Apple | A14M21
Apple zündet historisch im zweiten Halbjahr den Turbo. Mit John Ternus könnte nun auch noch der legendäre Designgeist von Steve Jobs zurückkehren.
Apple ist längst nicht mehr die große Wundermaschine früherer Jahre. Vielen Anlegern ist der Konzern zu berechenbar geworden, zu groß, zu satt. Innovation? Seit Jahren Fehlanzeige. Die Zeiten, in denen Apple mit iPod, iPhone und Co die Welt revolutioniert hat, scheinen Geschichte. Doch an der Aktie prallt die Skepsis erstaunlich gut ab. Gerade in der zweiten Jahreshälfte ist Apple eine Highspeed-Maschine.
Vollgas im zweiten Halbjahr
Auf Sicht von 20 Jahren gab es im dritten Quartal durchschnittlich 12,6 Prozent. In den letzten 25 Jahren waren es immer noch 10,1 Prozent. Verpufft war das Momentum danach noch lange nicht. Im Gegenteil. Das Durchschnittsplus im vierten Quartal lag seit 2000 bei 10,7 Prozent – und toppt damit sogar das Q3. Während Apple operativ in den letzten Jahren nicht mehr nach Aufbruch klang, spricht die Statistik an der Börse somit eine komplett andere Sprache: Im zweiten Halbjahr zündet die Aktie den Turbo so dynamisch und zuverlässig wie kaum ein zweiter Titel.
Doch die starke Saisonalität ist nur die eine Seite der Apple-Story. Die andere ist strategischer Natur – und könnte für die Aktie sogar noch wichtiger werden. Hinter den Kulissen bahnt sich gerade eine Entwicklung an, die für den Konzern weit bedeutender wäre als ein starkes drittes oder viertes Quartal. Denn genau dort, wo Apple in den vergangenen Jahren am meisten an Strahlkraft verloren hat – beim Design, bei der Produktmagie, beim Gefühl von echter Neuerfindung –, soll mit John Ternus nun ein Kurswechsel eingeleitet werden.
Comeback der Designabteilung
Mit dem Mann, der ab September die Nachfolge von Tim Cook antreten wird, rückt ein Manager in den Mittelpunkt, der genau dort ansetzen will. Ein Comeback der Designabteilung wäre weit mehr als nur ein personeller Akzent. Apple soll sich in Zukunft wieder stärker über das Produkt definieren – und nicht nur über die monetäre Perfektion eines Weltkonzerns.
Unter Tim Cook verlor Apples berühmtes Industrial-Design-Team massiv an Einfluss. Sinnbild dafür ist der schrittweise Weggang des langjährigen Chefdesigners Jony Ive. Laut Bloomberg-Experte Mark Gurman ist Ternus bewusst, dass ein grundlegender Umbau der Abteilung nötig ist. Den ersten Schritt dafür hat er bereits gesetzt. Schon seit Januar berichtet das Designteam direkt an John Ternus. Er soll zudem bereits viel Zeit mit der Industrial-Design-Gruppe verbringen. Sie war lange die einflussreichste Abteilung im Konzern. Unter Jony Ive entstanden dort iPod, iMac und iPhone. Spätestens seit seinem Abgang im Jahr 2022 sind diese Glanzzeiten vorbei. Insidern zufolge holen sich andere Apple-Teams aus der Designabteilung mittlerweile nur noch Prototypen, CAD-Daten oder Unterstützung bei Material- und Farbauswahl ab. Die Revoluzzerabteilung ist unter Tim Cook zu einer Servicestelle verkommen. Macht Ternus ernst, besteht nun erstmals seit Jahren wieder die Chance auf echte Produktinnovationen bei Apple.
Service-Turbo plus Hardware-Hoffnung
Apple ist zugleich längst nicht mehr nur eine Hardware-Story. Das Servicegeschäft ist vom Beiwerk zum Gewinnmotor geworden: 2014 stand die Sparte für knapp zehn Prozent des Umsatzes, 2025 waren es bereits 26,2 Prozent. Beim Gewinn spielen Services eine noch viel größere Rolle. Der Serviceanteil am Bruttogewinn lag 2025 bei 42,2 Prozent. Tendenz stark steigend. Der Grund: Die Sparte arbeitet mittlerweile mit Bruttomargen von mehr als 75 Prozent – weit über dem Hardwaregeschäft. Wenn John Ternus nun auch der zuletzt trägeren Hardware wieder mehr Design, Tempo und Begehrlichkeit einhaucht, könnte zur margenstarken Servicemaschine wieder ein echter Produktzyklus hinzukommen und damit der richtige Stoff für die nächsten Kursrallys.
Fazit
Zurück zum Geist von Jobs
Apple ist das Sinnbild einer Gewinnmaschine. Mit John Ternus dürfte nun auch die Innovation der alten Jobs-Zeiten zurückkehren. Im Kombination mit der starken Saisonalität können Anleger nun wieder einen Fuß in die Tür setzen.