Gold und Silber tendieren trotz der starken Performance in 2025 auch in diesem Jahr weiter bergauf. Viele Anleger fragen sich nun, ob die Rallye bereits übertrieben ist oder ob die Edelmetalle noch weiteres Potenzial besitzen. 

Grundsätzlich spricht vieles dafür, dass die langfristigen Kurstreiber weiterhin intakt sind – und sich in einigen Bereichen sogar noch verstärken könnten. In einer aktuellen Analyse wird die Rallye bei Gold und Silber laut Mark Shore, Direktor und Ökonom beim US-Terminbörsenbetreiber CME Group, nicht nur von geopolitischen Krisen oder Inflationssorgen getragen. Der wichtigste Treiber für Edelmetalle und den gesamten Rohstoffsektor bleibt demnach der Dollar.

Schwacher Greenback ist gut für Gold

Shore verweist darauf, dass Rohstoffe historisch häufig dann besonders stark steigen, wenn der Dollar an Wert verliert. Der Grund: Ein schwächerer Greenback verbilligt Gold, Silber und andere Rohstoffe für Käufer außerhalb der USA und erhöht dadurch die globale Nachfrage. Zwischen dem Dollar-Index DXY und dem Bloomberg Commodity Index habe über Jahrzehnte hinweg überwiegend eine inverse Beziehung bestanden. Gleichzeitig profitieren Edelmetalle aktuell von mehreren strukturellen Faktoren. Dazu zählen die hohe Staatsverschuldung vieler Länder, expansive Fiskalpolitik, geopolitische Spannungen sowie die anhaltend starken Goldkäufe der Zentralbanken. Vor allem Schwellenländer bauen ihre Reserven weiter aus, um sich unabhängiger vom Dollar zu machen.

Bei Silber kommt zusätzlich die steigende Industrienachfrage hinzu. Energiewende, Solarindustrie und der globale Ausbau von Rechenzentren sorgen für einen deutlich höheren Bedarf. Shore betont zudem, dass Rohstoffpreise oft zeitverzögert auf die Verbraucherpreise wirken. Gerade deshalb könnten Gold und Silber für Anleger als Inflationsschutz weiterhin attraktiv bleiben.

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Gold (ISIN: XC0009655157)

Schwache Währungen verstärken den Goldboom

Besonders deutlich zeigt sich dieser Effekt in Ländern mit schwachen oder instabilen Währungen. Dort dienen Gold und Silber für viele Menschen seit Generationen weniger als Investment, sondern als Schutz vor Kaufkraftverlust und Währungsabwertung. Ein besonders eindrucksvolles Beispiel ist die Türkei. Während der Goldpreis in Dollar in den vergangenen 20 Jahren um rund 555 Prozent gestiegen ist, beläuft sich das Plus in türkischer Lira auf mehr als 21.000 Prozent. Bei Silber zeigt sich ein ähnliches Bild: Während Silber in Dollar etwa 491 Prozent zulegte, beträgt der Anstieg in türkischer Lira rund 18.970 Prozent.

Auch Indien zeigt, wie stark Edelmetalle in Ländern mit Währungsproblemen nachgefragt werden. In indischen Rupien stieg Gold in den vergangenen 20 Jahren um rund 1.293 Prozent, Silber um etwa 1.158 Prozent. Edelmetalle sind dort tief in der Kultur verankert und gelten für viele Familien als langfristiger Vermögensschutz. Die Situation hat sich zuletzt sogar so zugespitzt, dass die indische Regierung drastisch reagierte. Um die schwache Rupie zu stabilisieren und die Devisenreserven zu schützen, erhöhte Indien die Importzölle auf Gold und Silber von sechs auf 15 Prozent. Zuvor appellierte Premierminister Narendra Modi an die Bevölkerung, auf unnötige Goldkäufe und Auslandsreisen zu verzichten.

Hintergrund ist die enorme Belastung durch hohe Ölpreise und Kapitalabflüsse. Indien gehört zu den größten Ölimporteuren der Welt und leidet besonders stark unter steigenden Energiekosten. Goldimporte verschärfen zusätzlich den Druck auf die Währung.

Trotz höherer Zölle dürfte die Nachfrage jedoch kaum dauerhaft einbrechen. Gerade in Krisenzeiten steigt in vielen Ländern das Bedürfnis nach realen Sachwerten. Gold und Silber profitieren dabei von einem entscheidenden Vorteil: Sie besitzen kein Kontrahentenrisiko und können nicht beliebig vermehrt werden.

Fazit: Auch Dollar und Euro haben in den vergangenen Jahrzehnten massive Kaufkraftverluste erlitten – Gold nicht.

Silber (ISIN: AF0000SILVER)

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