gehört China – neben Indien – seit Jahren zu den weltweit größten Nachfragern. Goldschmuck wird nicht nur aus ästhetischen Gründen gekauft, sondern häufig auch als Form der Vermögensanlage verstanden.

In den vergangenen Jahren ist das gelbe Edelmetall in China jedoch zunehmend auch zum Spekulationsobjekt geworden. Dies führte an der Shanghai Gold Exchange – quasi ein Pendant zur US-Terminbörse Comex – zu steigenden Umsätzen und Kursen. Die Börse sah sich mehrfach gezwngen, die erforderlichen Sicherheitsleistungen (Margins) anzuheben, um die spekulativ getrieben Volumina in geordeneet Bahnen zu lenken. 

Doch nicht nur die Chinesen zocken in der Hoffnung auf weiter steigende Kurse mit Gold: Weltweit scheint der Optimismus ungebrochen zu sein. In den USA wurden zuletzt sogar sogenannte Kaufoptions-Spreads mit Laufzeit Dezember entdeckt, die sich auf Goldpreise zwischen 15.000 und 20.000 Dollar beziehen.

Gold (ISIN: XC0009655157)

Starke ETF-Zuflüsse in Asien zu beobachten

Darüber hinaus spielt Gold in China eine wichtige Rolle als strategische Reserve. Die chinesische Zentralbank stockt ihre Goldbestände seit Jahren kontinuierlich auf, um die Abhängigkeit vom Dollar zu reduzieren und die Diversifikation der Währungsreserven voranzutreiben. In Zeiten geopolitischer Spannungen gewinnt diese Strategie zusätzlich an Bedeutung. Einen regelrechten Nachfrageboom verzeichnete laut World Gold Council aber auch der asiatische Gold-ETF-Sektor. Seit dem Jahr 2020 haben sich die Goldbestände dort von 115,1 Tonnen auf aktuell 498,8 Tonnen vervielfacht, wovon über 286 Tonnen von chinesischen ETFs verwahrt werden. Gemessen an den ETF-Beständen in Europa (1.416,5 Tonnen) oder den USA (2.136,7 Tonnen) besteht in Asien dennoch weiterhin Nachholbedarf.

Aktuell sind jedoch viele Chinesen aufgrund der Feierlichkeiten zum chinesischen Neujahr nur eingeschränkt aktiv. Bis zum Donnerstag bleiben mehrere asiatische Börsen geschlossen oder weisen eine deutlich geringere Liquidität auf. Mit dem Ende der Feierlichkeiten werden die Investoren dann schrittweise an die Märkte zurückkehren. Historisch betrachtet zeigte sich jedoch kein verlässliches saisonales Muster auf den Verluaf des Goldpreises nach den Feierlichkeiten. Entscheidend dürften vielmehr globale Faktoren wie die Entwicklung des Dollars, die Realzinsen, geopolitische Risiken und die ETF-Zuflüsse bleiben.

Übrigens: 2026 gilt als Jahr des Feuerpferds, das nur im Abstand von 60 Jahren eintritt. Dieses chinesische Tierkreiszeichen steht für besondere Energie, Leidenschaft und Dynamik. Es symbolisiert Mut, Freiheitsdrang und Durchsetzungskraft, gilt aber zugleich als impulsiv und potenziell turbulent. Nun darf man gespannt sein ob, sich diese Attribute 2026 auch beim Goldpreis niederschlagen werden.

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